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Fehlfunktion des Sakroiliakalgelenks als Ursache für Hüftschmerzen

Seit dem letzten Hausputz macht sich Ihr Rücken unangenehm bemerkbar. Sie leiden unter Schmerzen und Steife in der rechten Hälfte von Rücken und Hüfte. Die Probleme verschlimmern sich beim Laufen. Möglicherweise liegt das an Ihrem Sakroiliakalgelenk (Kreuz-Darmbein-Gelenk). In vielen Fällen verbessert eine Selbstbehandlung diese Situation. Wenn das nicht funktioniert, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Dieser zeigt Ihnen neue Wege zur Schmerzfreiheit auf.

Das Sakroiliakalgelenk verbindet Ihr Becken mit Ihrer Wirbelsäule. An beiden Seiten des Rückgrats gibt es ein solches Gelenk. Es besteht aus dem Sakrum (Kreuzbein, knöcherne Struktur zwischen Steiß- und Lendenwirbel) und dem Ilium (Darmbein, oberer Teil des Beckens). Starke Bänder halten diese Knochen ihrer Position.

Sakroiliakalgelenk: Eine Verschiebung mit schmerzhaften Folgen

Ihre Sakroiliakalgelenke dienen als Stoßdämpfer bei körperlicher Aktivität und Sport. Bei den meisten Menschen bewegen sich diese Gelenke kaum. Manchmal rutscht eine Gelenkseite aus der ursprünglichen Position. Diese Verschiebung verursacht Schmerzen und kommt durch folgende Faktoren zustande:

  • Aktivitäten mit Verdrehung, Beugen und Tragen von Lasten; z.B. Tennis, Golf oder Gartenarbeit
  • Sturz oder ein Schlag auf das Gelenk
  • Ungleichgewicht der Beckenmuskulatur oder weil ein Bein kürzer ist als das andere
  • schlechte Haltung
  • ausgeleierte Bänder am Sakroiliakalgelenk

Degenerative Erscheinungen wie bei der Osteoarthritis treten unter Umständen im Laufe der Zeit auf. Darüber hinaus können Entzündungen oder Autoimmunerkrankungen Schmerzen und Schäden im Gelenk verursachen, die als Spondyloarthropathien bekannt sind. Diese Störungen führen möglicherweise zu dauerhaften Rückenschmerzen und Rückensteifigkeit. Die Ärzte sind sich uneinig, wie hoch der Anteil der Rückenschmerzen ist, für die das Sakroiliakalgelenk verantwortlich ist. Einige Studien schätzen, dass 15 bis 20 Prozent der Rückenschmerzen im Hüftbereich auf die Fehlfunktion dieses Gelenks zurückzuführen sind.

Häusliche Pflege zur Selbsthilfe als erster Schritt

Die Symptome, die auf Probleme mit Ihrem Sakroiliakalgelenk hindeuten, treten plötzlich auf oder bauen sich allmählich auf. Dazu gehören:

  • Rückenschmerzen im Hüft- oder Pobereich auf der Seite des Gelenks
  • Schmerzen, die sich bei Belastung wie Stehen oder Gehen verstärken
  • Schwierigkeiten beim Drehen oder Beugen Ihres Oberkörpers
  • Schmerzen nach langem Sitzen
  • Schmerzen nach Sitzen auf einem dicken Portemonnaie oder Kalender in Ihrer Gesäßtasche
  • Steifigkeit im unteren Rückenbereich, Po, Hüftseite oder Bein

Die erste Behandlung von Rückenschmerzen beginnt mit Maßnahmen, die Sie zuhause durchführen. Sie gehen zunächst übermäßigem Beugen, Lasten tragen oder Verdrehen aus dem Weg. Meiden Sie bestimmte Aktivitäten, die die einseitige Belastung eines Beines bedingen wie Treppensteigen oder viele Sportarten. Kälte- und Wärmepackungen finden ebenfalls ihre Anwendung. Benutzen Sie zunächst Eiswickel in Intervallen über einige Tage, um die Entzündung zu reduzieren. Verwenden Sie im Anschluss daran Wärme, um überdehnte Muskeln und Bänder um das Gelenk zu entspannen.

Wann Sie Hilfe in Anspruch nehmen sollten

Gehen Sie zu Ihrem Arzt, wenn Schmerzen oder Schwächen nach ein bis zwei Wochen nicht verschwinden oder wenn Sie eine Taubheit bemerken. Eine körperliche Untersuchung gibt Auskunft über die Flexibilität und Stärke der Gelenkmuskulatur.

