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Künstliches Hüftgelenk: Operationstechniken, Risiken und Vorteile

Inhaltsverzeichnis:

  1. Wenn Ihre Hüftgelenke erkranken
  2. Ablauf der klassischen Hüftgelenk-Operation
  3. Hüftgelenk-OPs: Neue Verfahren
  4. Nur die Operation reicht leider nicht!
  5. 6 goldene Bewegungsregeln mit künstlicher Hüfte

Hüftgelenkoperationen gehören zu den häufigsten orthopädischen Eingriffen. In Deutschland führen die Chirurgen mehr als 100.000 Operationen am Hüftgelenk pro Jahr durch. Früher brauchte es eine lange Zeit bis zur Abheilung. Moderne, minimal-invasive Verfahren ändern das.

Die Patienten gehen schon wenige Tage nach der Operation nach Hause und verspüren weniger Schmerzen. Sie nehmen früher ihre normalen Alltagsaktivitäten auf als nach der alten Methode. Obwohl die neuen Verfahren nicht überall verfügbar sind und sich nicht für jeden Patienten eignen, klingen sie viel versprechend.

Hüftgelenk© dimdimich - Fotolia

Wenn Ihre Hüftgelenke erkranken

Unsere Organe sind für eine (un)gewisse Lebensdauer ausgelegt. Und auch bei den Gelenken ist ein Abnutzungsprozess unvermeidlich. Wenn der Knorpel in Ihrer Hüfte durch eine Krankheit (typischerweise Osteoarthrose) beschädigt ist, verursacht die Bewegung des Hüftgelenks Schmerzen.  Eine Arthrose (Gelenkabnutzung) kommt also auf uns alle zu, ist aber nicht immer gleichbedeutend mit Schmerzen und schon gar nicht mit der Notwendigkeit eines operativen Eingriffs oder gar eines künstlichen Gelenkersatzes.

Wenn mit zunehmendem Alter Ihre körperliche Aktivität langsam nachlässt, bleiben leichte Einschränkungen der vollen Beweglichkeit einzelner Gelenke oftmals verborgen, genauso wie der ständige schleichende Verlust an Muskelkraft (der übrigens schon etwa mit dem 30. Lebensjahr einsetzt). Erst im fortgeschrittenen Stadium, wenn eine Gelenkarthrose zu Schmerzen und Funktionsverlust (vor allem Bewegungseinschränkung, Belastungsintoleranz) führen kann, ist der Zeitpunkt gekommen, sich über ein Kunstgelenk Gedanken zu machen. Meist berichten die Patienten dann, dass sie ohne ein schmerzlinderndes Medikament nicht mehr schlafen können. Weitere Gründe für ein künstliches Hüftgelenk können sein: Knochenbruch, Rheumatoide Arthritis, Knochentumore und Knochenschwund aufgrund mangelnder Blutversorgung, die zu einer Nekrose führt.

Die künstliche Hüfte

Eine Hüftgelenks-Total-Endoprothese (Hüft-TEP) kann Ihnen Schmerzfreiheit und Belastungsfähigkeit zurückgeben. Sie besteht heute in aller Regel aus drei Komponenten:

  • dem Schaft, der im Oberschenkelknochen verankert wird
  • der Pfanne, die im Becken fixiert wird
  • dem Kopf, der auf den Hals des Schaftes aufgesteckt wird und die Verbindung zwischen Schaft und Pfanne darstellt

Ablauf der klassischen Hüftgelenk-Operation

Die herkömmlichen Eingriffe beim Hüftgelenkersatz passieren unter Vollnarkose oder regionaler Betäubung. Meistens setzt der behandelnde Arzt einen 20 bis 25 cm langen Schnitt an der Außenseite der Hüfte an. Er trennt Muskeln, Bänder und Sehnen, um zum Knochen vorzustoßen. Dann entfernt der Chirurg geschädigte Knochen oder Gewebe vom Hüftgelenk, bevor er eine künstliche Gelenkpfanne einsetzt. Das obere Ende des Oberschenkelknochens (Femur) höhlt er aus, sodass er ein Metallimplantat mit Kugel in den Knochen versenken kann.

