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Was Mann einer Frau niemals sagen soll…

Houston, wir haben ein Problem. Meine Holde ist entscheidungsschwach. Genauer: Sie mag es partout nicht, unwichtige Entscheidungen zu treffen. Mit den wirklich wichtigen hat sie überhaupt kein Problem. Zum Beispiel: „Bestell ich mir jetzt diese Schuhe oder bestelle ich sie mir nicht?“ Oder auch: „Leiste ich mir dieses wunderschöne Kleid oder nicht?“ (In beiden Fällen kann ich Ihnen übrigens ziemlich genau sagen, wie die jeweilige Entscheidung ausfällt.)

Anders aber sieht das mit den unwichtigen Entscheidungen aus. Zum Beispiel auf die von mir harmlos in den Raum gestellte Frage: „Möchtest du heute Abend ins Kino oder sollen wir schön essen gehen oder möchtest du lieber zu Hause bleiben?“ Nicht, dass meine Holde auf eine solche Frage nicht antwortet. Natürlich tut sie das. Nur, sie entscheidet nicht. Sie antwortet: „Ach, entscheide du!“ Im Grunde könnte also alles ganz einfach sein. Ist es aber nicht. Das lässt sich an den verschiedenen Reaktionsmöglichkeiten festmachen, die auf diese Erwiderung möglich sind.

Möglichkeit 1:

„Okay, dann gehen wir ins Kino.“

Antwort: „Ach nö, dazu habe ich heute keine Lust. Lass uns was anderes machen!“

„Aber du hast doch gesagt, ich soll entscheiden!“

„Ja, schon. Aber doch nicht so!“

Möglichkeit 2:

„Nein, ich habe doch dich gefragt, was du machen möchtest. Also sag schon.“

Antwort: „Ach ich weiß nicht. Nein, wirklich nicht. Also mir ist egal. Wirklich. Entscheid einfach du. Das machen wir dann.“

„Okay, dann gehen wir ins heute Kino.“ (Rest siehe Möglichkeit 1.)

Möglichkeit 3:

Schweigen. Ein langer Blick auf die Holde. Sie wird nervös.

„Warum guckst du mich so an?“

„Na, ich warte auf eine Antwort!“

„Worauf?“

„Auf die Frage, was du heute Abend machen möchtest.“

„Ach so.“

Schweigen.

„Hallo, ich habe dich was gefragt!“

„Ach, ich weiß nicht.“

„Willst du lieber etwas anderes machen?“

„Ach, ich weiß nicht.“

„Also Essen gehen?“

„Ach, ich weiß nicht.“

„Hierbleiben?“

„Ach, entscheide halt du!“

„Also gut, Kino!“ (Alles Weitere siehe Möglichkeit 1).

Bislang dachte ich immer, dass ich mit diesem Phänomen einer entscheidungsunfreudigen Holden alleine dastehe. Doch weit gefehlt. Mehrere Freunde berichteten übereinstimmend, dass es ihnen mit ihren Frauen kaum anders geht.

Immerhin, ein guter Freund, seit Jahren Junggeselle und deshalb als Berater in Beziehungsfragen bestens geeignet (Sie kennen vielleicht auch den Spruch: Ein Berater ist ein Mann, der 99 Stellungen kennt, aber kein einziges Mädchen), empfahl, es nach der allseits beliebten Diktatoren-Methode zu machen. Die Frau der Wahl erst gar nicht vor die Wahl zu stellen, sondern vor eine alternativlose Auswahl. Etwa so:

„Hallo Schatz. Halb acht müssen wir aus dem Haus. Um acht beginnt der Film. Wir gehen heute ins Kino.“

In der Theorie funktioniert das übrigens ganz gut. In der Praxis nie. Spielen wir das Ganze einmal am praktischen Beispiel durch. An meiner Holden also:

„Hallo Schatz. Halb acht müssen wir aus dem Haus. Um acht beginnt der Film. Wir müssen ins Kino.“

„Spinnst du?“

„Wieso das?“

„Du kannst doch nicht einfach für dich alleine bestimmen, was wir heute unternehmen!“

„Ach, wieso denn nicht?“

„Na, weil wir ein Paar sind. Und da stimmt man sich ab!“

„Was heißt das?“

„Also du könntest mich vorher ruhig mal fragen, ob ich überhaupt ins Kino will, statt hier so diktatorisch zu bestimmen!“

„Also gut: „Willst du heute Abend ins Kino?“

„Ach, weiß nicht.“

Ja, und so fristen wir nun seit Jahr und Tag unsere Abende zu Hause. Kommen gar nicht mehr raus. Und manchmal sitzen wir nur einfach herum und seufzen: „Ach ich weiß nicht, ach ich weiß nicht.“ Und manchmal sitze ich auch nur einfach rum und weiß, dass ich nichts weiß. Aber das weiß ich.

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