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Osteoporose: Definition, Ursachen und Behandlung der Schmerzen

Inhaltsverzeichnis:

  1. Was bedeutet Knochenschwund überhaupt?
  2. Volkskrankheit Osteoporose: Schrumpfen Sie?
  3. Knochendichte gibt Aufschluss über Ihre Gefährdung
  4. Wie entsteht Osteoporose?
  5. Risikofaktoren für Knochenschwund
  6. Behandlungsmöglichkeiten

Osteoporose bezeichnet eine Knochenerkrankung, die besonders im Alter auftritt und die das Knochengerüst porös und somit anfälliger für Brüche macht. Man bezeichnet es auch als Knochenschwund, was bereits auf das auffälligste Merkmal der Erkrankung hinweist: Sie verursacht eine Verringerung der Knochendichte und der Knochensubstanz. Die Krankheit verläuft sehr lange unbemerkt. Oft wird sie erst durch einen Knochenbruch bemerkt, der möglicherweise stationär versorgt werden muss und den Betroffenen die Unabhängigkeit nimmt.

Osteoporose im Rückenwirbel© Adobe Stock – Sagittaria

Was bedeutet Knochenschwund überhaupt?

Osteoporose stellt die häufigste Alterserkrankung dar und bedeutet wörtlich übersetzt „Knochen wie Tuffstein“. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt sie zu den zehn bedeutsamsten Volkskrankheiten, die aufgrund ihrer Verbreitung, der Schwere der Leiden und der hohen Kosten die größte Bedeutung für das Gesundheitswesen mit sich bringen. Darüber hinaus gilt der Knochenschwund hierzulande als typische Frauenkrankheit. Und so wissen die meisten Menschen gar nichts von ihrem Osteoporoserisiko, dabei weist auch jeder zehnte Mann über 50 Jahre eine deutlich zu geringe Knochendichte und eine hohe Bruchgefahr auf. Allerdings hat jede dritte Frau in diesem Alter eine zu geringe Knochendichte und leidet unter Osteoporose.

Bei der Osteoporose wird Ihren Knochen langsam, aber stetig die Substanz entzogen. Nach einigen Jahren gleichen sie im Extremfall einem Schweizer Käse: Sie haben im Inneren regelrechte Löcher, die durch die knochenabbauenden Zellen verursacht werden. Solche instabilen Knochen sind natürlich nicht mehr in der Lage, Sie zu tragen und Ihnen Halt zu geben. Bei kleinsten Stößen kann dieses poröse Gebilde jetzt einbrechen. Charakteristisch für Osteoporose ist auch das Einsacken der Wirbelkörper; im Volksmund auch als „Witwenbuckel“ bezeichnet. Dabei wird nach und nach die Lendenwirbelsäule verkürzt und rutscht in Richtung Becken. In der Öffentlichkeit und auch bei den Ärzten findet diese Krankheit, durch die immerhin jede zweite Frau und jeder fünfte Mann einen Knochenbruch erleidet, jedoch immer noch zu wenig Beachtung. So hat eine aktuelle Datenerhebung ergeben, dass in Deutschland nur 20 Prozent aller Osteoporosepatienten gemäß der aktuellen  Leitlinie behandelt werden – eine weitere erschreckende Zahl, die bei anderen großen Volkskrankheiten wie Diabetes oder Bluthochdruck nicht denkbar wäre.

Die beiden Formen der Erkrankung

Man unterteilt die Krankheit in primäre und sekundäre Osteoporose. Die primäre Osteoporose tritt um ein Vielfaches häufiger auf als die sekundäre. Letztere gilt als Folgeerkrankung anderer Krankheiten wie etwa hormonelle Störungen, Anorexia nervosa, chronische Polyarthritis oder Anämie. Die sekundäre Osteoporose kann darüber hinaus die Folge langfristiger Medikamenteneinnahme sein. Die häufigsten mit Osteoporose in Verbindung stehenden Brüche geschehen an der Hüfte, der Wirbelsäule und am Becken. Darüber hinaus sind Oberarme und Handgelenke betroffen.

Besonders schwerwiegend fallen dabei Wirbel- und Beckenbrüche aus, denn diese führen zu einer ganzen Reihe schwerwiegender Konsequenzen: Nach solchen Brüchen kommt es zu einem Verlust an Köpergröße, einem Verlust von Stabilität im Rücken und häufig zu schmerzhaften Deformierungen. Hüft- und Beckenbrüche erfordern in den meisten Fällen eine Operation und führen im schlimmsten Fall zu einem Leben im Rollstuhl.

Sie können Ihre Knochen unterstützen

Eines sind Ihre Knochen nicht: starre Gebilde, die keine Veränderung durchmachen. Ihre Knochen sind sehr flexibel und unterliegen einem ständigen Auf- und Abbau. Gerade im Innern Ihrer Knochen wird ständig Gewebe abgebaut, um es zu erneuern. Trotz dieses immer währenden Umbaus müssen Ihre Knochen stabil bleiben. Eine wichtige Komponente dafür ist Kalzium. Dieser Stoff sorgt dafür, dass Ihre Knochen fest sind und Sie tragen. Zudem brauchen Sie ausreichend Vitamin D. Denn es sorgt dafür, dass Kalzium in Ihre Knochen eingelagert werden kann. Beide Stoffe finden Sie ausreichend in Ihrer Nahrung.

Aber gesunde Ernährung allein reicht nicht aus, um Ihre Knochen stark zu halten. Sie müssen Ihren Knochen auch einen Anreiz geben, ausreichend Knochenmasse zu bilden und diesen Anreiz setzen Sie nur durch Bewegung. Je älter Sie werden, desto wichtiger ist es, dass Sie Ihre Knochen sowohl gut ernähren als auch durch Bewegung den Knochenaufbau anregen. Denn bis zum 40. Lebensjahr stehen Knochenauf- und -abbau in Balance. Danach aber nehmen die Abbauprozesse überhand. Diesen Vorgang sollten Sie so weit wie möglich verlangsamen.