Je nach angewandtem Operationsverfahren variiert die Länge der Einschnitte von 5 bis 25 cm. Der Patient muss nach einem herkömmlichen Eingriff 10 bis 14 Tage im Krankenhaus verbringen. Die Hüftschmerzen verschwinden in den ersten Wochen. Es dauert jedoch bis zu drei Monate, ehe die Patienten ihre alte Kraft wiedergewonnen haben. Die Erfolgsquoten der herkömmlichen Operationen sehen hervorragend aus. Über 95 Prozent der Patienten verzeichnen eine deutliche Verbesserung der Hüftfunktion und der Schmerzen.

Die Wahl der Materialien

Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen bietet die folgende Kombination die besten Voraussetzungen für sichere, langdauernde Belastbarkeit verbunden mit den geringstmöglichen Risiken:


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  • Schaft aus Titan
  • Pfanne aus Titan mit Inlay aus hochvernetztem Polyethylen
  • Kopf aus Aluminiumoxid-Keramik

Durchschnittliche Lebensdauer der Implantate: ca. 15 Jahre

Das positive Ergebnis

Das Ergebnis der Hüft-TEP bietet Ihnen in den allermeisten Fällen:

  • schmerzfreie Belastbarkeit im Alltagsleben
  • weitgehend freie Beweglichkeit (mit geringen Einschränkungen)
  • sehr gute Dauerhaltbarkeit (im Mittel ca. 15 Jahre)
  • Befreiung von Beschwerden, die in vielen Fällen das Leben vor dem Eingriff zur Dauerqual gemacht hatten

Hüftgelenk-OPs: Neue Verfahren

In den letzten Jahren entwickelten orthopädische Chirurgen der Mayo Clinic und anderer Einrichtungen Verfahren, die den Körper weniger belasten. Einige Chirurgen kommen bei minimal-invasiven Eingriffen mit Hautschnitten von höchstens 10 cm Größe aus. Bei anderen Verfahren legen die Chirurgen zwei noch kürzere Hautschnitte an. Dadurch verkürzt sich die Heilungszeit und die alte Muskelkraft stellt sich schneller ein.

Minimal-invasive Zugänge zum Hüftgelenk erlauben es dem Chirurgen, weniger Muskeln, Bänder und Sehnen zu durchtrennen. Darüber hinaus unterstützen weitere Änderungen der Operation und der anschließenden Pflege diese Verfahren.

  • modifizierte Narkose: Zur Schmerzbehandlung kombinieren die Mediziner Beruhigungsmittel und örtliche Betäubung (regionaler Block). So setzen sie die Gesamtmenge der Narkosemittel herab. Diese können sonst zu Verwirrung, Schwindel und Übelkeit führen, was den Beginn der Krankengymnastik verzögert.
  • schneller zur Krankengymnastik: Mit der schnelleren Erholung von der Narkose beginnen die Patienten noch am Tag der Operation mit den Übungen.
  • verbesserte postoperative Schmerztherapie: Die Ärzte minimieren die Verwendung von starken Schmerzmitteln.

Diese Verbesserungen zusammen mit den neuen Operationsverfahren verkürzen den Krankenhausaufenthalt auf ein bis drei Tage. Chirurgen der herkömmlichen Methoden beobachteten, dass ihre Patienten mithilfe der Veränderungen von Narkose, Schmerzbehandlung und Bewegungstraining ebenfalls das Krankenhaus schneller verließen.

Nicht für jeden Patienten geeignet

Aufgrund der Neuheit der minimal-invasiven Operationen zum Ersatz des Hüftgelenks, gibt es keine Studien über Langzeitfolgen. Bislang sind die neuen Verfahren nicht überall verfügbar. Der behandelnde Chirurg beurteilt am besten, ob sein Patient ein geeigneter Kandidat ist. Folgende Bedingungen sprechen gegen die neuen Verfahren:

  • deutliche Deformation der Hüftknochen

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  • vollständig ausgekugeltes Gelenk
  • deutliches Übergewicht
  • vorherige Hüftoperationen

Operationstechnisch gelten die minimal-invasiven Eingriffe als anspruchsvoller im Vergleich mit  herkömmlichen Methoden. Kleinere Einschnitte erschweren den Blick auf das eigentliche Gelenk. Daneben gibt es mögliche Komplikationen, die mit den minimal-invasiven Techniken einhergehen. Dazu zählen Hüftverrenkung, Knochenbrüche sowie Nerven- und Gefäßschäden.

Nur die Operation reicht leider nicht!

Bei vielen Patienten entsteht nach erfolgreichem Eingriff schnell wieder der Wunsch, sportlich aktiv zu werden: Ein bisschen Reha und dann soll der Golfschläger wieder geschwungen werden, wie Tiger Woods das tut.

Die überwiegende Mehrzahl der mehr als 200.000 Hüftgelenk-Ersatzoperationen pro Jahr in Deutschland verläuft erfolgreich: Die Patienten sind anschließend beschwerdefrei und kommen im Alltag vergleichsweise gut zurecht. Untersuchungen an hüftoperierten Patienten zeigen aber auch, dass deren motorische Fähigkeiten sogar noch sechs Monate nach dem operativen Eingriff schlecht bis sehr schlecht waren und für kräftige Golfabschläge jedenfalls nicht geeignet.

Wie Sport Ihr neues Gelenk belastet

Messungen der Belastung eines jeden Beines beim Gehen zeigen, dass die Belastungen auf die Hüfte etwa dem Fünffachen des Körpergewichts entsprechen. Besonders hoch sind sie beim Bergauf- und Bergabgehen sowie beim Treppensteigen. Beim Joggen sind die Werte bei langsamem Tempo ähnlich, bei schnellerem Laufen sind sie etwas höher.

Also auch das Walking, eine Bewegungsform, die Ihnen als Patienten mit einer Hüft-TEP fast immer empfohlen wird, führt zu derselben Belastungshöhe: ein forscher Schritt mit der entsprechenden Schrittlänge reicht dazu aus, dass etwa das 4,5-fache Körpergewicht auf Ihr jeweiliges Standbein einwirkt. Lediglich Radfahren mit Belastungen vom 0,5- bis 1,4-fachen des Körpergewichts liegt im unverdächtigen Bereich, solange es nicht bergauf geht. Daraus könnte man mit Fug und Recht die Konsequenz ziehen, dass der Sport außer Radfahren und Schwimmen aus dem Programm des Patienten mit Hüft-TEP zu streichen ist.

Die neue Hüfte: Für den Alltag nicht geeignet?

Dann aber, das lehren uns die entsprechenden Untersuchungen, wäre auch das Alltagsleben für Sie nicht empfehlenswert. Zumindest wenn Sie mit Ihrer künstlichen Hüfte in ein Auto steigen, die Badewanne zur Körperpflege nutzen oder eine Treppe erklimmen möchten. Denn dabei liegen die geforderten Belastungen etwa auf demselben Niveau wie beim Sport. Und realistisch betrachtet, betrifft das sogar das normale Gehen, das ja nicht immer sanft und harmonisch abläuft.

Frühzeitiges Training zur Kräftigung des Hüftgelenks

In einer Studie teilten Mediziner der Harvard Medical School in Boston über 100 Patienten, die ein künstliches Hüftgelenk erhalten sollten, in zwei Gruppen ein. Die erste Gruppe absolvierte ein sechswöchiges Trainingsprogramm. Es bestand aus Gymnastik, Ausdauer- und Kraftübungen, die den gesamten Körper stärken. Die andere Gruppe trieb keinen Sport.

