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Knochenbrüche: Wann Sie auf den Gips verzichten sollten

von Dr. Ulrich Fricke, Chefredakteur von „Länger und gesünder Leben“, dem Dienst, der Ihnen zeigt, wie Sie vorbeugen und heilen mit Vitaminen, Naturheilmitteln und neuesten Therapieverfahren

Die jetzt allmählich ausklingende Skisaison sorgt immer wieder für Hochbetrieb im Operationssaal. Doch die „Knochenflicker“, wie Chirurgen heute manchmal etwas respektlos genannt werden, sind im Grunde das ganze Jahr über gefordert. Denn die meisten Knochenbrüche ereignen sich immer noch bei Arbeitsunfällen oder zu Hause etwa beim Fensterputzen. Falls es auch Sie erwischt haben sollte, heißt das jedoch noch lange nicht, dass Sie wochenlang mit einem Gipsbein umherlaufen oder mit einem Streckverband im Bett liegen müssen. Die moderne Chirurgie kennt heute viel bessere Verfahren. Lesen Sie hier, welche Vorteile Ihnen die Operation eines Knochenbruchs bietet und welche Behandlungsmöglichkeiten für Sie in Frage kommen.

Ein Gipsverband unterstützt den Heilungsprozess nur schlecht

Noch bis vor wenigen Jahren wurden Knochenbrüche fast ausschließlich „konservativ“, also mit einem Gipsverband, behandelt. Neben der Einschränkung der Beweglichkeit hat dies aber weitere Nachteile. Gipsverbände führen leicht zu:

  • Gelenksteife
  • Thrombosen
  • Achsenfehlern (z. B. X- oder O-Beine)
  • schlechter Heilung der Bruchstelle
  • Beinverkürzungen

Heute werden deshalb schon 60 % der Brüche operiert. Dabei wird die Bruchstelle mit einem geeigneten Implantat stabilisiert. Ein wichtiger Vorteil ist die deutlich kürzere Genesungsdauer. So heilt ein Handwurzelbruch im Schnitt etwa fünf Wochen schneller als nach einer Gipsbehandlung. Die Liegezeiten im Krankenhaus und der Arbeitsausfall verringern sich – und somit ist eine Operation auch Wirtschaftlich dem Gipsverband „überlegen“.

Das sind die Vorteile einer Operation bei Knochenbrüchen:

  • ungestörter Verlauf der Knochenheilung,
  • bessere Heilungschancen
  • Gelenke und Muskeln bleiben beweglich
  • Muskeln können schneller wieder trainiert werden;
  • kein Muskelschwund

Diese Vorteile überwiegen die möglichen Nachteile, die bei Operationen generell bestehen (z. B. Infektionsgefahr und das Narkoserisiko) bei weitem.

Platten, Schrauben, Nägel – der Chirurg wird zum „Heimwerker“

In den letzten Jahren wurde die Entwicklung von Implantaten zur „Osteosynthese“ entscheidend vorangetrieben. Je nach Art und Lage des Bruches kommen unterschiedliche Verfahren beziehungsweise Implantate zum Einsatz:

  • Platten und Schrauben: Sie sorgen durch festes Aneinanderpressen der Bruchstücke für maximale Stabilität. Dieses Verfahren wird vor allem bei Brüchen am Vorderarm, bei Gelenkfrakturen und gelenknahen Brüchen angewandt.
  • Marknagelung: Hier sorgt eine innere Schienung im Knochenmark (Rohr oder Stab) für eine ausreichende Fixierung. Diese Methode wird meist bei Brüchen im Bereich des Knochenschafts von Bein oder Oberarm gewählt.
  • Externer Fixateur (äußerer Festhalter): Bei diesem minimal-invasiven Verfahren erfolgt keine vollständige Implantation der Schienen, sondern der Bruch wird durch ein von außen angelegtes Stangensystem fixiert. Es wird vorwiegend als Notfallmaßnahme bei Mehrfachverletzten (z. B. nach Autounfällen) und bei offenen Brüchen eingesetzt.

Neue Hoffnung auch bei Osteoporose

Auch wenn Sie an Osteoporose erkrankt sein sollten, können Ihnen die modernen Knochenimplantate helfen. Die konservative Gipsbehandlung ist hier oft nachteilig, da sich die Knochenheilung im Alter verlangsamt und die Brüche dann extrem lange ruhig gestellt werden müssen. Muskelschwund und Unbeweglichkeit sind die Folge. Die neuartigen Knochenimplantate finden jedoch sogar bei schlechter Knochenqualität festen Halt und bieten somit auch bei Osteoporose verbesserte Heilungschancen. Der Einsatz von Computersystemen im Operationssaal ermöglicht es dem Arzt heute, die Position von Knochen und Implantaten präzise zu bestimmen, ohne dass er dazu die Bruchstelle großflächig freilegen muss. Vor allem in größeren chirurgischen Zentren können Sie sich mit diesen modernen Verfahren behandeln lassen. Die neue minimal-invasive Operationstechnik ist viel weniger belastend. Das Infektionsrisiko wird drastisch gesenkt und die Wunde heilt schneller, sodass Sie das Krankenhaus früher verlassen können. Es bleibt nur eine kleine Narbe zurück.

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