Tipps bei beginnender Osteoporose

Vermeiden Sie Stolperfallen wie zum Beispiel Teppichläufer. Tragen Sie immer flache Schuhe, um Stürze zu vermeiden. Dennoch sollten Sie nicht auf tägliche Spaziergänge verzichten. Bei diesen tanken Sie nämlich das Sonnenlicht, das Ihr Körper braucht, um Vitamin D zu bilden. Eine beginnende Osteoporose muss früh genug erkannt werden. Gehen Sie daher zum Arzt und lassen Sie Ihre Knochendichte messen, wenn Sie unter Folgendem leiden:

  • ständige Rückenschmerzen
  • Muskelspannungen
  • Druckschmerzen
  • Erschütterungsschmerzen

Im frühen Stadium (Osteopenie) ist die Knochendichte nicht altersgemäß, aber es liegt noch keine Osteoporose vor. Durch eine rechtzeitige Diagnose können Betroffene die Gesundheit ihrer Knochen mithilfe von Lebensstiländerungen und einer geeigneten Therapie verbessern.

Volkskrankheit Osteoporose: Schrumpfen Sie?

Sie wissen genau, welches Kleid Sie anlässlich einer Hochzeit anziehen wollen, nämlich dasselbe, das Sie vor zwei Jahren zu Ihrem Geburtstag trugen. Während Sie es aus dem Kleiderschrank holen, denken Sie daran, wie elegant Sie sich fühlten, als Sie damals mit Ihrem Mann tanzten. Aber das Bild im Spiegel entspricht nicht Ihrer Erinnerung. Irgendetwas stimmt nicht mit dem Kleid: Es ist zu lang. Wenn die Saumlinien länger geworden zu sein scheinen, könnte das eines der ersten Anzeichen einer Osteoporose sein. Da Osteoporose, wie bereits erwähnt, als Frauenkrankheit gilt, hier ein entsprechendes Beispiel. Dies lässt sich natürlich auch alles auf einen Mann bzw. den Lieblingsanzug übertragen.

Die knochenabbauende Erkrankung entwickelt sich langsam und entzieht Ihren Knochen über Jahrzehnte unbemerkt das Kalzium. Die Wirbelkörper werden langsam geschwächt und die Wirbelsäule wird krumm. Kaum wahrnehmbar beugt sich Ihre Haltung: Sie schrumpfen. Nach Angaben des Kuratoriums Knochengesundheit leiden 4 bis 7 Millionen Deutsche an Osteoporose. Lediglich 1,2 Millionen von ihnen befinden sich in ärztlicher Behandlung. Der sich immer stärker verbreitende Lebensstil mit wenig körperlicher Bewegung und viel Fast Food führt nahezu unausweichlich zu krankhaftem Knochenschwund und Sie haben nicht endlos viel Knochenmasse zur Verfügung.

Der Mensch wird im Alter kleiner

In Ihrem Reisepass ist Ihre Körpergröße mit 1,78 m vermerkt. Doch jetzt stellen Sie fest, dass Sie fast 3 cm an Körpergröße verloren haben. Von Ihrem Arzt erfahren Sie, dass bei Ihnen keine Osteoporose vorliegt und Ihre Knochendichte in Ordnung ist. Woran liegt es also, dass Sie kleiner geworden sind? Der Verlust an Knochenmasse schwächt die Wirbelkörper häufig in ihrer Struktur, sodass sie komprimiert sind. Es kommt zu Kompressionsbrüchen. Dies ist einer der Gründe, die zum Kleinerwerden führen.

Ebenfalls führen Veränderungen der Bandscheiben, die als Puffer zwischen den einzelnen Wirbelkörpern dienen, zu einem Verlust an Körpergröße. Mit dem Alter büßen diese Bandscheiben an Elastizität und Volumen ein. Durch diese altersbedingte Veränderung rücken die Wirbelkörper der Wirbelsäule näher zusammen. Dadurch schrumpfen Sie, ohne dass ein durch Osteoporose verursachter Kompressionsbruch vorliegt. Wenn Sie dies bemerken, empfiehlt es sich auf jeden Fall, sich an Ihren Arzt zu wenden. Durch eine Röntgenaufnahme Ihrer Wirbelsäule sowie eine Knochendichtemessung stellt Ihr Arzt fest, ob eine zunächst schmerzlos verlaufende Osteoporose Ihre Wirbelsäule geschwächt hat. Wenn keine Osteoporose vorliegt, haben Sie es wahrscheinlich mit einem altersbedingten Prozess zu tun, der Sie kleiner werden lässt.

Osteoporose kommt häufig bei älteren Menschen vor…

Zur Diagnose einer Osteoporose zieht der Arzt also eine Knochendichtemessung hinzu, wozu verschiedene Methoden zur Verfügung stehen. Der Knochenschwund geschieht in den meisten Fällen unerkannt, still und rasch fortschreitend: Bis zum ersten Bruch gibt es meistens keinerlei Anzeichen. Die Heilung von Brüchen ist weder gestört noch verzögert. Es treten jedoch gerade bei älteren Menschen teilweise lebensgefährliche Komplikationen durch die erzwungene Bettruhe auf.

…aber auch Kinder können betroffen sein

Auch Kinder können unter einer niedrigen Knochendichte und dadurch an brüchigen Knochen leiden. Das haben Forscher des Nationwide Children’s Hospital herausgefunden. Sie untersuchten 85 Kinder; alle hatten Knochenprobleme und ungewöhnlich häufig Knochenbrüche. Es stellte sich heraus, dass bei 80 Prozent der Kinder eine niedrige Knochendichte vorlag, die durch einen Vitamin-D-Mangel hervorgerufen wurde.