Bildgebende Verfahren wie Röntgen, Knochenszintigraphie, Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) sind notwendig, um andere Schmerzursachen wie Wirbelsäulen-Arthritis, Bandscheibenvorfall, Infektion, Knochenbruch oder Tumor auszuschließen. Wenn der Arzt als Schmerzursache vor allem eine Fehlfunktion des Sakroiliakalgelenks feststellt, erfolgen weitere Behandlungsschritte. Je nach Schmerzstärke und -ursache zieht man unterschiedliche Therapieoptionen in Betracht.

Möglichkeiten der Therapie

  • Medikamente – Schmerzmittel wie Paracetamol, nichtsteroidale Antirheumatika (z. B. Ibuprofen oder Naproxen) und Muskelrelaxantien hemmen die Entzündung und vermindern das Unwohlsein.
  • Übungen – Verminderte Beweglichkeit oder Muskelschwäche um das sakroiliakale Gelenk gilt häufig als Teil der Ursache für wiederkehrende Schmerzen. Die Behandlung beinhaltet einige Wochen der Dehnung und des Muskeltrainings. Besondere Übungen helfen bei der Verlängerung der Muskulatur, die Steifigkeit zu reduzieren und die Gelenkstabilität zu verbessern.
  • Mobilisierung des Gelenks – Das bedeutet eine Einrenkung des Gelenks. Diesen Eingriff nimmt in der Regel ein Physiotherapeut, Orthopäde oder ein anderer Spezialist vor.
  • Spezialschuhe und Einlagen – Damit gleichen Sie Längenunterschiede der Beine teilweise aus, sodass die Belastung Ihres Sakroiliakalgelenks zurückgeht. Vermeintliche Unterschiede der Beinlänge treten auf, wenn es Probleme mit einem der beiden Sakroiliakalgelenke gibt. Diese Art der Längendiskrepanz behandelt man gewöhnlich mit Krankengymnastik.
  • Sakroiliakalgelenkgürtel – Diese Gürtel trägt man, um die entsprechenden Gelenke, Muskeln und Bänder zu stabilisieren. Unter Umständen bittet Ihr Arzt Sie, diese Gürtel beim Stehen oder Gehen zu tragen. Wenn Sie unter deutlichen Schmerzen und Gelenkschwäche leiden, vermindert der Gürtel kurzfristig auch im Sitzen oder Liegen die Symptome.
  • Steroidspritzen – In schweren Fällen oder wenn die Schmerzen auf einer Entzündung des Gelenks beruhen, gilt die Injektion eines Steroidmedikaments als vorteilhaft. In den meisten Fällen verwendet man eine spezielle Ausrüstung, um die Position der Nadel im Gelenk zu kontrollieren. Manchmal löst eine Spritze das Problem. In schweren Fällen wirkt eine Kombination aus Krankengymnastik und einer Spritze.
  • Operation – Wenn keine der anderen Behandlungen wirksam den Schmerz lindert, verödet ein Chirurg bei einem operativen Eingriff die Nervenenden oder versteift das Gelenk dauerhaft. Das ist lediglich in sehr seltenen Fällen nötig.

Egal, für welche Behandlung Sie sich entscheiden: Die Erkrankung muss komplett abheilen, bevor Sie sich wieder anstrengenden Aktivitäten widmen.

Vorbeugung von Schmerzen

Schmerzzustände des Sakroiliakalgelenks sind nicht immer vermeidbar. Sie tragen aber etwas zum Schutz Ihres Rückens bei. Verhalten Sie sich hier vorsichtig:

  • körperliche Übungen: Machen Sie immer Aufwärm- und Dehnübungen, bevor Sie sich sportlich betätigen. Wenn Sie mit einem Übungsprogramm beginnen, gehen Sie es vorsichtig an und steigern Sie Ihr Pensum in dem Maße Ihrer Kraftzunahme.
  • Heben: Vermeiden Sie eine Verdrehung beim Tragen schwerer Lasten. Stemmen Sie schwere Gegenstände aus den Beinen heraus und heben Sie nicht mit dem Rücken.
  • Haltung: Sitzen Sie mit den Füßen flach auf dem Boden und den Knien auf der selben Höhe wie Ihre Hüften. Wenn Sie stehen, drücken Sie Ihre Brust heraus und nehmen Sie Ihre Schultern zurück. Spannen Sie Ihre Bauch- und Gesäßmuskeln an. Halten Sie Ihre Knie durchgedrückt (nicht verschränkt) und die Füße parallel.
  • Vorbeugung vor Stürzen: Laufen Sie gleichmäßig, damit Sie Gleichgewicht und Koordination halten. Arrangieren Sie Ihr Zuhause, um die Sturzgefahr zu minimieren. Rückenschmerzen im Hüftbereich sind besonders im Alter verbreitet. Mit den richtigen Vorsichtsmaßnahmen bedeutet dies jedoch kein unvermeidliches Schicksal.
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