MenüMenü

Worauf es beim Schulranzen ankommt: Kauftipps für das beste Modell

von Dr. Andrea Schmelz, Chefredakteurin von „Gesundheit und Erziehung für mein Kind“

Viel zu schwer bepackt machen sich ABC-Schützen oft auf den Schulweg. Ein leichter Ranzen, richtig angepasst, und eine clevere Packstrategie schonen den Rücken Ihres Schulanfängers.

Eine Untersuchung an über 2.000 Grundschulkindern ergab, dass keines der Kinder ein seinem Körpergewicht angemessenes Schulranzengewicht aufweisen konnte. Schwere Ranzen, schlechte Schulmöbel und Bewegungsmangel führen dazu, dass zum Ende des Grundschulalters schon 48 Prozent aller Kinder über Rückenschmerzen klagen. Bei ABC-Schützen ist die Wirbelsäule durch Fehl- und Überbelastung leicht verformbar und deshalb besonders anfällig.Auch die noch nicht voll entwickelte Muskelkraft muss berücksichtigt werden. Deshalb sollte der gepackte Schulranzen nicht mehr als 10 Prozent des Körpergewichtes wiegen, also bei einem durchschnittlich 25 kg wiegenden Erstklässler nicht mehr als 2,5 kg. In Ausnahmefällen dürfen es auch 12 Prozent sein.

Wählen Sie einen leichten, ergonomischen Ranzen

Natürlich muss das Design des Schulranzens Ihrem Kind auch gefallen (zu kindliche Motive wie Häschen oder Bärchen gelten allerdings oft schon ab der 3. oder 4. Klasse als „uncool“ – und ein neuer Ranzen muss her!), doch kommt es bei der Wahl des richtigen Modells mehr auf die „inneren Werte“ und die Sicherheit an:

  • Nehmen Sie Ihr Kind immer zum Anprobieren mit! Der ideale Ranzen ist hochformatig, sollte nicht wesentlich breiter als die Schulterpartie Ihres Kindes sein und die Oberkante schließt mit den Schultern ab. Das Leergewicht des Ranzens sollte maximal 1200 Gramm betragen. Die leichtesten Modelle wiegen sogar nur 1000 Gramm.Wählen Sie einen Ranzen aus robustem, wasserdichten Material (Polyester, Nylon). Lederranzen sind für Erstklässler einfach zu schwer!
  • Achten Sie auf einen ergonomischen Sitz. Das Rückenteil sollte komplett gepolstert und ergonomisch geformt sein. Es muss sich dem Rücken Ihres Kindes anpassen. Eine so genannte Reliefpolsterung verbessert die Druckverteilung und die Trageeigenschaften. Die gepolsterten Tragegurte müssen stufenlos und leicht verstellbar sowie mindestens vier Zentimeter breit sein. Der Tragegriff sollte mindestens acht Zentimeter lang sein.
  • Große Reflektoren an allen Seiten erhöhen die nötige Verkehrssicherheit. Die Fläche der Vorder- und Seitenteile muss mit mindestens 10 Prozent retroreflektierendem Material und 20 Prozent fluoreszierendem Material versehen sein.
  • Normale Umhängetaschen und Rucksäcke sind nicht geeignet. Extra konzipierte Schulrucksäcke (etwa McNeill Ergo Light 2 oder Schulrucksäcke von hama) sind hingegen aus orthopädischer Sicht günstig für den Rücken. Für einen guten Schulranzen müssen Sie durchschnittlich 90 € oder sogar mehr ausgeben.

Mein Tipp: Kaufen Sie einen Schulranzen, der nach DIN 58124 zertifiziert ist. Dann können Sie sicher sein, dass die hier aufgeführten Kriterien erfüllt sind. Kaufen Sie Ihrem Kind nicht nur einen leichten, sondern tendenziell auch eher einen kleinen Schulranzen, denn in einem großen wird auch mehr herumgeschleppt!

Schulranzen für eine gleichmäßige Belastung korrekt anpassen

Der Schulranzen muss unbedingt auf dem Rücken (nicht in der Hand oder lässig über eine Schulter geworfen!) sowie möglichst senkrecht und dicht am Körper getragen werden, um Haltungsschäden zu vermeiden. Damit beide Schultern gleichmäßig belastet werden und Ihr Kind nicht schief geht,müssen beide Trageriemen gleich lang eingestellt sein und eng am Körper anliegen. Die Oberkante des Ranzens sollte sich waagerecht in Schulterhöhe befinden. Bei zu langen Gurten drückt der Ranzen im Bereich der Lendenwirbelsäule und begünstigt ein Hohlkreuz, zu straff gezogene Gurte verursachen einen Rundrücken.

Mein Tipp zur schnellen Gurt-Einstellung:

Lassen Sie Ihr Kind beim Anziehen des Ranzens in die Gurte schlüpfen, auf der Stelle hüpfen und gleichzeitig an den Gurten ziehen – so erhält man den perfekten Sitz. Um Haltungsschäden vorzubeugen, ist die korrekte Anpassung des Ranzens wichtiger als das absolute Schulranzengewicht! Problematisch ist auch der heute oft herrschende Bewegungsmangel, der zu einem unzureichend trainierten Haltungs- und Bewegungsapparat führt. Bewegen Sie sich als Ausgleich mit Ihrem Kind viel in der Freizeit oder lassen Sie es, wenn es möchte, im Sportverein turnen.

Nicht mehr als nötig in den Ranzen packen!

Packen Sie mit Ihrem Kind jeweils am Vorabend den Schulranzen für den nächsten Tag. Hinein gehört nur,was Ihr Kind wirklich braucht! „Gewichtige“ Glücksbringer, Spielsachen oder leere Getränkeflaschen haben darin nichts verloren. Achten Sie darauf, den Ranzen so zu packen, dass das Gewicht gleichmäßig verteilt ist, also z. B. nicht alle schweren Bücher auf der linken Seite stecken. Beim Einräumen sollten die schweren Bücher in das Fach, das dem Rücken am nächsten ist, gepackt werden. So wird das Gewicht des Ranzens nah am Körper getragen, das entlastet den Rücken. Kontrollieren Sie regelmäßig (mindestens alle 14 Tage) das Gewicht des vollgepackten Ranzens.

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten