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Oma und Opa: Nicht nur Tankstelle für blanke Enkelkinder

von Sylvia Schneider

Natürlich von Tag zu Tag, Einfälle und Ausfälle

Oma und Opa sind für Kinder mit die wichtigsten Bezugspersonen. Sie haben heute fast immer ein gutes Verhältnis zueinander. Denn die meisten Großeltern genießen ihre Enkel wesentlich entspannter als ihre eigenen Kinder. „Meine Großeltern sind supergeil. Ich wünsche mir, dass sie nie sterben. Denn sonst hätte ich keine Verbündeten mehr gegen meine Eltern und Lehrer“, wird ein zwölfjähriger Gymnasiast auf einer höchst amüsanten Zitate-Seite der Zeitschrift “Eltern“ zitiert. Ein anderes Mädchen gibt zum Besten: „Ich habe eine ganz ideale Großmutter. Wenn wir uns sehen, werde ich von ihr total verwöhnt. Zuerst zieht sie ihr Portemonnaie heraus und gibt mir 10 Euro. Sie sagt dann: ‚Wer weiß, was du im Leben noch alles mitmachen musst. Darum muss ich dich jetzt schon etwas verwöhnen.‘ Bei ihr darf ich abends so lange aufbleiben, wie ich will. Das sind dann schöne, lange Abende. Sie erzählt mir von viel ihrem eigenen Leben. Sie erklärt mir oft, warum ich als Mädchen bei Männern immer aufpassen muss. Weil die meisten Männer uns Mädchen anlügen.“

Gut getroffen hat es auch dieses Enkelkind: „Ich finde, ich habe perfekte Großeltern. Sie verstehen sich gut mit mir. Sie unterstützen mich in jeder Hinsicht. Wenn ich einmal blank bin, kann ich von ihnen eine Aufbesserung meines Taschengeldes bekommen. Mein Opa ist der Auffassung, dass ich in meinem Alter immer etwas Geld zur Verfügung haben muss, damit ich niemals auf krumme Gedanken komme und klaue oder eine Bank überfalle.“

Oma und Opa haben mehr Zeit und Geduld

Großeltern werden von ihren Enkelkindern meist heiß geliebt. Und nicht nur, weil sie ihnen ab und an Geld zustecken. Die Rolle der Großeltern hat sich gewandelt. Oft sind sie jünger als die früheren Großelterngenerationen, zumindest aber sind sie jünger geblieben. Richtig „alte“ Großeltern hat kaum noch ein Kind. Oma und Opa von heute sind fitter und gestalten das Verhältnis zu den Enkeln aktiver.

Fast immer haben sie mehr Zeit als die Eltern, die in der anstrengendsten Phase ihres Berufslebens stehen. Meist haben sie auch mehr Geduld und Verständnis für die Sorgen und Nöte der Kleinen. Denn einerseits sind die weniger genervt, andererseits haben sie wesentlich mehr Abstand.

„Ich genieße die Zeit mit meinen Enkelkindern viel bewusster. Als meine eigenen Kinder klein waren, hetzte ich viel mehr durch das Leben. Wir hatten auch viel mehr Arbeit und Sorgen damals als heute. Kinder bekommt man ja in der Phase des Aufbaus, da hat man an allen Ecken zu schaffen, für die Kinder bleibt oft zu wenig übrig. Das kann ich jetzt bei meinen Kindern wiedergutmachen, indem ich mich ihren Kindern widme“, sagt die passionierte Großmutter Monika B. (55).

Nicht alle Omas und Opas haben jedoch eine solche Lust auf die Kleinen. Nicht immer empfinden sie Enkelkinder als wirkliche Bereicherung. Eine andere Großmutter sieht das so: „Ich finde es unmöglich, dass meine Tochter erwartet, ich würde ihr ständig das Kind abnehmen. Ich bin gerade selbst über die schwierigsten Hürden meines Lebens gekommen, habe immer gearbeitet und möchte jetzt die Zeit für mich nutzen. Ich will mehr unternehmen, mit Freunden zusammen reisen, noch etwas erleben. Da passt die regelmäßige Betreuung meiner Enkeltochter nicht hinein. Ich bin auch der Meinung, meine Tochter muss ihr Leben selbst in den Griff bekommen.“

