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Neues aus der Medizinforschung – für Sie ausgewählt und kommentiert

Kann das Tragen von speziell gepolsterten Schonern Sie vor einem Bruch (Fraktur) der Hüfte (insbesondere des Oberschenkelhalses) bewahren? Anscheinend ist das möglich.

Nach Schätzungen werden jedes Jahr mehr als 100.000 Deutsche über 65 Jahre wegen Frakturen der Hüfte ins Krankenhaus eingeliefert. Fast ein Viertel davon stirbt in den nächsten 12 Monaten auf Grund der Hüftfraktur oder ihrer Komplikationen. Bei vielen bleibt die Mobilität eingeschränkt.

Forscher in Finnland haben vor kurzem den Gebrauch von speziellen Hüftschonern zur Verhütung von Hüftfrakturen untersucht. Ihre Studie wurde in der November 2000-Ausgabe des New England Journal of Medicine veröffentlicht. Für diese Studie haben sich 653 Personen über 70 Jahre bereit erklärt, den Hüftschoner täglich über einen Zeitraum von 18 Monaten zu tragen. Bei dieser Personengruppe lag mindestens ein Risikofaktor für eine Hüftfraktur vor. Die Wissenschaftler haben auch eine Kontrollgruppe (1.148 Personen) beobachtet, die diesen Hüftschoner nicht trugen.

Während der Studie erlitten 13 Personen (2%) in der Gruppe mit dem Hüftschoner eine Hüftfraktur, im Vergleich zu 67 Personen (5,8%) der Gruppe ohne diesen Schutz. Somit war das Risiko einer Hüftfraktur für die Gruppe, die einen Hüftschoner getragen hatte, um 60% niedriger als das der anderen Gruppe.

Die Wissenschaftler betrachteten auch das Verhältnis von Stürzen und Hüftfrakturen in der Gruppe mit Hüftschoner. Während der Studie kam es zu 1.404 Stürzen in dieser Gruppe. Daraus folgten 13 Hüftfrakturen, von denen 9 auftraten, als diese Personen ihren Hüftschoner nicht trugen. Die Forscher folgerten daraus, dass das Risiko von Hüftfrakturen um circa 80% reduziert werden kann, wenn der Hüftschoner zur Zeit des Sturzes getragen wird.

Aus Sicht der Ärzte der Mayo Clinic zeigt die Studie einen viel versprechenden neuen Weg, um Hüftfrakturen zu verhüten. Sie ließ jedoch einige Fragen offen. Zum Beispiel lehnten 31% der Personen in der Gruppe mit Hüftschoner ab, diesen auch tatsächlich zu tragen. Weitere Anstrengungen sind notwendig, um die Bereitschaft zu steigern, den Hüftprotektor zu tragen. Außerdem wurde in dieser Studie den Stürzen der Gruppe ohne Hüftschoner nicht weiter nachgegangen. Das hätte weitere Klarheit bezüglich der Wirksamkeit des Hüftschoners gebracht.

Wenn Sie sich zur Risikogruppe für eine Hüftfraktur zählen, sollten Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt Ihr persönliches Risiko einschätzen und gegebenenfalls beschließen, welche vorbeugenden Maßnahmen am besten für Sie geeignet sind.

Die Hüftschoner werden in Sanitätshäusern verkauft.

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