Die Wissenschaftler regen an, dass Kinder, die mehrere Knochenbrüche hinter sich haben, auf einen Vitamin-D-Mangel hin untersucht werden. Diesem Mangel können Sie übrigens leicht vorbeugen und so die Knochen Ihrer Kinder oder Enkelkinder stabil halten: Vitamin D wird durch das Sonnenlicht vom Körper selbst gebildet. Schicken Sie also den Nachwuchs jeden Tag mindestens eine halbe Stunde zum Spielen nach draußen. Selbst im trüben Herbst bekommt der Körper genügend Sonnenstrahlen ab, um das Vitamin zu bilden.

Knochendichte gibt Aufschluss über Ihre Gefährdung

Diese drei Methoden geben in der heutigen Medizin Aufschluss über die Gefährdung eines Patienten für Osteoporose:

  1. Mit der D(E)XA-Methode, einer Röntgenuntersuchung, die den Knochenmineralgehalt bestimmt, kann der Arzt sehr exakt die Knochendichte an der Lendenwirbelsäule und der Hüfte messen. Damit können genau die Bereiche untersucht werden, die für osteoporosebedingte Brüche besonders anfällig sind. Durch Messfehler leidet hier allerdings manchmal die Genauigkeit.
  2. Bei der quantitativen Computertomographie, ebenfalls eine Röntgenuntersuchung, wird dagegen meist die Knochendichte am Finger, Handgelenk oder an der Wirbelsäule gemessen. Für Messungen im Hüftbereich eignen sich die Geräte normalerweise nicht. Die Strahlen-Belastung ist zudem höher als bei der D(E)XA-Methode.
  3. Mittlerweile können auch durch Ultraschalluntersuchungen aussagekräftige Werte ermittelt werden.

Wann eine Messung sinnvoll ist

Grundsätzlich gilt: Mit der Menopause und spätestens ab dem 65. Lebensjahr sollten Frauen ihre Knochendichte messen lassen. Die Knochendichte von Männern liegt von Anfang an deutlich höher; insofern wird ihnen eine Messung erst ab dem 70. Lebensjahr empfohlen. Ein erhöhtes Risiko für Osteoporose verändert diesen Zeitpunkt. Je nach Risikofaktoren sollten sich Männer dann bereits zwischen 50 und 69 Jahren testen lassen.

Experten empfehlen die Knochendichtemessung jedoch bei allen Menschen mit mehreren Risikofaktoren. Auch bei Verdacht auf eingebrochene Wirbelkörper (z. B. unklare Rückenschmerzen, deutliche Abnahme der Körpergröße) kann eine Knochendichtemessung sinnvoll sein. Wenn Sie aufgrund Ihrer bekannten Risikofaktoren ein hohes Osteoporoserisiko haben, sollten Sie mit Ihrem Arzt über diese Untersuchung sprechen. Bestimmte Knochenmarker und andere Parameter im Blut und Urin können die Knochendichtemessung zwar nicht ersetzen, sie geben aber wichtige Hinweise auf den im Einzelfall vorliegenden Typ der Osteoporose.

Knochendichtemessung: In welchem Abstand sie wirklich nötig ist

Diese Knochendichtemessungen werden gerade älteren Frauen häufig empfohlen, um eine Osteoporose frühzeitig zu erkennen. Aber wie oft ist diese Untersuchung überhaupt nötig? Muss es wirklich alle zwei oder drei Jahre sein, wie manche Ärzte betonen? Amerikanische Wissenschaftler der Universität von North Carolina haben Untersuchungsdaten von fast 5.000 Amerikanerinnen gesammelt, die alle mindestens 67 Jahre alt waren. Entsprechend des Ergebnisses der Erstuntersuchung wurden die Frauen entsprechend der Knochensubstanz in vier Gruppen eingeteilt:

  • normal
  • leicht
  • moderat
  • stark vermindert

Normal entsprach einem T-Score an Schenkelhals und Gesamthüfte von -1 oder mehr. In den nächsten 15 Jahren erfolgten mehrere Untersuchungen in unterschiedlichen Abständen, um zu erfassen, wann sich frühestens eine Osteoporose entwickelt; ausgehend von der ersten Untersuchung. Es zeigte sich, dass von den Frauen, die bei der Erstuntersuchung eine normale Knochendichte aufwiesen, 1 Prozent in den nächsten 15 Jahren eine Osteoporose entwickelten. Bei denen mit leicht verminderter Dichte waren es 5 Prozent. Daher sind hier Untersuchungsabstände von bis zu 15 Jahren nicht zu weit gefasst. Bei den Untersuchten mit moderater Knochendichte entwickelten 10 Prozent der Frauen in fünf Jahren eine Osteoporose, bei denen mit stark verminderter Knochensubstanz kam es bei 10 Prozent der Frauen schon innerhalb von einem Jahr zur Osteoporose. Hier sollten die Kontrollen also deutlich enger gefasst werden, so die Wissenschaftler.

Verringerte Knochendichte bei Osteoporose© Adobe Stock – crevis

Wie geht es dann weiter?

Bei einer normalen Knochendichte sollen weitere Messungen erfolgen, um die Entstehung einer Osteopenie oder Osteoporose rechtzeitig zu erkennen. Wurde eine dieser beiden Erkrankungen bereits diagnostiziert, dient dieselbe Untersuchung dazu, den Krankheitsverlauf und die Wirkung der Therapie besser zu beurteilen. Regelmäßige Messungen der Knochendichte erleichtern dem Arzt zu entscheiden, wann mit den Jahren eine Behandlung der Osteopenie oder auch Osteoporose angeraten ist. Denn das Risiko für Knochenbrüche steigt mit zunehmendem Alter erheblich.

Die Messung der Knochendichte ist wichtig; sie vermittelt jedoch kein umfassendes Bild, wie gesund ihre Knochen tatsächlich sind. Aus diesem Grund kann es sein, dass Ihr Arzt zu weiterer Diagnostik rät. Dazu gehört zum Beispiel, dass Sie mit ausreichend Kalzium und Vitamin D versorgt sind, sich regelmäßig bewegen und nicht zu wenige Kilos auf die Waage bringen.

Wie entsteht Osteoporose?

Diese beiden Faktoren machen die Entstehung der Knochenschwundkrankheit im Wesentlichen aus:

Zu geringer Knochenaufbau

Ihre Knochen werden ständig und lebenslang  auf- und abgebaut. Nur so kann der Körper optimal auf Wachstum, Abnutzung oder Verletzungen reagieren. Im Laufe des Lebens bilden sich in Ihren Knochen nämlich feinste Risse. Daher muss hier fortwährend repariert werden, um größere Schäden zu vermeiden. Knochenmaterial, das im Laufe der Zeit verschlissen ist, wird abgetragen, dafür wird neues wieder eingebaut. Innerhalb von fünf Jahren erneuert Ihr Körper so die Hälfte seines Knochengewebes. Unterstützt wird dieser Prozess durch die Beanspruchung von Muskeln, Sehnen und Bändern, weshalb regelmäßige Bewegung so wichtig für den Knochenaufbau ist. Rund 400 mg Kalzium und Kollagenmasse werden jeden Tag aus Ihren Knochen herausgebaut. Verantwortlich für die Entsorgung alten Knochenmaterials sind die Osteoklasten („Knochenklauer“). Sie bauen verbrauchte Knochensubstanz also ab. Der Gegenpart sind die Osteoblasten („Knochenbauer“). Diese bauen die Knochenmasse wieder neu auf.

Bis zum Alter von 30 Jahren wird normalerweise mehr neuer Knochen gebildet als zuvor abgebaut wurde; der Knochenaufbau überwiegt. Die Knochenmasse nimmt ständig zu, bis die maximale Knochenmasse erreicht ist. Das ist quasi unser Knochenguthaben, von dem wir nun im weiteren Leben zehren müssen. Nach dem 30. Lebensjahr überwiegt der Knochenabbau. Die gesamte Knochenmasse wird dadurch jedes Jahr ein wenig kleiner. Struktur und Stabilität der Knochen verschlechtern sich langsam. Rund 20 Hormone steuern den geregelten Auf- und Abbau. Sowohl Schilddrüsenhormone als auch Insulin oder die Sexualhormone Östrogen und Testosteron sind an diesem Prozess beteiligt. Dadurch ist die Knochenmasse aber auch so anfällig. Denn wenn nur ein Hormon in diesem Zusammenspiel in zu geringer oder zu großer Menge vorhanden ist, gerät das ganze System ins Wanken. Es wird nicht mehr genügend Knochenmasse aufgebaut; die Folge ist Osteoporose. Frauen haben ein größeres Risiko als Männer, da sie durch die Wechseljahre einen stärkeren Abfall in Ihrem Hormonspiegel haben.

Zu starker Knochenabbau

Osteoporose kann aber nicht nur durch einen fehlenden Knochenaufbau, sondern auch durch zu großen Knochenabbau ausgelöst werden. Dieser kommt zustande, wenn Sie längere Zeit Cortison einnehmen müssen. Betroffen sind Sie also beispielsweise als Rheuma-, Asthma- oder Allergiepatient. Bei einer länger andauernden Behandlung mit Cortison sollten Sie sich also von Ihrem Arzt Medikamente verschreiben lassen, die Ihre Knochen schützen.

Darüber hinaus kann es zur Osteoporose kommen, wenn Sie unter einer Schilddrüsenüberfunktion leiden. Schilddrüsenhormone sind am Knochenaufbau beteiligt und müssen deshalb in der richtigen Menge im Körper vorhanden sein. Daher sollten Sie in regelmäßigen Abständen auch Ihre Schilddrüse untersuchen lassen.

Schuld ist eine falsche Ernährung

Meist lässt sich die Ursache nicht auf einen Grund reduzieren. Oft ist es eine Kombination, die sich aber auf einen gemeinsamen Nenner bringen lässt: Falsche Ernährung ist sehr häufig schuld am Knochenschwund. Hierzu gehören:

  • unausgewogene Ernährung: 80 Prozent aller Menschen über 60 Jahre haben einen Vitamin-D-Mangel. Grund dafür sind zu wenig Bewegung im Freien und die unzureichende Aufnahme des Vitamins über die Nahrung. Im Alter kann Ihr Körper Vitamin D auch nicht mehr so gut aufnehmen. So kommt es sehr schnell zu einer Unterversorgung. Auch Kalzium wird oft zu wenig aufgenommen und diese Mangelkombination ist für Ihre Knochen Gift.
  • phosphatreiche Ernährung: Phosphat entzieht dem Knochen Kalzium und damit einen wichtigen Stoff für die Knochengesundheit. Wenn Sie oft Cola trinken, schädigen Sie ebenfalls Ihren Knochen, denn auch Cola enthält Phosphat.
  • Schädliche Genussgifte wie Alkohol und Zigaretten sollten für Sie sowieso tabu sein – aber erst recht, wenn Sie an Ihre Knochengesundheit denken. Denn auch diese Stoffe gehen an Ihre Knochensubstanz.