Wie das amerikanische Fachblatt Arthritis Care & Research im November 2006 meldete, verbesserte sich dasOperationsergebnis durch die vorhergehenden Übungen. Nur etwa 30 Prozent aus der Sportgruppe mussten nach der Operation eine Reha-Behandlung erfahren. Die anderen durften direkt nach Hause gehen. In der Gruppe der Nichtsportler absolvierten doppelt so viele Patienten nach der Operation eine Reha-Behandlung. Ein gestärkter Körper bewältigt die Folgen des schweren Eingriffs besser.

6 goldene Bewegungsregeln mit künstlicher Hüfte

Da eine Reha nach einer Hüft-OP nicht lang genug ist, verbleibt die einzige und unausweichliche Konsequenz, dass Sie das körperliche Training nach der Rehabilitation mit den dort erlernten Inhalten und Dosierungen fortführen müssen. Nachhaltigkeitskonzepte sind unverzichtbarer Bestandteil Ihres Behandlungsprogramms; von strukturierten Angeboten (Reha-Nachsorge/IRENA, Rehabilitationssport) bis hin zum individuellen Übungsprogramm in den heimischen vier Wänden.

Eine Hüft-TEP ersetzt Ihr eigenes Gelenk, ist aber eben nur ein Ersatz. Daher ist es wichtig, dass Sie sich an einige Regeln halten, um die Lebensdauer Ihres neuen Gelenks zu optimieren. Viele Probleme nach der Operation entstehen aufgrund des verbleibenden Kraftdefizits und damit verbundener Bewegungsasymmetrien (asymmetrisches Gangbild, Ausweichbewegungen, Hinken etc.).

Regel 1

Mit einer Hüft-TEP können Sie laufen (rennen), sollten es aber nur in geringem Umfang tun. Eine Prothese ist ein unvollkommener Ersatz Ihres Gelenks. Ähnlich wie eine Zahnprothese, die nicht zum Nüsseknacken geeignet ist, sollten Sie mit einer Hüftprothese hochintensive Belastungen meiden. Leichtes Laufen, beispielsweise zwei- bis dreimal pro Woche je 20 bis 30 Minuten, ist nach unserem jetzigen Wissensstand unschädlich. Wettkämpfe und intensives Training sind jedoch tabu, ebenso wie ein Marathon.

Regel 2

Setzen Sie auf leichtes Radeln. Brötchenholen, Familienausflug etc. sind unproblematisch. Intensives Radtraining besonders mit hohem Krafteinsatz kann zu vorzeitiger Lockerung Ihrer Prothese führen.

Regel 3

Bewegen Sie Ihr operiertes Gelenk oft, aber überlasten Sie es nicht. Es empfiehlt sich ein Krafttraining in einer mittleren Dosierung, beispielsweise mit Gewichten, die zwischen 25 und 40 Wiederholungen pro Satz ermöglichen. Besonders wichtig sind die Übungen für die Hüftabspreizung (seitliche Gesäßmuskulatur), die Hüftstreckung (großer Gesäßmuskel) und die Hüftaußenkreiselung (Hüftaußenrotatoren), die Sie mit Ihrem Physiotherapeuten erlernen. Wichtig: Trainieren Sie immer auch das gesunde Bein mit.

Regel 4

Vergessen Sie das Ausdauertraining nicht: Regelmäßig, aber in angemessener Dosierung. Cross-Trainer und Fahrradergometer sind bestens geeignet, im Freien Nordic Walking, Wandern, Radfahren in nicht zu hohen Gängen und gelegentliches Joggen (maximal ca. zwei- bis dreimal pro Woche 5 km).

Regel 5

Werden Sie regelmäßig aktiv, am besten täglich, aber ohne Überforderung. Sie machen alles richtig, wenn Sie sich nach der Bewegung besser fühlen als vorher, also belebt statt erschöpft.

Regel 6

Ignorieren Sie Schmerzen niemals und versuchen Sie nicht, den Schmerz einfach „wegzutrainieren“. Sprechen Sie bei Schmerzen oder sonstigen Problemen mit Ihrem Arzt.

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