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Verpflichtung zum Hausbesuch?

Sie liegen krank im Bett und fühlen sich zu schwach, um auf eigenen Beinen ins Badezimmer zu gelangen. Muss Ihr Arzt zu Ihnen nach Hause kommen?

Verankerung im Behandlungsvertrag

Die Berufsordnung der Ärzte verankert die Pflicht zur gewissenhaften Berufsausübung. Dazu gehören auch Hausbesuche. Des Weiteren schließen Sie als Patient mit Ihrem Arzt einen „Behandlungsvertrag“, der einen Hausbesuch einschließt.

Ein Behandlungsvertrag bezeichnet einen Vertrag ohne Unterschrift, den Arzt und Patient abschließen und der durch einverständliches Handeln beider Seiten zustande kommt. Inhalt des Vertrages ist die Durchführung Ihrer medizinischen Behandlung. Diesem Vertrag schuldet niemand Erfolg. Der Arzt verpflichtet sich dazu, die medizinische Behandlung mit aller ihm zur Verfügung stehenden Sorgfalt durchzuführen, die Ergebnisse mitzuteilen und die Schweigepflicht zu wahren. Der Behandlungsvertrag beginnt mit der Vereinbarung eines Termins und endet mit dem Ende der Behandlung.

Ferndiagnosen zur Umgehung eines Hausbesuches

Sie möchten einen Termin für einen zeitnahen dringenden Hausbesuch bekommen. Aber die Sprechstundenhilfe oder der Arzt versuchen, telefonisch alles Notwendige zu besprechen. Solche Ferndiagnosen sind nach einem Urteil des Bundesgerichtshofes nicht statthaft. Zur Diagnosestellung darf sich ein Arzt nicht auf die Aussagen von Patienten oder Angehörigen am Telefon verlassen. Er muss sich ein eigenes Bild vor Ort machen. Entschuldigt ist er, wenn er sich zur fraglichen Zeit um andere Patienten kümmerte oder ohne eigenes Verschulden den Besuch nicht durchführen konnte (z.B. defektes Auto). In dem Fall muss er organisieren, dass sich ein Kollege um den Patienten kümmert.

Natürlich gibt es im „Notfall“ keine Hausbesuchspflicht. Bekommt Ihr Arzt den Eindruck einer lebensbedrohlichen Situation aufgrund der geschilderten Probleme, ruft er sofort den Rettungswagen. Abends, nachts und am Wochenende kann Ihr Arzt Sie an den ärtzlichen Bereitschaftsdienst verweisen und muss nicht selbst losfahren, wenn er keinen Dienst hat. Der Bereitschaftsarzt ist im Rahmen seines Dienstes ebenfalls zu Hausbesuchen verpflichtet. Im „Normalfall“ erhalten Sie innerhalb der Sprechstundenzeit ein Recht auf einen Hausbesuch. Für Ihren Arzt besteht bei medizinischer Indikation die Pflicht eines Besuchs. Eine medizinische Indikation liegt vor, wenn der Arzt eine medizinisch begründete Dringlichkeit sieht.

Die Kosten eines Hausbesuches

Sind Sie gesetzlich versichert, bezahlt Ihre Krankenkasse. Privat Versicherte bezahlen ein Wegegeld. Die Höhe regelt die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). Diese richtet sich nach der Entfernung für den Arzt und der Tageszeit des Besuches.

Versorgt ein Arzt mehrere Patienten in einer Wohnung zeitgleich im Rahmen eines Hausbesuches, darf er das Wegegeld nur einmal berechnen oder anteilig in Rechnung stellen. Führt er dagegen in einem Mehrfamilienhaus nacheinander zwei Besuche in getrennten Wohnungen durch, veranschlagt er zweimal Wegegeld. Die Strecke berechnet sich von der Praxis aus, egal wo der Arzt sich vorher befand. Das gilt auch, wenn er im Nachbarhaus vorher jemanden besuchte und den Weg zu Ihnen zu Fuß zurücklegte.

Abgelehnter Hausbesuch: Was tun?

Lehnt ein Arzt einen dringenden Hausbesuch ab, können Sie als Patient Schadensersatzansprüche wegen Verletzung des Behandlungsvertrages anmelden. Darüber hinaus drohen dem Arzt berufsrechtliche Verfahren. Diese leitet die Ärztekammer vor speziellen Berufsgerichten wegen Verletzung der Berufspflichten ein.

Fazit: Im absoluten Notfall besteht für jeden Arzt immer und überall die Verpflichtung zu helfen. Wenn Sie nicht wegen einer ernsten Erkrankung in die Praxis kommen können, besteht für Ihren Arzt innerhalb der Sprechstundenzeit ebenfalls die Verpflichtung, Sie aufzusuchen und medizinische Hilfe zu leisten. Eine Ablehnung des Besuches ist in wenigen Ausnahmefällen möglich.

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