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Warum Männer niemals mit der Kellnerin flirten sollten

Als ich gestern Abend ein paar liegengebliebene Zeitungen durchblätterte, fiel mein Blick auf eine Kurzmeldung, die leider auch von meiner Holden nicht unentdeckt blieb. Die Meldung lautete:

„41 Prozent der deutschen Männer würden auf Reisen gerne mit der Kellnerin im Hotelrestaurant flirten, wie eine Umfrage ergab.“

Ich war beim Lesen der Meldung noch nicht an dem Punkt hinter dem Wort „ergab“ angekommen, als meine Holde schon loslegte:

„Das ist mal wieder typisch. Und wahrscheinlich flirtet ihr sogar mit den Kellnerinnen, wenn eure Frauen dabei sind!“

Klarer Fall von verschärfter Sippenhaft! Anstatt zu sagen: „Es mag vereinzelt Männer geben, die eventuell nicht abgeneigt wären, mit einer Kellnerin ein wenig herumzukokettieren“ spricht sie von „ihr“ und „eure Frauen“. Ganz nach dem Motto: Ist ein Mann ein Schuft, sind es alle! Schon allein kraft Geschlechts. Merkwürdig nur, dass es sich beim weiblichen Geschlecht genau anders herum verhält: Benimmt sich eine Frau unanständig, werden alle anderen Frauen nicht müde, unablässig zu betonen, dass sie persönlich selbstverständlich ganz anders sind.

Doch wenn meine Holde über Männer spricht und dabei die Worte „ihr“ und „euch“ verwendet, ist jegliche Diskussion sinnlos. Mann nähme damit einen Kampf auf, der nicht zu gewinnen ist. So bleibt nur die Flucht in harte Fakten. Harte Fakten in diesem Fall:

„Also hör mal zu. Die Zahl besagt, dass 59 Prozent der Männer nicht mit den Kellnerinnen flirten. Das ist die Mehrzahl der Männer. Wenn man nun überlegt, dass 43 Prozent aller heiratsfähigen Männer Singles oder Alleinstehend sind, dann bedeutet das doch, dass sogar 2 Prozent der flirtfähigen Männer erst gar nicht auf die Idee kommen, mit der Kellnerin zu flirten. So viele Männer habt ihr Frauen also schon vergrault!“

Das Schöne an so einer Argumentation: Sie beinhaltet einen Vorwurf in Richtung Frau. Das kann meine Holde natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Das nennt man indirekte Kollektivhaftung und sie funktioniert hervorragend. So wie auch in diesem Fall:

„Nun hör schon auf. Als ob wir Frauen was dafür können, dass so viele Männer keine Partnerschaft eingehen wollen. Das liegt nur daran, dass so viele Kerle Egoisten sind, die nicht bereit sind, sich auch nur ein klitzekleines Bisschen anzupassen. Während von der Frau wie selbstverständlich erwartet wird, dass sie zu allem Ja und Amen sagt, wollen sich diese Kerle auch nicht einen Millimeter bewegen. Da müssen die sich gar nicht wundern, dass sie keine abkriegen und nicht mal eine Kellnerin mit ihnen flirten will!“

Das ist meine Chance. Auf zum Konter:

„Du sagst also, dass ich mich nicht bewege und dir kein bisschen entgegenkomme?“

„Ich meine doch jetzt nicht dich!“

„Du sagst also, dass ich egoistisch bin?“

„Nein, nicht du. Ich habe ja lange genug an dir herum erzogen!“

„Aha. Also sagst du, dass nur egoistische Männer, die nicht bereit sind, einer Frau auch nur ein klitzekleines bisschen entgegenzukommen, nicht mit Kellnerinnen flirten?“

„Na ja, so ungefähr!“

„Du sagst aber auch, dass ich nicht egoistisch bin und dir ab und an entgegenkomme?“

„So in etwa.“

„Na, dann ist ja alles in bester Ordnung!“

„Hä!“

„Ja, dann darf ich ja ganz in Ruhe mit den Kellerinnen flirten. Weil ich bin ja gar nicht einer von diesen Kerlen.“

Knapp 250 Gramm wiegt eine Zeitschriftenausgabe. Das ist gar nicht viel, wenn man sie auf den Kopf gehauen bekommt …

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