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Morbus Dupuytren: Wenn neues Bindegewebe zur Behinderung wird

Es gibt Erkrankungen, die nicht lebensbedrohlich, aber deutlich mehr als eine Störung der Befindlichkeit sind. Der Morbus Dupuytren repräsentiert eine solche Krankheit.

Er beginnt mit einem kleinen Knoten in der Handfläche. Allmählich entwickelt sich daraus ein Bindegewebsstrang, der zunehmend das Strecken des befallenen Fingers verhindert – eine so genannte Kontraktur entsteht.

Der französische Arzt Guillaume Dupuytren gab der Erkrankung ihren Namen. Er beschrieb vor rund 200 Jahren die operative Behandlung.

Morbus Dupuytren und moderne Behadlungsmethoden

Noch heute gilt die Spaltung des Strangs mit dem Skalpell als die Therapie der Wahl. Das Spektrum der Behandlungen von Morbus Dupuytren reicht von der Operation bis hin zur Gabe von Vitaminen und Globuli.

Strahlen gegen Dupuytren

Damit es nicht zu einer störenden Kontraktur kommt, setzt der Hamburger Strahlen-Mediziner Professor Dr. M. Heinrich Seegenschmiedt auf eine Bestrahlung im Frühstadium von Morbus Dupuytren. Seine Erfahrungen damit fielen sehr gut aus, sagt Seegenschmiedt.

„Eine Strahlenbehandlung ist aber nur bei aktiver und zunehmender Erkrankung und v. a. im Anfangsstadium der Krankheit sehr wirkungsvoll.“ Darauf einigten sich die Handchirurgen Dr. Bernhard Lukas (Schön Klinik München Harlaching) und Dr. Jörg Witthaut (Schön Klinik Vogtareuth).

Nadelstiche gegen Dupuytren

Eine blutige Methode stellt die perkutane Nadelfasziotomie (PNF) dar. Dabei schwächen die Nadelstiche unter lokaler Betäubung die Bindegewebsstränge so weit, dass ein anschließendes Zerreißen möglich ist.

Typischerweise setzen Chirurgen die PNF im Anfangsstadium ein. In bestimmten Fällen kann sie im fortgeschrittenen Stadium hilfreich sein, sagt der Stuttgarter Orthopäde Dr. Gerd Lauser. Als Vorteil der PNF erweist sich, dass sie nur wenige Minuten dauert. Des Weiteren schmerzt sie wenig und hinterlässt kaum Narben. I. d. R. können die Patienten ihre Hand nach wenigen Tagen wieder benutzen. Häufigere Rückfälle des Morbus Dupuytren im Vergleich zur Operation stellten sich als Nachteil heraus.

Ein Enzym gegen Dupuytren

Seit Kurzem gibt es in Deutschland noch ein minimal-invasives Verfahren. Dabei schwächt ein Bakterien-Enzym den Bindegewebsstrang von Morbus Dupuytren. Das Enzym wird in den Strang gespritzt und löst diesen chemisch auf.

Nur geschulte Ärzte mit Erfahrung in der Diagnose und Behandlung von Morbus Dupuytren dürfen das Medikament (Xiapex®) anwenden. Pro Strang sind maximal 3 Injektionen in Abständen von 4 Wochen erlaubt.

Nach Angaben der Europäischen Arzneimittel-Agentur kam es in den 3 Zulassungs-Studien bei 17% der Patienten zu leichten allergischen Reaktionen (z. B. Juckreiz). Schwerwiegende Komplikationen, etwa Sehnenrisse, tauchten selten auf. Ihre Rate liegt nach Angaben des Herstellers Auxilium bei unter 1% der Patienten.

Sehr positive Erfahrungen mit der Enzym-Therapie machte etwa Jörg Witthaut. Was noch fehlt, seien Langzeit-Daten und direkte Studien zum Vergleich mit herkömmlichen Verfahren. Laut Witthaut gibt es keine Morbus-Dupuytren-Therapie, die so gut kontrolliert und dokumentiert sei. Aber: „Auch die Enzym-Behandlung ist keine Wunderheilung und kann v. a. auch nicht präventiv eingesetzt werden.“

Weniger positiv urteilt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Es gebe keine Belege dafür, dass die Enzym-Therapie gegenüber den bisherigen Behandlungs-Methoden einen zusätzlichen Nutzen biete, so das Institut. Dieses Urteil bedeutet nicht, dass diese Therapie nicht wirke. Es fehle nur der wissenschaftliche Beweis dafür, dass sie besser greife als die anderen Therapien von Morbus Dupuytren, so das IQWiG. Als Grund für den Beweismangel gab das Institut das Fehlen geeigneter Vergleichs-Studien an.

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