Risikofaktoren für Knochenschwund

Da die Osteoporose verhindert oder  verlangsamt werden kann, wenn sie frühzeitig entdeckt wird, ist es wichtig herauszufinden, ob bei Ihnen die Erkrankung vorliegt oder ihr Auftreten wahrscheinlich ist. Betrachten Sie die folgenden Risikofaktoren, diskutieren Sie dann mit Ihrem Arzt über Ihr persönliches Risiko und planen Sie Ihre Präventivstrategie:

Geschlecht

Osteoporotische Knochenbrüche sind bei Frauen doppelt so häufig wie bei Männern. Dünne, schmal gebaute Frauen sind besonders gefährdet. Frauen bauen im frühen Erwachsenenalter weniger Knochen auf als Männer und sie nehmen im Allgemeinen weniger Kalzium auf. Außerdem sind einige vielleicht weniger aktiv, was das Risiko erhöht, da körperliche Bewegung beim Knochenaufbau hilfreich ist.

Doch der wichtigste Unterschied ist das Östrogen. Bei Frauen findet in den Wechseljahren ein verhältnismäßig plötzlicher Abfall der Östrogenproduktion statt und dann beschleunigt sich der Knochenabbau. Bei Männern ist der Abfall des Geschlechtshormons Testosteron langsamer fortschreitend, weshalb sie keinen so raschen Knochenabbau erleiden.

Alter

Mit zunehmendem Alter steigt das Osteoporoserisiko grundsätzlich.

Rasse

Das größte Risiko besteht für Menschen weißer Hautfarbe, das geringste Risiko haben Dunkelhäutige, gefolgt von Latinos und Asiaten. Diese Gruppen erreichen im Allgemeinen meist eine höhere Knochenmasse als weiße Personen.

Erbfaktoren

Auch das Vorkommen in der Familie spielt beim Osteoporoserisiko eine wichtige Rolle: Wenn etwa bei Ihrer Mutter oder Schwester eine Osteoporose vorliegt, steigt somit auch Ihr Risiko.

Expositionszeit für Östrogen während des Lebens

Je größer die Spanne der Östrogenexposition in Ihrem Leben war, desto niedriger ist Ihr Osteoporoserisiko. Beispielsweise haben Sie ein geringeres Risiko, wenn Sie spät in die Wechseljahre kamen oder die Menstruation in einem frühen Alter begann. Aber wenn Sie eine Vorgeschichte abnormer Menstruationszyklen haben oder Ihre Wechseljahre früher als mit Ende 40 (früh einsetzende Menopause) auftraten, haben Sie aufgrund eines Östrogenmangels ein erhöhtes Risiko.

Medikamente

Problematisch ist auch die langfristige Einnahme von hochdosiertem Cortison. Der Langzeitgebrauch von kortikoidhaltigen Präparaten wie Cortison, Prednisolon oder Dexamethason ist also sehr schädlich für die Knochen. Diese Medikamente sind allerdings unverzichtbar wichtige medizinische Behandlungsmittel bei chronischen Erkrankungen wie Asthma, rheumatoider Arthritis und Schuppenflechte (Psoriasis). Wenn Sie steroidhaltige Medikamente über lange Zeiträume einnehmen müssen, könnte der Arzt Ihre Knochendichte überwachen und andere Medikamente empfehlen, um Knochenschwund vermeiden zu helfen.

  • Ein erhöhter Blutspiegel von Schilddrüsenhormonen kann ebenfalls Knochenschwund verursachen. Ein solcher Zustand kann vorkommen, wenn Ihre Schilddrüse überaktiv ist (Hyperthyroidismus) oder wenn Sie übermäßige Dosen an Schilddrüsenhormonen einnehmen, um eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyroidismus) zu behandeln. Glücklicherweise kann eine neue Blutuntersuchung, der „sensitive TSH-Test“, den Hormonspiegel genauer messen und dazu beitragen, dass Sie die richtige Dosis an Schilddrüsenhormonen erhalten.
  • Kalziumverlust durch bestimmte Medikamente – Einige Diuretika, also Medikamente, die Wasseransammlungen im Körper vorbeugen, können auch die Nieren veranlassen, mehr Kalzium auszuscheiden. Zu diesen Medikamenten gehören beispielsweise Furosemid (z. B. Lasix®), Bumetanid, Etacrynsäure (z.B. Hydromedin®) und Torasemid (z.B. Unat®). Die Wirkung auf die Knochen ist schwächer als die von Steroiden. Zur Therapie können ersatzweise auch Diuretika eingesetzt werden, die keinen Kalziumverlust verursachen.
  • Knochenschwund durch Blutverdünner – Andere Medikamente, die Knochenschwund verursachen, sind unter anderem das blutverdünnende Heparin, das Medikament Methotrexat®, einige Medikamente gegen Anfallsleiden und aluminiumhaltige Antazida.

Erkrankungen

Operationen (z. B. Gastrektomie) oder Krankheiten, die Ihr Verdauungssystem betreffen (z. B. die entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa), können die Kalziumaufnahme vermindern. Auch Krankheiten wie Diabetes mellitus oder eine unzureichend behandelte Schilddrüsenüberfunktion können das Osteoporoserisiko erhöhen. Außerdem können auch die Cushing-Krankheit (eine seltene Krankheit, bei der die Nebenniere übermäßige Mengen an Nebennierenhormonen erzeugt) und Anorexia nervosa den Knochenschwund verstärken.

Weitere Faktoren

Weitere Faktoren sind Bewegungsarmut, unzureichende Zufuhr von Kalzium und Vitamin D, selbst gemachte Probleme wie Zigarettenrauchen, Alkoholmissbrauch oder hoher Konsum an Koffein in Kaffee oder Tee. Auch Phosphat (z. B. in Softdrinks oder Wurstwaren) ist ein wahrer „Knochenräuber“. Weitere Risikofaktoren sind vegetarische Ernährung und geringes Körpergewicht.

