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Künstliches Kniegelenk: Was geht nach der OP mit Knieprothese noch?

Der Einsatz von Knieprothesen (Knie-TEP = Kniegelenks-Totalendoprothese) ist inzwischen einer der häufigsten Eingriffe in der Orthopädie – eine bewährte Maßnahme, die Ihre Lebensqualität wieder deutlich verbessern kann.

Allerdings erlebe ich immer wieder, dass viele Patienten mit einer Knie-Endoprothese baldmöglichst wieder Sport treiben möchten; also direkt zurück auf die Ski oder das Fahrrad wollen. Die Realität sieht leider etwas anders aus, denn die Operation allein stellt Ihre Fähigkeiten nicht wieder her. Gerade wenn Sie wieder Sport treiben möchten, heißt es für Sie jetzt, selbst aktiv zu werden.

Knie-TEP: Doppelseitiger Kniegelenk-Ersatz

Ein künstliches Kniegelenk ersetzt die verschlissenen Gelenkanteile Ihres Kniegelenks durch eine künstliche Oberfläche. Ist Ihr gesamtes Knie verschlissen, erhalten Sie eine Kniegelenks-Totalendoprothese. Dabei wird Ihr natürliches Gelenk sowohl durch eine Oberschenkel-Prothese (Femur-Komponente) als auch durch eine Unterschenkel-Prothese (Tibia-Komponente) ersetzt.

Dazwischen befindet sich ein Kunststoff-Einsatz aus Polyethylen, der als Gleitfläche dient. Bei einigen Patienten wird auch die Kniescheiben-Rückfläche ersetzt; dann besteht die Kniegelenks-Totalendoprothese aus 3 Komponenten.

Unterstützen Sie vor der OP den Erfolg Ihrer „Rehabilitation“!

Wenn Sie unter einer Arthrose leiden, ist das A und O, Ihre Gelenke in Bewegung zu halten, um einer Gelenk-Versteifung vorzubeugen. Je länger Sie Ihr Knie schonen, desto schwieriger wird der Eingriff. Bewegungs-Formen wie

  • Walking,
  • Radfahren,
  • Treppensteigen,
  • Kniebeugen
  • oder Aqua-Fitness

fördern die Durchblutung und die Nährstoff-Versorgung Ihrer Gelenke. Alles, was keine Schmerzen verursacht, hilft Ihnen und stärkt Ihre Muskeln. Eine kräftige Muskulatur schützt Ihre Gelenke wie eine Manschette und erleichtert Ihnen die spätere Rehabilitation enorm.

Künstliches Kniegelenk: So gelingt die Rückkehr in den Alltag

Neben der Muskelkraft stärken Sie in der Reha auch Ihr Bewegungs-Geschick – etwa zur Verbesserung Ihrer Gangsicherheit auf unebenem Boden oder Treppen.

Mir liegt hier besonders am Herzen, dass meine Patienten neben einer schmerzfreien Wundheilung und einer guten Beweglichkeit auch ihre Fähigkeit zur Selbstversorgung schnell wieder erreichen – also ihren Alltag wieder meistern können: Körperpflege,

  • An- und Ausziehen,
  • Haushalt,
  • Autofahren,
  • etc.

In den „Medical Park“-Kliniken in Bad Wiessee setzen wir daher auf eine individuelle Gestaltung Ihrer Behandlung nach modernsten Erkenntnissen.

Ganz wichtig: Setzen Sie das Erlernte auch nach der Reha in Eigenregie fort – z. B. in Form von Kräftigungs-Übungen oder Fitness-Training (s. u.). Schaffen Sie es, wieder 4 Etagen hintereinander ohne Pause zu bewältigen – und das 4x –, sind Sie fit und können Ihre neue Kniegelenks-Totalendoprothese wirklich in vollen Zügen genießen. Nebenbei bemerkt: Hinunter dürfen Sie bei diesem Training gern den Aufzug benutzen.

Wenn Sie intensiv trainieren, werden Sie beide Beine wieder harmonisch und gleichmäßig bewegen können. Dann dürfen Sie auch wieder geeignete Sportarten ins Visier nehmen. Nur Mut! Sie können eine Vielzahl von Aktivitäten ausüben, allerdings keinen Wettkampfsport mehr.

Diese Sportarten können Sie nach Ihrer Knie-TEP ausüben

  • Wandern
  • Fahrradfahren
  • Nordic Walking
  • Ski-Langlauf
  • Schwimmen
  • Gymnastik
  • Segeln
  • Wanderrudern
  • Tennis (ohne Wettkampf-Charakter)
  • Golf (evtl. nach speziellem Training mit versiertem Sportlehrer)

Treppen-Training

In der Rehabilitation üben Sie zunächst das Treppe-aufwärts-Gehen: das gesunde Bein voran auf die nächste Stufe. Hinunter geht es umgekehrt, hier führt das operierte Bein. Es folgt das Treppensteigen im Wechselschritt, das für Sie auch nach der Reha ein hervorragendes Training ist; Sie trainieren damit Ihre Kraft, Ihre Alltags-Fähigkeiten und Ihre Ausdauer. Als mittelfristiges Ziel empfehle ich meinen Patienten 4 x 4 Etagen.

7 praktische Tipps, mit denen Sie Ihr künstliches Kniegelenk lange erhalten

  1. Setzen Sie auch nach Ihrer Reha Ihre gymnastischen Übungen weiter fort – so beugen Sie einer erneuten Gelenk-Versteifung vor.
  2. Verzichten Sie auf hochhackige Schuhe. Tragen Sie flache Schuhe mit weichen Sohlen.
  3. Hilfreich sind auch Puffer-Absätze, die Orthopädie-Schuhtechniker in Ihre Schuhe einarbeiten. Sie dämpfen den Stoß beim Fersen-Auftritt und entlasten so Ihr Knie.
  4. Vermeiden Sie möglichst, sich hinzuknien.
  5. Tragen oder heben Sie keine allzu schweren Lasten.
  6. Meiden Sie schwere körperliche Arbeit.
  7. Betreiben Sie nur gelenkschonende Sportarten – aber betreiben Sie sie!
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Prof. DHfPG Dr. Thomas Wessinghage
Über den Autor Prof. (DHfPG) Dr. Thomas Wessinghage

Prof. (DHfPG) Dr. Thomas Wessinghage ist Prorektor für Hochschulentwicklung und Transfer an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement in […]

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