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Gesunde Streitkultur: Entdecken Sie, was Sie verbindet

Die Entscheidung, zum Essen auszugehen, war schnell getroffen. Sich allerdings über Details einig zu werden, war alles andere als einfach. Bei manchen Partnern führen solche Situationen zu lautstarken Auseinandersetzungen. Andere wiederum schlucken ihren Ärger hinunter. Manche Partner nutzen Meinungsverschiedenheiten aber auch, um ihre Beziehung zu stärken.

Je nach dem, wie Sie mit Unstimmigkeiten umgehen, können diese zu einer Stärkung Ihrer Beziehung beitra­gen. Unweigerlich gibt es mitunter ausweglose Situationen. Allerdings können Sie lernen, wie Sie in einer solchen Situation Ihre Beziehung voranbringen und verbessern können.

Schauen Sie hinter die Kulissen Ihrer Beziehung

In einer langjährigen Beziehung wissen Sie, was Sie in den meisten Situationen seitens Ihres Partners erwartet. Gemeinsam finden Sie heraus, wie Sie mit Streitigkeiten umgehen können. Hier können nicht nur verletzte Gefühle aus der Vergangenheit eine Grundlage für Streit darstellen:

  • Verbitterung – Verbitterung entsteht immer dann, wenn man sich mit Ärger jeglicher Art nicht auseinandersetzt. Wenn Sie Ihren Ärger lieber hinunter schlucken und ihn vor anderen Menschen verbergen, wird daraus zwangsläufig Verbitterung entstehen.
  • Kräftezehrende Auseinandersetzungen – Es kommt auf die innere Haltung an, wie Sie Streitigkeiten mit Ihrem Partner austragen. Steht nur der Aspekt des Gewinnens oder Verlierens im Vordergrund, wird dies nur schwer zu Kompromissen oder klärenden Gesprächen führen können.
  • Unbedingt Recht haben müssen – Viele Paare verschwenden ihre Energie darauf, stets Recht zu behalten, anstatt das Miteinander zu fördern. Diese Handlungsweise kommt aus dem Verlangen nach Fairness und Gerechtigkeit, um sich durch Streitigkeiten „hindurch zu schlängeln“, anstatt nach wirklichen Problemlösungen zu suchen.
  • Unterschiedliche Auffassungen – Alles, was wir uns merken, ist subjektiver Natur. Das kommt spätestens dann zum Tragen, wenn sich ein Streit auf eine Begebenheit aus der Vergangenheit bezieht – auch wenn diese erst eine oder 2 Stunden her sein mag. 2 Menschen, die die gleiche Situation erleben, werden unterschiedliche Dinge aufgreifen und sich unterschiedliche Sachen merken.

Wenn Sie mit geliebten Menschen über schwierige Gefühlslagen diskutieren, kann es zu einer Festigung und Bereicherung Ihrer Beziehung kommen.

Suchen Sie nach Gemeinsamkeiten

Nachstehend finden Sie einige Methoden, wie Sie Differenzen zwischen Ihnen und Ihrem Partner zu einer Bereicherung Ihrer Beziehung werden lassen können:

