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Kieferknochen-Osteonekrose: Vorteile und Nebenwirkungen von Osteoporose-Medikamenten

Berichte in den Medien über Osteoporose-Medikamente, die Kiefer-Probleme wie Kieferknochen-Osteonekrose verursachen sollen, haben Sie stutzig gemacht: Sollen Sie aufhören, sie weiter einzunehmen? Sie sollten zunächst einmal keine voreiligen Schlüsse ziehen.

In der Tat ist es richtig, dass es einige Berichte über das Absterben von Teilen des Kieferknochens (Osteonekrose) gibt, die im Zusammenhang mit der oralen Einnahme von Bisphosphonaten stehen – einer Medikamenten-Klasse zur Behandlung von Osteoporose, zu der Alendronat (Fosamax®), Ibandronat (Bonviva®), Risedronat (z. B. Actonel®) und andere zählen.

Bei der Bisphosphonat-assoziierten Kieferknochen-Nekrose liegt der Knochen über einen größeren Zeitraum frei. Entweder wurde der Knochen operativ freigelegt, oder er liegt z. B. durch eine entzündliche Pforte frei. Sie kann mit Schmerzen, Schwellungen, Infektionen oder einem Taubheits-Gefühl einhergehen.

Das Risiko für eine Osteonekrose ist allerdings sehr gering. Es wird geschätzt, dass in den USA unter den Millionen von Osteoporose betroffenen Menschen, die Bisphosphonate gegen Osteoporose einnehmen, etwa 20 Fälle von Osteonekrose pro Jahr auftreten.

Osteoporose birgt das größere Risiko

Im Gegensatz dazu ist das Gesundheits-Risiko hoch, welches mit Osteoporose verbunden ist. Diese Erkrankung lässt die Knochen spröde werden; sie neigen dann dazu zu brechen.

Nach Angaben des Kuratoriums Knochengesundheit haben etwa 25% der Bevölkerung über 50 Jahren in Deutschland Osteoporose; das entspricht knapp 8 Mio. Menschen. Der Frauen-Anteil liegt mit 6,5 Mio. bei 39%, der Männer-Anteil mit 1,3 Mio. bei 9,7%.

Mit zunehmendem Lebensalter steigt der Anteil der Betroffenen in der Gesamt-Bevölkerung: Ab 75 Jahren liegt er derzeit bei 59%. Die Hälfte aller Frauen und 1/4 der Männer werden im Verlauf ihres Lebens einen  osteoporosebedingten Knochenbruch erleiden.

Wenn Sie sich einen Knochen brechen, steigt Ihr Risiko für eine Behinderung, dauerhaft in einem Pflegeheim zu leben oder sogar an den Folgen zu sterben.

Bisphosphonate gehören zu den wirksamsten Waffen gegen dieOsteoporose. Sie können das Risiko für Hüft- oder Wirbelsäulen-Brüche um 50% – 60% verringern.

Für die große Mehrheit der Menschen, die Osteoporose haben oder ein erhöhtes Erkrankungs-Risiko tragen, sind die Vorteile durch die Einnahme von Bisphosphonaten weitaus höher als das geringe Risiko einer Kieferknochen-Osteonekrose.

Kieferknochen-Osteonekrose: Was weiß die Medizin über die Zusammenhänge?

Kieferknochen-Osteonekrose ist eine neu beschriebene Erkrankung, die schwierig zu behandeln ist, und sich häufig auszeichnet durch:

  • Schmerzen,
  • Schwellungen,
  • lockere Zähne
  • und einen freiliegenden Kieferknochen.

Fast alle der ersten aufgetretenen Erkrankungs-Fälle traten bei Menschen mit Knochenkrebs oder einer Krebsart auf, die in die Knochen gestreut hatte. Diese Menschen hatten erheblich höhere intravenös verabreichte Dosen von Bisphosphonaten bekommen, um unerträgliche Knochen-Schmerzen zu lindern und ihre brüchigen Knochen zu schützen.

