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Wie viele und welche Grenzen braucht ein Kind?

Mit den Begriffen Grenzen, Regeln und Konsequenzen verbinden viele Eltern eine starre, autoritäre Erziehung. Und damit möchte man sein Kind ja keinesfalls traktieren. Daher fällt es Eltern oft schwer, konsequent zu bleiben, wenn ihr Kind bettelt und schmeichelt oder entnervend trotzt und quengelt. Sie befürchten, ihr Kind könnte sich ungeliebt fühlen. Tatsache ist jedoch: Kinder brauchen Grenzen, denn Grenzen geben ihnen das Gefühl, sich besser in ihrer Umwelt zurechtzufinden. Grenzen sind für Kinder im positiven Sinne Orientierungshilfen. Und es ist die Pflicht von uns Eltern, ihnen diese Orientierung zu geben.

Möglicherweise wäre es Ihrem Kind eine gewisse Zeit angenehm, wenn Sie es immer gewähren ließen, wie es will. Es wird dann aber das Gefühl bekommen, dass es Ihnen gleichgültig ist, was es treibt, oder dass Sie nicht an ihm interessiert sind. Es wird Ihr Nicht-Eingreifen auch als Mangel erleben. Schließlich kann es manchmal eine Erleichterung sein, wenn man gesagt bekommt, wo es langgeht. Kinder, die nicht in ihre Schranken verwiesen werden, entwickeln sich zu kleinen Tyrannen. Das ständige Gequengel und die vermehrte Aufmerksamkeit, die sie fordern, sind jedoch ein Hilferuf nach Halt und Orientierung!

Kleine Rebellen brauchen liebevolle Konsequenz

Grenzüberschreitungen sind normal – und das nicht erst in der Pubertät.Während der Trotz- und Quengelphasen probieren Kinder gerne aus, wie weit sie gehen können, und versuchen immer wieder, Grenzen zu übertreten. Das ist völlig normal und kein Anlass zur Sorge. Es ist nur ziemlich nervenaufreibend und anstrengend. Reagiert Ihr Kind nicht auf eine freundlich, aber bestimmt vorgetragene Anweisung – Blickkontakt nicht vergessen! –, hilft es meist nichts, das Anliegen in zunehmender Lautstärke zu wiederholen. Jetzt müssen Sie handeln! Wie, das verrät Ihnen unsere „Top Ten“ der besten logischen Konsequenzen.

  1. Kinder, die sich geliebt und angenommen fühlen, können Regeln und Grenzen leichter akzeptieren.
  2. Vermeiden Sie zu viele bzw. unnötige Verbote. Beugen Sie Problemen lieber auf andere Weise vor: Richten Sie Ihre Wohnung z. B. so ein, dass Ihr Kleinkind Gefährliches oder Wertvolles gar nicht erst erreichen kann (einschließen, in höhere Regale räumen).Verlangen Sie nicht zu viel von Ihrem Kind, etwa dass es sich bei einem langen Telefonat die ganze Zeit ruhig verhält. Überlegen Sie sich, bevor Sie ein Verbot aussprechen, ob Sie immer noch darauf bestehen würden, wenn Ihr Kind deswegen einen Wutanfall bekäme und sich schreiend auf dem Boden wälzen würde. Bei dem, was Sie trotzdem verbieten würden, handelt es sich in der Regel um wirklich wichtige Dinge, die z. B. dem Schutz Ihres Kindes vor Gefahren dienen.
  3. Formulieren Sie Regeln und Verbote eindeutig. Sprechen Sie mit fester Stimme in kurzen, klaren Sätzen mit Ihrem Kind. Stellen Sie sicher, dass es tatsächlich zuhört, indem Sie es ansehen und vielleicht sogar berühren, um seine Aufmerksamkeit auf Sie zu lenken.
  4. Zeigen Sie Verständnis für den Ärger oder Trotz Ihres Kindes, wenn es mit einem Verbot konfrontiert wird. Bleiben Sie aber trotzdem konsequent!
  5. Räumen Sie Ihrem Kind ein Mitspracherecht ein. Ab dem Kindergartenalter können Sie mit Ihrem Kind gemeinsam Regeln vereinbaren. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Kind sich auch daran halten wird.
  6. Erklären Sie, warum Ihr Kind etwas tun soll bzw. nicht darf . Wenn es den Grund kennt, fällt es ihm leichter, sich an die Regel zu halten.
  7. Drohen Sie nie mit Folgen, die Sie nicht einhalten können oder wollen. Vermeiden Sie z. B. Drohungen wie „Wenn du nicht brav bist, nehme ich dich nie wieder mit zum Einkaufen!“ Ihr Kind lernt daraus nämlich nur, dass man Ihre Drohungen nicht ernst nehmen muss, weil die angekündigten Konsequenzen nicht eintreten.
  8. Setzen Sie auf den Nachahmungstrieb. Sie als Eltern sind das beste Vorbild für Ihr Kind. Halten Sie sich aber selbst nicht an die geltenden Regeln, kann Ihr Kind nur schwer verstehen, warum es das tun sollte.Wenn z. B. der Papa die Wohnung mit Straßenschuhen betritt, wird natürlich der Sohn nicht akzeptieren, dass er sich die Schuhe schon vor der Haustür ausziehen soll.
  9. Ausnahmen sind erlaubt, jedoch nicht ständig. Bei besonderen Anlässen (z. B. Geburtstag, Familienfeiern) darf Ihr Kind ruhig auch etwas länger aufbleiben oder mehr naschen, als üblicherweise erlaubt ist. So kann es erkennen, dass Sie seine Wünsche verstehen und ernst nehmen.
  10. Grenzen und Regeln sollten den Erfordernissen angepasst werden. Lehnt Ihr Kind sich andauernd gegen bestimmte Regeln auf, sollten Sie überprüfen, ob diese für Ihr Kind noch passend sind oder Sie ihm vielleicht schon etwas mehr Eigenständigkeit zutrauen können.
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