Weiche Fingernägel zeigen Risiko an

Forscher der Universität Limerick (Irland) haben entdeckt, dass spröde, weiche Fingernägel ein erhöhtes Osteoporoserisiko anzeigen. Ein aufmerksamer Arzt hatte bemerkt, dass Osteoporosepatienten häufig weiche Fingernägel hatten und wandte sich an die Hochschule. Die dortigen Forscher stellten fest, dass bei einer Osteoporose bestimmte Schwefelverbindungen (Disulfid-Brücken) in Knochen und Nägeln verringert sind. Diese Brücken dienen der Verbindung von Proteinen, die für die Festigkeit der Knochensubstanz bzw. des Keratins in den Nägeln sorgen. Eine Untersuchung von 200 Osteoporosepatienten bestätigte die Entdeckung. Die Forscher arbeiten nun an einem einfachen und preiswerten Labortest, um osteoporosegefährdete Patienten rechtzeitig entdecken zu können.

Gefahr durch Antidepressiva

Antidepressiva aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer können aus bislang unbekannten Gründen die Knochendichte verringern und auch die Sturzgefahr erhöhen. Diese beunruhigende Nachricht veröffentlichte die US-Fachzeitschrift Archives of Internal Medicine im Januar 2007 unter Verweis auf eine Langzeitstudie, an der seit 1996 mehr als 5.000 Frauen über 50 Jahren teilnehmen.

Danach erkrankten die 137 Teilnehmerinnen, die mit den Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern behandelt wurden, doppelt so häufig an Osteoporose wie der Rest der Probandinnen. Auch ihr Sturz- und Knochenbruchrisiko war verdoppelt. Falls also bei Ihnen ein erhöhtes Risiko vorliegt, sollten Sie diese Medikamente nicht einnehmen. Bitten Sie Ihren Arzt um eine andere Wirkstoffgruppe. Beachten Sie jedoch: Alle Antidepressiva können Ihre Koordinationsfähigkeit einschränken und Ihr Unfallrisiko erhöhen.

Versteckte Zöliakie kann schuld sein

Wenn bei Ihnen eine Osteoporose festgestellt wurde, sollten Sie sich auf eine Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) untersuchen lassen. Denn nach einer Untersuchung der Universität Washington ist bei etwa 4 Prozent der Patienten mit krankhaftem Knochenschwund eine unentdeckte Glutenunverträglichkeit die Ursache. Das geht aus einer Studie an 840 Männern und Frauen hervor, die die US-Fachzeitschrift Archives of Internal Medicine im Februar 2005 vorstellte.

Wie der Leiter der Studie, Dr. William Stenson, erläuterte, verhindert die Zöliakie, die zu einer chronischen Entzündung der Darmschleimhaut führt, die Aufnahme von Kalzium und Vitamin D im Darm. Durch eine glutenfreie Ernährung, also vor allem durch Verzicht auf Weizenprodukte, könne der Knochenschwund binnen eines Jahres in beeindruckender Weise rückgängig gemacht werden, erläuterte Dr. Stenson. Daher empfiehlt er allen Osteoporosepatienten, bei ihrem Hausarzt einen Bluttest auf Antikörper gegen Gluten machen zu lassen. Viel zu wenig sei nämlich bekannt, dass eine Zöliakie jahrzehntelang praktisch symptomlos verlaufe, bis schließlich eine Osteoporose auftrete.

Behandlungsmöglichkeiten

Osteoporosemedikamente wirken am besten, wenn sie möglichst früh eingesetzt werden. Solange die Knochenstruktur noch nicht nachhaltig zerstört ist, kann die Krankheit durch geeignete Medikamente oft vollständig geheilt werden. Andererseits ist es aber auch nie zu spät für eine wirksame Osteoporosetherapie. Bei Patienten mit einem Wirbel- oder Oberschenkelhalsbruch können geeignete Medikamente das extrem hohe Risiko für weitere Knochenbrüche verringern. Grundlage jeder weitergehenden Osteoporosebehandlung ist die ausreichende jed Zufuhr der „Knochenbaustoffe“ Kalzium und Vitamin D.

Wenn die Versorgung nicht über die Ernährung sichergestellt werden kann, wird der Arzt ein entsprechendes Mineralstoff- bzw. Vitaminmedikament verordnen. Zusätzlich sollten Sie sich – soweit es Ihre Erkrankung zulässt – viel und regelmäßig bewegen. Sobald sich die starken Schmerzen bessern, können Sie mit der physikalischen Therapie beginnen. Bewegungstherapie und Krankengymnastik sollen die verhärteten Muskeln zunächst lockern und anschließend stärken. Gut trainierte Muskeln fördern nicht nur den Knochenaufbau, sie verbessern zugleich die Beweglichkeit, stabilisieren das Skelett und können den Patienten wie ein Schutzpanzer vor weiteren Knochenbrüchen schützen. Das gilt grundsätzlich auch für ältere Menschen. Jede Form der Bewegung im Rahmen der individuellen Möglichkeiten wird einen positiven Effekt auf Ihre Erkrankung haben. Eine erfolgreiche physikalische Therapie kann darüber hinaus Ihre Stimmung und Ihre Zuversicht positiv beeinflussen.

Strontium: Das neue Osteoporosemittel

Es tut sich etwas in der Therapie von Osteoporose, denn man baut auf einen neuen Hoffnungsträger: Seit Kurzem können Sie auf ein gut verträgliches Präparat mit dem Spurenelement Strontium zurückgreifen. Es fördert vor allem das Wachstum der Wirbel- und Oberschenkelhalsknochen. Erste Studien zeigen, dass dieses Element das Risiko für Knochenbrüche um ein Drittel senkt. Dabei handelt es sich um ein weiteres Beispiel dafür, wie sich die Therapie mit Vitalstoffen immer mehr in der Schulmedizin durchsetzt.