  • Schalten Sie einen Gang zurück – Menschen, die in einer langjährigen Partnerschaft leben, stellen manchmal Vermutungen darüber an, was ihr Partner sagen würde, wie er fühlt oder denkt. Das führt oft dazu, dass Unstimmigkeiten gar nicht richtig ausgesprochen werden. In diesem Fall ist es das Beste, einen Gang zurückzuschalten und die Methode des Spiegelns anzuwenden. Durch Spiegeln bekommen Sie die Möglichkeit, eine scheinbar ausweglose Situation distanzierter zu betrachten und die Meinung des anderen anzuhören. Die Partner wechseln sich bei dieser Methode ab. Der erste beginnt, seinen Standpunkt darzulegen. Daraufhin versucht der zweite, das Gehörte mit seinen Worten wiederzugeben, so wie er es verstanden hat. Nun bekommt der erste die Gelegenheit, etwas zu berichtigen oder klarzustellen, und der zweite gibt es erneut mit seinen Worten wieder. Dann werden die Rollen vertauscht. Auf diesem Weg entdeckt man neue Wege des Dialogs, der Kommunikation und der Erläuterung. Zuerst sollten Sie Ihrem Partner die Möglichkeit geben, seinen Standpunkt ohne Unterbrechung darzulegen. Danach spiegeln Sie das Gesagte wider. „Was du gesagt hast, habe ich so verstanden … Stimmt das?“ Geben Sie dann Ihrem Partner die Gelegenheit, Sie zu korrigieren, näher auf etwas einzugehen oder mit Ihnen überein zu stimmen. Fahren Sie dann in gleicher Weise fort. Auf diese Weise hat Ihr Partner die Möglichkeit, angehört und richtig verstanden zu werden. Am Anfang mag das Ganze etwas mühsam erscheinen, aber es hilft, während des Gesprächs einen Gang zurückzuschalten weil dadurch mehr Klarheit entsteht.
  • Verwechseln Sie nicht Ärger mit Traurigkeit – Vor Enttäuschungen sind wir nicht gefeit. Wie Sie mit Enttäuschungen umgehen, mag ein Indiz dafür sein, wie gut oder schlecht Sie mit anderen Menschen kommunizieren können. Vielleicht reagieren Sie auf Kränkungen leicht gereizt. Sind Sie enttäuscht, resultiert dies meist daraus, dass Sie über etwas traurig sind. Oft scheint es jedoch einfacher zu sein, über etwas ärgerlich anstatt traurig zu sein. Sind Sie oft ärgerlich, sollten Sie versuchen, die Ursache dafür herauszufinden. Wurden Sie gerade enttäuscht? Wenn dem so ist, dann sollten Sie versuchen, dieses Gefühl loszulassen. Gelingt Ihnen das nicht, kann es hilfreich sein, intensiv darüber nachzudenken, um anschließend mit Ihrem Partner darüber zu sprechen, was Sie traurig macht. Das ist auf jeden Fall besser, als alles zu schlucken oder zu explodieren.
  • Versuchen Sie, die positiven Aspekte überwiegen zu lassen – Der Psychologe, Eheberater und Autor John Gottman, Ph.D., prägte den Begriff PSO (Positive sentiment override). Normalerweise wenden sich gut verstehende Partner diese Technik ganz automatisch an. PSO bedeutet hauptsächlich, dass Sie sich mental aus einer Situation zurückziehen, in der Sie von Ihrem Partner verärgert oder gereizt wurden. Auf diese Weise können Sie sich bewusst machen, dass Ihr Partner doch viel mehr Liebenswertes als Ablehnendes zu bieten hat. Sie können also Ihre Verärgerung überwinden, indem Sie sich die positiven Seiten Ihres Partners vor Augen führen.

Manchmal kommt es zu Unstimmigkeiten, wenn sich die Partner ein Stück näher gekommen sind, da eine solche Situation auch etwas Angst hervorruft. In Wirklichkeit aber eröffnet sie neue Möglichkeiten, sich gemeinsam noch wohler zu fühlen.

Wenn nötig, lassen Sie sich helfen

Manchmal ist professionelle Hilfe vonnöten, damit Partner aus komplizierten Situationen herausfinden können. Zu diesem Zweck können Sie einen erfahrenen Eheberater oder Psychotherapeuten zu Rate ziehen.

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Alte Kommentare
  • dresler herlinde schrieb am 01.06.2010, 16:56 Uhr

    Streit innerhalb einer Beziehung: Gutes Mittel ist, sich an der Hand zu fassen und nicht loslassen, Es ist unmöglich ,daß es dann eskaliert. versuchen.

  • Hakenmüller schrieb am 02.06.2010, 21:14 Uhr

    Ein sehr gut aufgebauter und anschaulicher Artikel, welcher wohl auf viel Lebenserfahrung zurückgeht.