Klären Sie zunächst Ihre eigenen Ansprüche

Anfänglich haben viele Eltern zwiespältige Gefühle, wenn ihre Kinder selber Eltern werden. Die Geburt des ersten Enkelkindes ist ein Umbruch in der Beziehung zwischen Eltern und Kindern. Alle müssen ihren Platz im Familiensystem neu ausloten und definieren. Einerseits markiert dies eine Schwelle im Leben, die an das Älterwerden und die eigene Endlichkeit erinnert. Andererseits sind die gegenseitigen Erwartungshaltungen nicht immer klar: Müssen wir jetzt immer für die Enkel da sein? Wird erwartet, dass wir Verpflichtungen übernehmen, die uns zu stark vereinnahmen? Manchmal schwingt auch etwas Eifersucht mit. Werden unsere Kinder jetzt noch genügend Zeit für ihre „alten Eltern“ haben? Die Kinder können sich dagegen sorgen: Wenn Mutter und Vater sich in unsere Erziehung einmischen, gibt es dann Krach? Was machen wir, wenn sie die Enkel zu sehr verwöhnen, sie anders ernähren, ihnen zuviel Geld zustecken?

Im Idealfall ist es ein ausgewogenes Geben und Nehmen. Am besten kommen beide Seiten miteinander klar, wenn sie ein kameradschaftliches Verhältnis zueinander haben. Wenn sie echtes Interesse füreinander aufbringen, sich gegenseitig Freiräume lassen und die richtige Mischung aus Nähe und Distanz finden. Großeltern müssen ihre Enkel nicht erziehen, und das ist ihre große Freiheit im Umgang miteinander. Sie müssen sich auch nicht auf der Nase herumtanzen lassen. Es fällt ihnen leichter, Grenzen zu setzen.

Vor allzu vielen guten Ratschlägen gegenüber den Eltern sollten Sie sich jedoch hüten, denn die sind nicht immer erbeten. Die jungen Eltern müssen ihren eigenen Erziehungsstil finden und Fehler machen dürfen, ohne dass ihnen immer gleich jemand in die Parade fährt. Dazu neigen leider häufiger die Großmütter, wahrscheinlich weil sie selbst früher für die Erziehung ihrer Kinder zuständig waren, während die Opas sich eher zurückhalten. Ansonsten finden die meisten Kinder es durchaus prima, dass bei Oma und Opa andere Regeln herrschen als zu Hause und auch sie genießen es, wenn sie bei ihnen etwas mehr dürfen als bei ihren Eltern. Gerade diese kleinen Abweichungen machen das Besondere und Liebevolle der Beziehung zwischen Großeltern und Enkeln aus – wenn sie nicht überhand nehmen .

Wie sehen Sie das?

P. S.: Wenn Ihre Kinder und Enkel zu weit weg wohnen, Sie aber Lust auf den Umgang mit Kindern haben, überlegen Sie sich, ob Sie nicht „Leihoma“ oder „Leihopa“ werden wollen. Hören Sie sich im Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis um, wo Sie als Großeltern „aushelfen“ könnten. Daraus können wunderbare Freundschaften zwischen Groß und Klein entstehen.

Wichtig sind diese Stunden auch, weil Kinder eher darüber reden können, was auf ihren kleinen Seelen lastet – etwa die Angst, dass die Eltern sie nicht mehr lieb haben oder einfach nicht mehr wiederkommen. Großeltern als Fixstern und Ansprechpartner sind deshalb in Phasen besonders wertvoll, wenn die Eltern Probleme mit einander haben oder sich trennen. Oma und Opa sind dann manchmal das einzig Verlässliche, was sie in diesem Moment noch sehen. Das Schönste, was Sie Ihren Enkeln – egal ob eigene oder „geleaste“ – mit auf den Weg geben können, sind Zeit und Zuwendung. Beides ist heute ein Luxus. Mit anderen Worten: Großeltern sind ein wunderbarer Luxus, das Großeltern-sein-genießen ebenso – besonders in dieser schnelllebigen Zeit.

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