Knochen sind alles andere als totes Material. Auch wenn das Knochenwachstum zum Ende der Pubertät abgeschlossen ist, gehen in den ausgewachsenen Knochen die Anpassungsprozesse lebenslang weiter. Ständig baut der Körper altes Material ab und neues auf. In diesen Prozess greift das neue Strontiumpräparat unter dem Handelsnamen Protelos® ein.

Strontium stärkt Wirbel und Oberschenkelhals

Es erfüllt zwei Funktionen:

  • Stimulation der Knochenneubildung
  • Verringerung des Knochenabbaus

Das Ergebnis: Die Knochenmasse und damit die Knochenfestigkeit nehmen zu. Das betrifft vor allem die Knochen der Lendenwirbelsäule und am Oberschenkelhals. Genau diese Knochen sind starken Belastungen ausgesetzt, was nicht zuletzt die hohe Zahl von Oberschenkelhalsbrüchen im Alter zeigt. Bei Strontium handelt es sich um ein natürliches Spurenelement aus der Gruppe der Erdalkalimetalle. Zu dieser Gruppe gehört auch das Hauptmineral des Knochens, das Kalzium. Beide Elemente weisen ähnliche chemische Eigenschaften auf und Strontium baut man zum Teil in die Knochenstruktur ein. In dem neuen Präparat liegt Strontium organisch gebunden vor (als Strontium-Ranelat).

Studie belegt Wirksamkeit

Französische Wissenschaftler der Universität Lyon wiesen im Jahr 2004 die Wirksamkeit des Strontiums bei mehr als 1.400 Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren nach: Drei Jahre nach Studienbeginn stieg die Knochendichte bei ihnen deutlich an. Gegenüber einer Kontrollgruppe, die lediglich ein Scheinmedikament (Placebo) erhielt, sank das Risiko für Knochenbrüche um 40 Prozent.

  • Präparat: Das Strontiumpräparat Protelos® ist rezeptpflichtig und kommt nur unter ärztlicher Kontrolle zum Einsatz. Die Kosten übernehmen die Krankenkassen.
  • Anwendung: Rühren Sie einen Beutel mit 2 g Strontium-Granulat in ein Glas Wasser ein. Trinken Sie die Flüssigkeit abends vor dem Zubettgehen. Die letzte Mahlzeit muss zwei Stunden zurückliegen, weil kalziumreiche Nahrungsmittel wie Milch oder Käse die Strontiumaufnahme im Darm hemmen.
  • Nebenwirkungen: Strontium verträgt sich in der Regel gut. Lediglich in Einzelfällen treten Kopfschmerzen, Übelkeit oder Durchfall auf.
  • Wechselwirkungen: Arzneimittel gegen Sodbrennen, die Aluminium oder Magnesium enthalten, hemmen die Strontiumaufnahme. Umgekehrt hemmt Strontium die Aufnahme von einigen Antibiotika. Nehmen Sie diese Mittel nicht zeitgleich ein.

Das neue Präparat stellt nur eine von mehreren Möglichkeiten in der Therapie von Osteoporose dar. Für welche Sie sich entscheiden, überlegen Sie zusammen mit Ihrem Arzt.

Vitamin D und Kalzium als Basis jeder Therapie

Die Grundlage jeder Medikamentenbehandlung sind auf jeden Fall die beiden Vitalstoffe Kalzium (1 bis 1,5 g täglich) und Vitamin D (400 bis 1.000 Internationale Einheiten täglich).

Weitere Wirkstoffe gegen Osteoporose:

  • Bisphosphonate (hemmen Knochenabbau)
  • Strontium-Ranelat
  • Calcitonin (Hormon, das den Knochenabbau hemmt)
  • Raloxifen (stimuliert Knochenaufbau)
  • Teriparatid (stimuliert Knochenneubildung)

Bisphosphonate und Teriparatid

Zusätzlich zu Vitamin D und Kalzium verordnet der Arzt in der Regel ein Bisphosphonat (z. B. Alendronat und Risedronat). Dabei handelt es sich um synthetische Phosphorverbindungen, die den Knochenabbau hemmen und Knochenbrüche verhindern. Diese Mittel schränken jedoch die Kalziumverwertung ein und reizen darüber hinaus die Schleimhäute der Speiseröhre und des Magens stark.

Ebenfalls hilfreich ist der Osteoporosewirkstoff Teriparatid. Dabei handelt es sich um ein künstlich hergestelltes Parathormon. Dieses Hormon aus der Nebenschilddrüse regt die Knochenneubildung an. Teriparatid injiziert man einmal täglich in das Unterhautfettgewebe und es ist sehr teuer. Trotz seiner hohen Wirksamkeit gilt es aus dem Grund zurzeit als Reservemedikament bei schweren Osteoporosefällen. Calcitonin setzt man vor allem nach schmerzhaften Wirbelbrüchen ein. Das aus der Brustkrebstherapie stammende Raloxifen ist gegen Osteoporose relativ unerforscht und muss seine Wirksamkeit endgültig unter Beweis stellen. Immer wieder hört man auch von Osteoporosemedikamenten, die Kieferprobleme verursachen sollen.