Seit 1996 wurde über 368 Fälle von Kieferknochen-Osteonekrose berichtet. Nur in 15 der dokumentierten Fälle hatten die Betroffenen orale Bisphosphonate gegen Osteoporose eingenommen. Etwa 60% der Fälle traten nach einem operativen Eingriff im Mund auf oder nachdem ein Zahn gezogen worden war.

Andere Risikofaktoren sind dauerhafte Zahnfleisch-Erkrankungen und ein Alter über 65 Jahren.

Bislang ist weder der Zusammenhang zwischen Bisphosphonaten und dem Auftreten von Osteonekrose genau bekannt, noch, warum sie im Kieferknochen auftritt.

Wenn Sie eine Verletzung im Mund haben, wie sie beispielsweise beim Ziehen eines Zahnes auftritt, schaffen langsam heilende Gewebe ein günstiges Umfeld für die Entwicklung einer Osteonekrose.

Der Knochen ist abgestorben, weil er möglicherweise aufgrund einer zu geringen Blutversorgung schlecht heilen konnte oder eine Störung der knochenbildenden Zellen vorlag.

Da die bisphosphonat-assoziierte Kieferknochen-Osteonekrose eine so neue Erkrankung ist und weil viele Menschen Bisphosphonate einnehmen, kann das genaue Risiko für die Entstehung dieser Erkrankung noch nicht eingeschätzt werden.

Bei etwa 190 Mio. Verordnungen, die seit 1996 weltweit für orale Bisphosphonate ausgestellt wurden, wurde nur in 15 Fällen von Kieferknochen-Osteonekrose im Zusammenhang mit der Einnahme von oralen Bisphosphonaten berichtet.

Die amerikanische Gesundheits-Behörde Food and Drug Administration (FDA) untersucht zusätzlich einige 100 Fälle, in denen möglicherweise infolge der Einnahme von oralen Bisphosphonaten Kieferknochen-Osteonekrosen aufgetreten sind.

Selbst wenn sich der Verdacht in allen Fällen erhärtet, sehen die besten Schätzungen so aus, dass das Risiko, diese unerwünschte Komplikation zu entwickeln, zwischen 1 : 100.000 und 1 : 1 Mio. liegt.

Es ist wichtig, dass Sie sich Folgendes verdeutlichen: Die Dauer der oralen Einnahme von Bisphosphonaten sowie die Höhe der  Dosis kann das  Risiko beeinflussen, eine Kieferknochen-Osteonekrose infolge der Einnahme zu entwickeln.

Für Menschen, die an Krebs erkrankt sind und denen Bisphosphonate intravenös verabreicht werden, wird das Risiko auf zwischen 3% und 12% geschätzt.

So reduzieren Sie Ihr Risiko für Kiefer-Probleme

Gestützt auf das zurzeit sehr begrenzte Wissen können Sie Ihr ohnehin sehr geringes Risiko, eine Kieferknochen-Osteonekrose zu entwickeln, weiterhin senken, indem Sie:

  • eine gute Mundhygiene betreiben und Ihren Zahnarzt regelmäßig zur professionellen Zahnreinigung und für Kontroll-Untersuchungen besuchen.
  • Eingriffe an den Zähnen möglichst vornehmen lassen, bevor Sie mit der Einnahme von Bisphosphonaten beginnen.

Es ist nicht bekannt, ob der monatelange Verzicht auf die Einnahme von Bisphosphonaten vor einem kieferchirurgischen Eingriff das Risiko für eine Kieferknochen-Osteonekrose senkt.

Am besten ist es, wenn Sie vor einem Eingriff Ihren Zahnarzt darüber informieren, dass Sie Bisphosphonate einnehmen und mit ihm besprechen, ob es sinnvoll ist, die Einnahme eine Weile auszusetzen.

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