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Wie Sie Ihre Lendenwirbelsäule vor schmerzhaften Belastungen schützen

Es gibt kaum eine Erkrankung, die so verbreitet ist wie Rückenschmerzen. Von zehn Menschen bleibt nur einer zeitlebens von Rückenproblemen verschont. Eine aktuelle Umfrage der Universität Freiburg ergab, dass drei Viertel der Befragten in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einmal Rückenschmerzen gehabt hatten. Sie beeinträchtigen uns im Alltag und verhindern unbeschwerte Lebensfreude. Am stärksten betroffen ist die Lendenwirbelsäule, denn sie trägt die Hauptlast unseres Körpers. Ein weiterer Grund, warum etwa 70 % der Rückenerkrankungen in diesem Bereich liegen: Die Menschen werden immer größer und schwerer, ohne gleichzeitig ihre Muskeln entsprechend zu trainieren und dadurch den Rücken gesund zu halten. Aber auch eine veränderte Arbeitswelt mit einseitigen Belastungen und wenig Bewegung trägt dazu bei.

Nicht immer sind die Bandscheiben schuld

Der Grund für ihre Beschwerden ist vielen Betroffenen ganz klar: Sie haben es „an der Bandscheibe“. Das stimmt zwar sehr oft, doch lange nicht immer: Bandscheibenvorfälle sind häufig, machen jedoch meist zunächst keine Beschwerden. Nur bei 4 bis 5 % der Betroffenen drückt die verschobene Bandscheibe auf Nervenwurzeln und verursacht Schmerzen in den Beinen oder Armen. In den meisten Fällen sind es die begleitenden Muskelverspannungen, die die Schmerzen auslösen. Die Rückenmuskeln „vertäuen“ die Wirbelsäule und halten sie aufrecht. Bei Bewegungsmangel, Übergewicht und Stress wird dieser komplizierte Halteapparat aus zahlreichen kleinen und großen Muskelbündeln permanent überstrapaziert. Oft genügt dann eine falsche Bewegung und schon ist es passiert: Ein Teil der Rückenmuskeln verkrampft sich und der Schmerz packt unbarmherzig zu. Bleiben die Schmerzen auf die Lendenregion beschränkt, handelt es sich um einen Hexenschuss (Lumbago). Drücken verspannte Muskeln oder ein Bandscheibenteil auf den Ischias- Nerv, kann der Schmerz weit ins Bein hinein bis in die Fußzehen ausstrahlen. In diesem Fall spricht man vom Ischias oder richtiger von einer Lumboischialgie.

Häufig findet sich keine eindeutige Diagnose

Ein Großteil der Rückenschmerzen sind lokale, unspezifische Beschwerden infolge von Überlastung von einzelnen Bändern, Sehnen oder Muskeln. Seien Sie also nicht zu sehr enttäuscht, wenn der Arzt sich schwer tut mit einer klaren Diagnose. Eine Röntgenaufnahme ist meist wenig aussagekräftig und im akuten Stadium nur notwendig bei Verdacht auf eine nicht abnutzungsbedingte Wirbelsäulenerkrankung, wenn der Arzt also eine organische Ursache vermutet. Degenerative Veränderungen lassen sich im fortgeschrittenen Alter an fast jeder Wirbelsäule finden, ohne dass diese Beschwerden auslösen müssen.

Erste Hilfe bei Rückenleiden: Entlastung und Entspannung

Schonung und Bettruhe, wie früher üblich, sind bei einfachen Rückenschmerzen nur für maximal zwei Tage notwendig. Das Wichtigste ist, die Wirbelsäule zu entlasten. Ist die Lendenwirbelsäule betroffen, hilft die Stufenlagerung. Legen Sie sich flach auf den Rücken, beugen Sie Hüft- und Kniegelenke im 90°-Winkel und lagern Sie die Unterschenkel auf einem Schaumstoffwürfel, abgepolsterten Hocker oder hilfsweise auf einem Kissenberg. Die Stufenlagerung verringert den inneren Druck der Bandscheibe, entspannt die Gelenkkapseln, erweitert den Wirbelkanal und die Zwischenwirbellöcher, sodass Muskeln und Wirbelsäule optimal entlastet werden. Ansonsten sollten Sie so schnell wie möglich Ihre täglichen Aktivitäten wieder aufnehmen, denn normale körperliche Belastung schädigt die Wirbelsäule nicht. Gehen Sie z. B. spazieren, das entspannt Körper und Seele. In der Regel verschwinden die meisten Rückenschmerzen nach zwei bis drei Tagen von allein. Nur wenn sie länger andauern, sollten Sie ärztliche Hilfe suchen. Bei Empfindungsstörungen wie Taubheit und Gefühllosigkeit, Lähmungserscheinungen oder Einschränkungen der Blasen- und Mastdarmfunktion müssen Sie sofort zum Arzt gehen. Diese Beschwerden können auf einen Bandscheibenvorfall hindeuten, der umgehend behandelt werden muss.

Einfache Schmerzmittel sind erlaubt und sinnvoll

Zur Vermeidung des Teufelskreises aus Schmerzen und Schonhaltung, der oft in chronischen und schwer behandelbaren Rückenschmerzen endet, dürfen Sie bei akuten Rückenschmerzen einfache Schmerzmittel einnehmen. Wegen der geringen Nebenwirkungsrate ist der Wirkstoff Paracetamol erste Wahl. Nehmen Sie jedoch nicht mehr als 1.500 mg pro Tag. Pflanzliche Schmerzmittel wirken zwar auch sehr gut, entwickeln ihre volle Wirkung aber erst nach ein bis zwei Wochen regelmäßiger Einnahme. Sie haben deshalb in der Langzeittherapie deutliche Vorteile gegenüber schulmedizinischen Wirkstoffen wie Diclofenac. Gut geeignet sind z. B. Teufelskralle (Rivoltan®, 20 Filmtbl. 10,25 €) oder Weidenrindenextrakte (Assalix®, 20 Drag. ca. 9 €). Weidenrinde darf nicht angewendet werden bei Überempfindlichkeit gegen Salicylate (z. B. Aspirin®) und andere Entzündungshemmer, Neigung zu Allergien, Asthma bronchiale, spastischer Bronchitis, Gastritis und Magen-Darm-Geschwüren. Teufelskralle ist bei Gallensteinleiden verboten.

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