Wie Sie selbst die Symptome einer Osteoporose lindern können

Diese Vorschläge helfen Ihnen, Symptome zu lindern und Ihre Unabhängigkeit zu bewahren, wenn Sie an Osteoporose leiden:

  • Pflegen Sie eine gute Körperhaltung – Den Kopf erhoben, die Schultern zurück, der Rücken gerade und die Wirbelsäule nach vorn gebogen: Eine gute Körperhaltung hilft Ihnen, Ihre Wirbelsäule nicht zu sehr zu belasten. Wenn Sie sitzen oder Auto fahren, sollten Sie ein gerolltes Handtuch im Hohlraum Ihres Rückens plazieren. Beugen Sie sich beim Lesen oder bei Handarbeiten nicht nach vorn. Heben Sie aus der Hocke heraus, nicht aus der Taille. Heben Sie mit Ihren Beinen und halten Sie dabei Ihren Rücken gerade.
  • Beugen Sie Stürzen vor – Tragen Sie Schuhe mit niedrigem Absatz und Antirutschsohlen und überprüfen Sie Ihr Haus auf elektrische Kabel, lose Teppiche und glatte Oberflächen.
  • Körperliche Bewegung – Ein individuell angepaßter Trainingsplan kann Knochenschwund verlangsamen und zur Verminderung von Schmerz durch Kompressionsbrüche beitragen. Konsultieren Sie einen Bewegungsspezialisten, wie zum Beispiel einen Arzt für Rehabilitation oder physikalische Medizin oder einen Physiotherapeuten, um über empfehlenswerte und auch weniger empfehlenswerte Übungen Bescheid zu wissen. Das Heben schwerer Gewichte ist selbstverständlich nicht empfehlenswert.
  • Bewältigen Sie den Schmerz – Osteoporose kann einen akuten Schmerz durch einen Knochenbruch verursachen oder chronische Schmerzen durch mehrere kleine Brüche, die in deformierten Wirbelkörpern vorkommen. Diese Arten von Schmerz sind verschieden und erfordern verschiedene Behandlungsweisen. Diskutieren Sie Schmerzbewältigungsstrategien mit Ihrem Arzt. Ignorieren Sie chronische Schmerzen nicht. Wenn sie unbehandelt bleiben, können sie Ihre Beweglichkeit einschränken und sogar noch weiteren Schmerz verursachen.

 

Stärken Sie Ihre Knochen auf natürliche Weise

  • Achten Sie auf eine kalziumreiche Ernährung – Bevorzugen Sie magere Milchprodukte, Nüsse, Vollkornprodukte, Kohlgemüse, Spinat und kalziumreiche Mineralwässer (mehr als 150 mg / l). Mehr über die richtige Ernährung bei Osteoporose finden Sie hier.
  • Kurbeln Sie die Vitamin-D-Produktion an – Gehen Sie jeden Tag für mehr als 20 Minuten an die frische Luft. Essen Sie ein- bis zweimal pro Woche Seefisch.
  • Verbessern Sie Ihre allgemeine Vitalstoffversorgung – Nicht nur Kalzium und Vitamin D stellen wichtige Schutzfaktoren dar. Viele Studien der letzten Jahre zeigen, dass andere Vitalstoffe fast genauso wichtig sind; allen voran Vitamin K, Magnesium, Folsäure, Zink, Fluor und Kupfer.
  • Essen Sie mehr Sojaprodukte – Soja enthält hormonähnliche Substanzen (Phytoöstrogene). Diese bremsen wie das körpereigene Östrogen den Knochenabbau.
  • Fordern Sie Ihre Knochen regelmäßig – Nur regelmäßig belastete Knochensubstanz bleibt erhalten. Optimal sind mindestens dreimal pro Woche 20 Minuten Sport. Lesen Sie hier, welche Art der Bewegung bei Osteoporose am sinnvollsten ist.
  • Verzichten Sie auf Alkohol und Zigaretten – Sie rauben dem Körper wichtige Vitalstoffe und schädigen die Knochensubstanz.

Jeden Tag 20 Minuten Sonne

Um Ihre Knochen zu stärken, kommt es nicht nur auf die richtigen Medikamente an. Wichtig ist auch, dass Sie etwa für eine ausreichende Vitamin-D-Produktion sorgen. Das Vitamin fördert die Aufnahme des Knochenminerals Kalzium. In Nahrungsmitteln kommt das Vitamin in nennenswerten Mengen nur in Meeresfischen (z. B. Lachs, Hering, Sardinen) vor.

Allerdings bildet es der Körper in der Haut auch selbst. Dazu benötigt sie jedoch vor allem Sonnenlicht und genau daran mangelt es vielen Menschen. Besonders im Winter mit seinen kurzen Tagen kommt es leicht zu einem Vitamin-D-Engpass. Achten Sie also darauf, dass Sie mindestens 20 Minuten pro Tag an die frische Luft gehen. Gesicht und Hände sollten nicht von Kleidung bedeckt sein. Direktes Sonnenlicht benötigen Sie für die Vitaminproduktion nicht.

Weiterführende Hilfe für Osteoporosepatienten

Die Mitgliedschaft in einer Selbsthilfegruppe für Betroffene kann Ihre Auseinandersetzung mit der Krankheit unterstützen. Weitere Informationen können Sie bei folgenden Adressen erhalten:

  • Deutsche Schmerzhilfe e. V., Hamburg; Sietwende 20 in 21720 Grünendeich, Tel. 04142 – 81 04 34, Fax 04142 – 81 04 35, E-Mail: schmerzhilfe@t-online.de, www.schmerzhilfe.de
  • Kuratorium Knochengesundheit e. V.; Leipziger Str. 6 in 74889 Sinsheim, Tel. 07261 – 9 21 70, Fax 07261 – 6 46 59, E-Mail: kuratorium-knochengesundheit@t-online.de
  • Bundesselbsthilfeverband für Osteoporose e. V.; Kirchfeldstr. 149 in 40215 Düsseldorf, Tel. 0211 – 319 165, Fax 0211 – 332 202, E-Mail: BfO-aktuell@t-online.de, www.bfo-aktuell.de

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