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Waden- und Muskelkrämpfe: Dehnübungen und Magnesium zur Entspannung

Bei einem Krampf „feuern“ die Nervenzu viele Kontraktionssignale hintereinander und dem Muskel bleibt keine Zeit mehr zum Entspannen. Er ist dauerhaft angespannt. Das verursacht die heftigen Schmerzen, die auch nach der Krampflösung noch tagelang fortdauern können. Betroffen sind vor allem die Wadenmuskulatur, der Fußrücken und die Zehen. Typisch ist das vorwiegend nächtliche Auftreten.

Die Entstehung von Muskelkrämpfen

Krämpfe sind zwar lästig, aber in 90 Prozent aller Fälle harmlos. Es gibt jedoch auch einige ernsthafte Erkrankungen, die mit Krämpfen und Muskelschmerzen einhergehen.

Diese Erkrankungen können zu Muskelkrämpfen führen:

Um sie auszuschließen, sollten Sie Muskelkrämpfe stets von einem Arzt abklären lassen.

Im Sommer sind Muskelkrämpfe doppelt so häufig wie im Winter

Wenn Sie tagsüber körperlich viel gearbeitet oder Sport getrieben haben, sind die nächtlichen Krampfattacken besonders häufig. Der Grund ist dann meist ein Elektrolytverlust durch das Schwitzen. Vor allem mangelt es Ihnen dann an Magnesium und/oder Kalium.

Falls Ihre Muskelkrämpfe dagegen unabhängig von körperlichen Belastungen auftreten, spricht das eher für einen Mangel an Kalzium (bitte genau lesen: Kalium und Kalzium sind zwei unterschiedliche Mineralien). Übrigens treten Wadenkrämpfe wegen der Elektrolytverluste in den warmen Sommermonaten doppelt so häufig auf wie im Winter. Das ergab eine Studie der Universität von Alberta in Edmonton (Kanada) vom Februar 2015.

Ermüdete und verkürzte Muskeln neigen zu Krämpfen

Doch nur selten sind Mineralstoffmängel die alleinigen Auslöser. Wie Muskelkrämpfe entstehen, ist medizinisch noch nicht genau geklärt. Eine Überaktivität der Nerven und eine Ermüdung der Muskulatur scheinen ebenfalls eine Rolle zu spielen. Krämpfe werden auch durch eine verkürzte Muskulatur begünstigt, beispielsweise durch Fehl- oder Schonhaltungen sowie Bewegungsmangel. Außerdem gibt es Medikamente, die als Nebenwirkung Krämpfe auslösen.

Diese Medikamente können schuld sein:

  • Diuretika (harntreibende Mittel, z. B. bei Bluthochdruck, Herzschwäche, Ödemen)
  • Betasympathomimetika (Erweiterung der Bronchien, z. B. bei Asthma, chronischer Bronchitis)
  • einige Betablocker (z. B. Alprenolol, Oxprenolol, Pindolol, z. B. bei Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen)
  • Alzheimer-Mittel (Acetylcholinesterasehemmer)
  • Kalziumantagonisten  (z. B. bei Bluthochdruck)
  • Cholesterinsenker (Statine)
  • Parkinson-Tabletten (Levodopa, Carbidopa)

Achtung: Wenn Sie einen Cholesterinsenker (Statin) einnehmen und verstärkt unter Muskelkrämpfen oder -schmerzen leiden, sollten Sie unbedingt mit Ihrem Arzt sprechen. Die Medikamente können die Muskulatur angreifen und sie sogar langsam auflösen (Rhabdomyolyse).

So kommen Sie ohne Medikamente aus

Bei harmlosen Wadenkrämpfen ist vor allem Selbsthilfe angesagt.

Die 4 Bs: Erste Hilfe bei Wadenkrämpfen

  • Beugen: Umfassen Sie die Zehen des betroffenen Beins und ziehen Sie sie kräftig nach vorne zum Schienbein hin.
  • Bewegen: Stehen Sie auf und gehen Sie ein paar Schritte. Treten Sie dabei kräftig auf.
  • Bearbeiten: Massieren Sie Ihre Wade mit sanften Streichbewegungen. Das fördert die Durchblutung und die Versorgung mit Mineralstoffen.
  • Brausen: Duschen Sie die Wade abwechselnd warm und kalt ab. Diese Wechseldusche fördert ebenfalls die Entspannung und Durchblutung.

Langfristig ergänzen können Sie diese Akutmaßnahmen durch die Einnahme von Mineralstoffpräparaten. Diese Tagesdosierungen benötigen Sie:

Oft hilft schon die Einnahme eines Magnesiumpräparats. Falls dies nicht ausreicht, sollten Sie bei Krämpfen nach sportlicher Belastung auch Kalium ergänzen. Bei spontan auftretenden Krämpfen hilft vermutlich eher Kalzium. Als Medikament gegen Wadenkrämpfe ist vor allem das ursprünglich aus der Rinde des Chinarindenbaums gewonnene Chinin bekannt. Aufgrund von seltenen, aber gefährlichen Nebenwirkungen (Zerstörung der weißen Blutkörperchen, Thrombozytopenie; Folge: Blutungsneigung) ist das Mittel jedoch seit 2014 rezeptpflichtig. Sie sollten Chinin nur als wirklich letzte Therapie-Option einsetzen, wenn alle anderen Maßnahmen nicht fruchten und Sie extrem unter den Krämpfen zu leiden haben.

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Dr. Ulrich Fricke
Über den Autor Dr. Ulrich Fricke

Chefredakteur von „Länger und gesünder leben“ Dr. Ulrich Fricke wurde 1961 in Goslar im Harz geboren. Er absolvierte das Studium […]

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