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Was Frauen wirklich, wirklich glücklich macht…

Ich bin in tiefer Sorge. Meine Holde hatte gestern Wichtiges zu verkünden. Sie möchte unser Leben neu organisieren. Nicht, weil unser bisheriges Leben so ein großer Mist gewesen wäre, sondern weil sie ein Interview mit einem gewissen Herrn Paul Dolan gelesen hat. Der Mann ist Verhaltensforscher und sagt: „Glück lässt sich organisieren!“.

Der kleine Haken an der Sache: Ich bin ausdrücklich unglücklich, wenn es um das Thema Umorganisieren geht. Es gibt sogar Menschen, die behaupten, dass ich schon unglücklich bin, wenn es überhaupt um das Thema „geh doch mal organisiert vor“ geht. Wie in aller Welt kommt meine Holde also auf die Idee, irgendetwas neu organisieren zu wollen?

„Glück organisieren besteht unter anderem darin, sich auf eine Sache zu konzentrieren, und zwar richtig!“ Mit diesem Satz begann sie ihre wichtige Mitteilung. Meine Antwort: „Prima. Dann konzentrier ich mich jetzt auf meinen PC und schon bin ich glücklich.“ Wer meine Holde kennt, weiß: So einfach lässt sie sich nicht abwimmeln. „Wenn Frauen einen Plan haben, wird der durchgezogen. Wenn Männer einen Plan haben, geht es schief.“ Ein Lieblingsmotto von ihr.

„Hör zu, statt Unsinn zu reden“, setzte sie ihren Vortrag fort. „Wir machen uns viel zu wenig Gedanken darüber, was uns glücklich macht und was nicht. Vielleicht könnten wir ja noch viel glücklicher sein als jetzt. Wenn wir uns eben immer nur auf eine Sache konzentrieren.“

„Also Du auf mich und ich auf Dich?“, fiel ich ihr ins Wort.

„So ähnlich. Ich meinte mehr: Du und ich auf eine Sache. Also kein Handy mehr im Restaurant. Keine E-Mails nebenbei mehr checken, wenn wir uns unterhalten. Mich statt des Hundes kraulen und so weiter.“

Ich fiel ihr erneut ins Wort: „Dann ist aber der Hund unglücklich.“

Meine Holde stutzte. Ihr Gesichtsausdruck wurde finster. „Du willst also sagen, dass Dir das Glück unseres Hundes wichtiger ist als mein oder unser Glück?“

„Das will ich überhaupt nicht sagen. Ich sage nur: Man kann ja nicht das eigene Glück auf dem Unglück eines anderen bauen.“

„Jetzt hör mal auf mit dem blöden Hund. Es geht hier um uns!“

„Um unser Glück“, korrigierte ich und fing gedankenverloren an, den Hund am Ohr zu kraulen, der sich zwischenzeitlich zu uns geschlichen hatte. Keine gute Idee.

„Machst Du das jetzt mit Absicht, oder was?“

„Was?“, fragte ich unschuldig.

„Den Hund kraulen. Du kraulst den Hund! Das heißt, Du konzentrierst Dich jetzt gar nicht auf mich, obwohl ich Dir gerade beigebracht habe, dass Glück auch davon abhängt, dass man sich auf eine Tätigkeit konzentriert. Also hör auf damit, den Hund zu kraulen!“

Bedauernd zog ich meine Hand weg, während ich meine Holde nachdenklich betrachtete. Wie kann man so unglücklich aussehen, wenn man sich über Glück unterhält, schoss mir durch den Kopf. Unmerklich schüttelte ich ihn. Eine Geste, die meine Holden sofort registrierte.

„Was?“, fragte sie in einem Ton, der alles andere als nach überschäumendem Glück klang.

„Ich gebe Dir mal ein Beispiel“, sagte ich. „Stell Dir vor, wir gehen in ein Weinlokal. Dort konzentriere ich mich ausdrücklich auf das Trinken und kein bisschen auf Dich. Bist du dann glücklich?“

Entgeistert blickte mich meine Holde an. „Was soll das denn jetzt? Du sollst Dich auf mich konzentrieren, damit wir glücklich sind. Was für ein blödes Beispiel!“

„Anderes Beispiel“, antwortete ich ganz ruhig. „Du stehst im Bad. Lockenwickler auf dem Kopf und damit beschäftigt, Dir Haare am Bein auszuzupfen. Ich geselle mich zu Dir, um mich voll und ganz auf Dich zu konzentrieren. Bist du dann glücklich?“

„Du bist wirklich der größte Blödmann, den ich kenne.“ Mit wütenden Augen blitzte mich meine Holde an, stapfte einmal mit dem Fuß auf den Boden, um dann schnurstracks irgendwo in der Wohnung zu verschwinden.

Geschafft. Das mit der Neuorganisation hat sich erledigt. Das macht mich glücklich. Und keine Sorge: Meine Holde wird es auch bald wieder sein. Ich habe mir den Artikel besorgt und da steht wörtlich: „Ein Schlüssel zu Zufriedenheit besteht darin, die Erwartungen zu senken. Alles, was darüber hinausgeht, macht Sie glücklich.“ Na also. Nach diesem Gespräch kann meine Holde also bald gar nicht mehr anders, als sehr, sehr glücklich zu sein. Was täte sie bloß ohne mich?

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