Paracetamol: Giftnotruf fordert generelle Verschreibungspflicht
Dr. Martina Hahn-Hübner in Täglich Gesund
vom 27. Dezember 2011, 16:00 Uhr
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Paracetamol erhalten Sie immer noch frei verkäuflich in den Apotheken. Es ist eines der beliebtesten Schmerzmittel - und leider gehen viele Menschen noch davon aus, dass es auch relativ" ungefährlich ist. Der Gedanke, der dahinter steckt: Wäre dieses Medikament gefährlich, würde es ja nicht rezeptfrei abgegeben werden. Also kann ich es ja ohne Bedenken so einnehmen, wie ich es brauche."
Doch leider ist dies ein Irrtum. Denn das Schmerzmittel kann schwere Nebenwirkungen haben. Dabei reicht es, wenn Sie das Präparat mehrere Tage hintereinander einnehmen. Das Gefährliche: Die Vergiftungen führen erst einmal nur zu geringen Symptomen, die Sie als Betroffener eventuell sogar gar nicht wahrnehmen. Allerdings müssten Sie schon in diesem frühen Stadium behandelt werden. Denn nur dann ist die Entgiftung durch die Verabreichung eines Gegenmittels noch wirksam. Wird dieses Anfangsstadium der Paracetamol-Vergiftung übersehen, kann es zu schweren, dauerhaften Leberschäden kommen. Hier hilft dann nur noch eine Transplantation des Organs; die Leber kann sich nämlich nach einer Paracetamol-Vergiftung nicht mehr regenerieren.
Der Erfurter Giftnotruf fordert nun, dass das Medikament generell nur noch gegen Rezept abgegeben werden darf. Allein in diesem Jahr wurden fast 360 Vergiftungen durch das beliebte Schmerzmittel registriert. Das ist jeden Tag ein Fall - immerhin fünf Prozent aller Notrufe, die auf Medikamentenmissbrauch zurückzuführen sind, werden durch PAracetamol-Missbrauch verursacht.
Die Verantwortlichen des Giftnotrufs Erfurt bezeichnen eine Rezeptpflicht für Paracetamol als längst überfälligen Schritt". Mittlerweile sind die Verpackungsgrößen des Schmerzmittels seit April 2009 verschreibungspflichtig, die mehr als zehn Gramm des Wirkstoffs beinhalten. Allerdings ist diese Regelung scheinbar wirkungslos - die Zahl der Vergiftungen ist in den letzten knapp zwei Jahren nicht zurückgegangen.
Der Grund dafür ist ein ganz einfacher: Die Betroffenen puzzeln" sich ihre hohen Dosen, die sie meinen, einnehmen zu müssen, zusammen. Sie kaufen sich eine Packung in Apotheke A und gehen dann in Apotheke B, um sich dort eine weitere der frei verkäuflichen Größen zu kaufen. So überschreiten sie ganz einfach die frei verkäufliche Menge - und nehmen diese ein, ohne sich über die gesundheitsgefährlichen Konsequenzen im Klaren zu sein.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Paul Dierkes (28.12. 2011 09:39 Uhr):
Mit der Logik, dass Missbrauch betrieben wird bzw. werden kann, kann man alles verbieten oder unter Rezeptpflicht stellen! Sind 360 Fälle bei ca. 50 Mill. Benutzer in Deutschland wirklich so viel? Als mündiger Bürger muss ich mich auch mit den Gefahren meines Handelns auseinander setzten. Wir in unserer Apotheke weisen regelmäßig auf Dosierungen und Anwendungsbeschränkungen hin, so wie sicher die meisten Apotheken. Warum muss man beim Missbrauch Einzelner immer die Gesamtheit der Leute durch zusätzliche Verbote leiden? Der Glaube an die Beglückungsallmacht des Statates regt mich auf. Mit besten Grüßen P.D.
Antworten - Kommentar von Erne Margrit (30.12. 2011 10:17 Uhr):
Meine negativen Erfahrungen mit Paracetamol. Musste als Notfall ins Spital. Konnte nicht mehr schlucken. So bekam ich Flüssigkeit und Schmerzmittel (CO-Paracetamol) intravenös. Ab sofort habe ich nicht mehr geschlafen und die Verdauung funktionierte auch nicht. mehr. Das ging 4 Wochen bis ich es nicht mehr aushielt. Ging dann zum Hausarzt. In diesen 4 Wochen war ich auch nicht müde im gegenteil ich war ziemlich fit. Es gibt Menschen die reagieren Paradox und das sollte man nicht unterschätzen.
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