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Hüftgelenk-Operationen

Hüftgelenkoperationen gehören zu den häufigsten orthopädischen Eingriffen. In Deutschland führen die Chirurgen mehr als 100.000 Operationen am Hüftgelenk pro Jahr durch. Früher brauchte es eine lange Zeit bis zur Abheilung. Moderne, minimal-invasive Verfahren ändern das.

Die Patienten gehen schon wenige Tage nach der Operation nach Hause und verspüren weniger Schmerzen. Sie nehmen früher ihre normalen Alltagsaktivitäten auf als nach der alten Methode. Obwohl die neuen Verfahren nicht überall verfügbar sind und sich nicht für jeden Patienten eignen, klingen sie viel versprechend.

Wenn Ihre Hüftgelenke erkranken

Wenn der Knorpel in Ihrer Hüfte durch eine Krankheit (typischerweise Osteoarthrose) beschädigt ist, verursacht die Bewegung des Hüftgelenks Schmerzen. Die meisten Hüftgelenke benötigen einen Ersatz, weil sie durch Osteoarthrose Schäden aufweisen. Als andere Gründe gelten Knochenbruch, Rheumatoide Arthritis, Knochentumore und Knochenschwund aufgrund mangelnder Blutversorgung, die zu einer Nekrose führt.

Ablauf der klassischen Hüftgelenk-Operation

Die herkömmlichen Eingriffe beim Hüftgelenkersatz passieren unter Vollnarkose oder regionaler Betäubung. Meistens setzt der behandelnde Arzt einen 20 bis 25 cm langen Schnitt an der Außenseite der Hüfte an. Er trennt Muskeln, Bänder und Sehnen, um zum Knochen vorzustoßen. Dann entfernt der Chirurg geschädigte Knochen oder Gewebe vom Hüftgelenk, bevor er eine künstliche Gelenkpfanne einsetzt. Das obere Ende des Oberschenkelknochens (Femur) höhlt er aus, sodass er ein Metallimplantat mit Kugel in den Knochen versenken kann.

Je nach angewandtem Operationsverfahren variiert die Länge der Einschnitte von 5 bis 25 cm. Der Patient muss nach einem herkömmlichen Eingriff 10 bis 14 Tage im Krankenhaus verbringen. Die Hüftschmerzen verschwinden in den ersten Wochen. Es dauert jedoch bis zu drei Monate, ehe die Patienten ihre alte Kraft wiedergewonnen haben.

Die Erfolgsquoten der herkömmlichen Operationen sehen hervorragend aus. Über 95% der Patienten verzeichnen eine deutliche Verbesserung der Hüftfunktion und der Schmerzen.

Hüftgelenk-OPs: Neue Verfahren

In den letzten Jahren entwickelten orthopädische Chirurgen der Mayo Clinic und anderer Einrichtungen Verfahren, die den Körper weniger belasten. Einige Chirurgen kommen bei minimal-invasiven Eingriffen mit Hautschnitten von höchstens 10 cm Größe aus. Bei anderen Verfahren legen die Chirurgen zwei noch kürzere Hautschnitte an. Dadurch verkürzt sich die Heilungszeit und die alte Muskelkraft stellt sich schneller ein.

Minimal-invasive Zugänge zum Hüftgelenk erlauben es dem Chirurgen, weniger Muskeln, Bänder und Sehnen zu durchtrennen. Darüber hinaus unterstützen weitere Änderungen der Operation und der anschließenden Pflege diese Verfahren.

  • modifizierte Narkose: Zur Schmerzbehandlung kombinieren die Mediziner Beruhigungsmittel und örtliche Betäubung (regionaler Block). So setzen sie die Gesamtmenge der Narkosemittel herab. Diese können sonst zu Verwirrung, Schwindel und Übelkeit führen, was den Beginn der Krankengymnastik verzögert.
  • schneller zur Krankengymnastik: Mit der schnelleren Erholung von der Narkose beginnen die Patienten noch am Tag der Operation mit den Übungen.
  • verbesserte postoperative Schmerztherapie: Die Ärzte minimieren die Verwendung von starken Schmerzmitteln.

Diese Verbesserungen zusammen mit den neuen Operationsverfahren verkürzen den Krankenhausaufenthalt auf 1 bis 3 Tage. Chirurgen der herkömmlichen Methoden beobachteten, dass ihre Patienten mithilfe der Veränderungen von Narkose, Schmerzbehandlung und Bewegungstraining ebenfalls das Krankenhaus schneller verließen.

Nicht für jeden Patienten geeignet

Aufgrund der Neuheit der minimal-invasiven Operationen zum Ersatz des Hüftgelenks, gibt es keine Studien über Langzeitfolgen. Bislang sind die neuen Verfahren nicht überall verfügbar. Der behandelnde Chirurg beurteilt am besten, ob sein Patient ein geeigneter Kandidat ist. Folgende Bedingungen sprechen gegen die neuen Verfahren:

  • deutliche Deformation der Hüftknochen
  • vollständig ausgekugeltes Gelenk
  • deutliches Übergewicht
  • vorherige Hüftoperationen

Operationstechnisch gelten die minimal-invasiven Eingriffe als anspruchsvoller im Vergleich mit  herkömmlichen Methoden. Kleinere Einschnitte erschweren den Blick auf das eigentliche Gelenk. Daneben gibt es mögliche Komplikationen, die mit den minimal-invasiven Techniken einhergehen. Dazu zählen Hüftverrenkung, Knochenbrüche sowie Nerven- und Gefäßschäden.

Frühzeitiges Training zur Kräftigung des Hüftgelenks

In einer Studie teilten Mediziner der Harvard Medical School in Boston über 100 Patienten, die ein künstliches Hüftgelenk erhalten sollten, in zwei Gruppen ein. Die erste Gruppe absolvierte ein sechswöchiges Trainingsprogramm. Es bestand aus Gymnastik, Ausdauer- und Kraftübungen, die den gesamten Körper stärken. Die andere Gruppe trieb keinen Sport.

Wie das amerikanische Fachblatt Arthritis Care & Research im November 2006 meldete, verbesserte sich dasOperationsergebnis durch die vorhergehenden Übungen. Nur etwa 30% aus der Sportgruppe mussten nach der Operation eine Reha-Behandlung erfahren. Die anderen durften direkt nach Hause gehen. In der Gruppe der Nichtsportler absolvierten doppelt so viele Patienten nach der Operation eine Reha-Behandlung. Ein gestärkter Körper bewältigt die Folgen des schweren Eingriffs besser.

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