MenüMenü

Knochenbrüche: So vermeiden Sie Komplikationen

Kleinere Unfälle gehören zum Leben dazu, und so wird es wohl kaum einen Menschen geben, der sich noch nie einen Knochen gebrochen hat. Wenn die ersten Schmerzen abgeklungen sind, läuft die Heilung der Knochenbrüche meistens problemlos ab: Fingerknochen sind bereits nach zwei bis drei Wochen wieder zusammengewachsen, bei Hüfte oder Handwurzelknochen kann es jedoch auch schon einmal drei Monate oder länger dauern.

Ausnahmefall Morbus Sudeck

Doch bei bis zu 5 % der Patienten kommt es nach einem Knochenbruch als Spätfolge zu einer bis heute sehr rätselhaften Erkrankung, dem so genannten Morbus Sudeck (Sudeck-Krankheit): Wochen oder sogar Monate, nachdem der Gips längst entfernt wurde und der Bruch abgeheilt ist, treten plötzlich extrem starke Schmerzen an dem betroffenen Arm oder Bein auf. Die Gliedmaßen schwellen an, und die Haut verfärbt sich blau, rot oder weißlich, außerdem spannt und glänzt sie. An den betroffenen Hautpartien ist die Aktivität der Schweißdrüsen erhöht und das Temperaturempfinden gestört: Sie fühlen sich kalt an, obwohl die Nachbarpartien warm sind.

Typische Beschwerden der Sudeck-Krankheit sind:

  • brennender, tiefer Schmerz
  • Bewegungseinschränkung
  • Gewebsabnahme (z. B. an Knochen, Haut und Muskeln)
  • schmerzhafte Berührungsempfindlichkeit
  • Lähmungen
  • Taubheitsgefühl der Haut
  • Koordinationsstörungen
  • Zittern
  • übermäßiges Schwitzen

Benannt wurde die Krankheit nach ihrem Erstbeschreiber, dem Hamburger Chirurgen Paul Sudeck (1866 bis 1945). Andere Namen sind Algodystrophie oder Reflexdystrophie. Seit Neuestem wird sie auch als komplexes regionales Schmerzsyndrom (engl.: Complex Regional pain Syndrome, CRpS) bezeichnet.

Knochenbrüche: Nach einem Bruch können die Nerven dauerhaft geschädigt bleiben

Wodurch diese Beschwerden ausgelöst werden, ist bisher trotz aller modernen Forschungen unbekannt geblieben. Bei dem Blick auf die obige Symptomliste wird jedoch schnell klar, dass in erster Linie das Nervensystem betroffen ist.

Vermutlich handelt es sich bei der Sudeck-Krankheit um eine entgleiste Heilentzündung. Gegen Ende der Heilungsphase wird die Entzündung normalerweise wieder langsam zurückgefahren. Doch bei der Sudeck-Krankheit ist dieser Prozess gestört, und die Entzündung bleibt über einen sehr langen Zeitraum – manchmal sogar ein Leben lang – bestehen.

Wenn schließlich das Nervensystem in das Geschehen mit einbezogen wird, reagiert dieses bereits auf leichte Schmerzreize extrem empfindlich. Knochenbrüche sind zwar ein häufiger Grund, aber längst nicht die einzige Störung, in deren Folge es zur Sudeck-Krankheit kommen kann.

Die Sudeck-Krankheit tritt auf nach:

  • Knochenbrüchen
  • Quetschungen
  • Verstauchungen
  • Gelenkverrenkungen
  • Operationen
  • Nervenerkrankungen (Neuropathien)
  • Herzinfarkt
  • Schilddrüsenüberfunktion
  • Einnahme von Medikamenten (z. B. Schlafmittel)

In jedem vierten Fall bleibt die Ursache dagegen unklar. Häufig ist die Hand zusammen mit dem Unterarm, etwas seltener der Fuß mit dem Unterschenkel betroffen. Aber auch an Hüfte, Schulter oder Ellenbogen treten die Schmerzen auf. In der Regel sind die (von der Körpermitte aus gesehen) hinter dem Bruch (bzw. der Verletzung) gelegenen Gewebe beteiligt.

Ängste erhöhen das Risiko

Auch die Psyche spielt bei der Entstehung der Krankheit eine Rolle. Ängste und emotionale Labilität scheinen die Beschwerden zu begünstigen. Daraus folgt jedoch keinesfalls, dass sich die Betroffenen die Krankheit nur einbilden. Dennoch werden heute immer noch viele Sudeck-Kranke als Simulanten abgetan. Schließlich leiden sie ja an den Folgen einer Verletzung, die äußerlich schon längst abgeklungen ist.

Nach einem Knochenbruch sollten Sie also stets wachsam sein und kleine Beschwerden nicht als Bagatelle abtun. Denn je früher die Behandlung eingeleitet wird (und je weniger die Nerven geschädigt sind), desto besser sind die Heilungschancen. In der medikamentösen Therapie haben sich neben Schmerzmitteln auch Antiepileptika (gegen den Nervenschmerz), Antidepressiva und das knochenstärkende Hormon Calcitonin bewährt.

Mit Naturheilverfahren heilen Knochenbrüche besser

Um die Heilentzündung in geregelten Bahnen ablaufen zu lassen (und somit der Entstehung der Sudeck-Krankheit vorzubeugen), sollten Sie sich nach einem Knochenbruch von Ihrem Arzt eine manuelle Lymphdrainage verordnen lassen. Diese Massage-Technik regt den Abtransport von Zelltrümmern und Entzündungsfaktoren an und ist selbst im Anfangsstadium der Sudeck-Krankheit noch wirksam. Die Kosten werden von den Krankenkassen getragen. Unter den Heilpflanzen steht für Knochenbrüche der Beinwell an erster Stelle, dessen Inhaltsstoffe (u. a. das Allantoin) die Regeneration von Knochen und Gewebe fördern. Schon sein Name geht auf das althochdeutsche „Bein“ (= Knochen) und „wallen“ (= zusammenwachsen) zurück. In der Apotheke erhalten Sie Beinwell-Zubereitungen entweder als Salbe (z. B. Kytta-Salbe®, 100 g ca. 12 Euro) oder als Paste für einen Umschlag (z. B. Kytta-plasma®, 200 g ca. 15 Euro).

Die Paste tragen Sie etwa einen Millimeter dick auf feuchten Mull auf und bedecken damit die erkrankte Stelle. Darüber decken Sie ein Leinentuch. Die Umschläge können Sie ein- bis zweimal täglich bis zu jeweils fünf Stunden lang anlegen. Speziell zur Behandlung von Knochenbrüchen ist auch das homöopathische Beinwell-Präparat Wala® Symphytum comp. (Globuli, 20 g ca. 9 Euro) entwickelt worden.

Generell sollten Sie nach einem Bruch nicht einfach abwarten, bis der Knochen wieder verheilt ist. Denn es gibt viele weitere naturheilkundliche Maßnahmen, mit denen Sie die Knochenheilung aktiv unterstützen können.

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten

Alte Kommentare
  • S Pol schrieb am 24.04.2011, 01:04 Uhr

    Es wird hier nur von dem nachträglichen Sudeck gesprochen. Viel schlimmer ist, daß bei einem Bruch Sudeck diagnostiziert und der Bruch, - Fußgelenk; deshalb nicht behandelt wird, bis er ausgeheilt ist, da sich die Ärzte leider uneins sind.