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Leben mit Gelenkprothesen

Es gibt kaum ein Gelenk im Körper, das nicht durch Gelenkprothesen ausgetauscht werden kann; besonders häufig werden

durch sogenannte Kunstgelenke (auch Endoprothesen genannt) ersetzt.

Etwa 350.000 Menschen erhalten dabei in Deutschland jedes Jahr ein künstliches Knie- oder Hüftgelenk. Experten vermuten, dass sich diese Zahl aufgrund des Zunahme älterer Menschen bis ins Jahr 2050 mehr als verdoppeln wird.

Ein Blick in die Geschichte: Wie alles begann

Einige Historiker machten den ersten versuchten Gelenk-Ersatz im Jahre 1890 aus. Damals nutzten Mediziner Elfenbein für Hüft- und Knieprothesen.

Jedoch blieben solche Operationen eher selten und waren bis in die 1960er-Jahre wenig erfolgreich. Damals kam der Durchbruch beim Hüftgelenk-Ersatz, moderne Knie-Implantate folgten in den 70er-Jahren. Später ersetzten Chirurgen Gelenke im Ellbogen, Fuß- und Handknöchel, Finger und in der Schulter.

Außer für die Wirbelsäule haben Experten inzwischen schon für fast alle Gelenke Implantate entwickelt.

In der Frühzeit moderner Hüft-Operationen verwendeten die Ärzte Materialien wie:

  • Edelstahl,
  • später eine Kobalt-Chrom-Legierung,
  • Titan
  • und Stahl-Legierungen.

Knochenzement wurde und wird noch immer häufig eingesetzt, um die Prothesen zu fixieren. Zusätzlich haben Chirurgen Verfahren entwickelt, bei denen der Knochen in das Implantat einwachsen kann.

Da der Erfolg einer OP auch davon abhängt, wie lange eine Prothese hält, erhält man erst nach Jahren Auskunft, ob neue Materialien eine Verbesserung darstellen.

Jede Prothese stellt die gleichen Herausforderungen an den Chirurgen:

  • Fixierung im Knochen,
  • Stabilität des Gelenks
  • und Vermeidung von Gelenksteifheit
  • oder abnormen Bewegungen.

Zur Haltbarkeit von Gelenkprothesen

Die Lebensdauer der künstlichen Gelenke wurde stetig erweitert, sodass die Haltbarkeit von Gelenkprothesen heute bei zwischen 5 und 15 Jahren oder manchmal noch länger liegt. Sie hängt von der vorliegenden Grunderkrankung sowie der Belastung der Prothesen ab. Nach Ablauf dieser Zeit ist es nötig, das Gelenk erneut auszutauschen.

Der Patient selbst kann nach der OP mithelfen, damit das neue Gelenk so lange wie möglich hält: Rehabilitation und weiterführende Physiotherapie helfen, gelenkschonende Bewegungs-Abläufe zu erlernen sowie auf sanfte Weise Muskulatur aufzubauen, die das Gelenk unterstützt und stabilisiert.

Wann Gelenkprothesen zum Einsatz kommen

Kunstgelenke werden bei versteiften oder in extremer Weise schmerzenden Gelenken implantiert, bei denen eine künstliche Versteifung zwecks Therapie nicht infrage kommt. Grundvoraussetzung für den Einsatz von Endoprothesen sind funktionstüchtige Bänder und Sehnen um das betreffende Gelenk.

Die häufigste Ursache für das Implantieren eines Gelenk-Ersatzes sind dabei Knochen- und Gelenkverschleiß, d. h.:

  • altersbedingten Abnutzungs-Erscheinungen (Arthrose)
  • sowie schwere Gelenk-Verletzungen (sogenannte posttraumatischen Arthrosen).

Manchmal sind die Schmerzen so dauerhaft und stark, dass Sie automatisch vermeiden, Ihr Gelenk zu benutzen. Dadurch wird der umgebende Muskel geschwächt, sodass die Bewegung des Gelenks noch schwieriger wird.

Andere Störungen, die Ihre Gelenke schädigen und Gelenkprothesen erfordern können, sind:

  • Entzündliche Gelenkerkrankungen – Dazu gehört die rheumatoide Arthritis. Sie kann besonders kräftezehrend sein. Patienten mit dieser Erkrankung leiden häufig unter deformierten Gelenken.
  • Post-traumatische Arthrose – Brüche oder Bänder-Verletzungen können zur Gelenk-Schädigung beitragen und Jahre später eine Osteoarthrose auslösen.
  • Osteonekrose – Bei dieser Erkrankung stirbt Knochengewebe aufgrund einer fehlenden Blutversorgung ab.
  • Bestimmte andere Erkrankungen – Gicht und Psoriasis (Schuppenflechte), angeborene Fehlformen oder Wachstums-Störungen können zu Gelenk-Schäden führen.

Gelenkprothesen: Operation und Genesung

Die Operations-Techniken haben sich in den letzten Jahren weiterentwickelt; wo möglich, wird heute auch beim Einsetzen von Gelenkprothesen minimal-invasiv operiert, was eine schnelle Heilung fördert.

Eine Hüftgelenk-OP dauert meist zwischen 1 und 2 Std. Die Implantation anderer Gelenk-Arten kann mehr oder weniger Zeit in Anspruch nehmen, da jeder Fall seine Eigenarten hat und die notwendigen Korrekturen sehr zeitaufwendig sein können.

Beispiel: Hüft-OP

Bei einem Hüftgelenk-Ersatz wird der Chirurg zunächst einen Schnitt an der Außenseite der Hüfte machen, um dann die Muskeln soweit zur Seite zu schieben, bis der Knochen sichtbar ist. Der Oberschenkelkopf wird oben aus seiner Gelenkpfanne gezogen und oben abgesägt. Anschließend wird die Höhlung in der Hüfte vergrößert und so bearbeitet, dass sie die künstliche Gelenkpfanne aufnehmen kann.

Der Schaft Ihrer Prothese wird bis zu einer geeigneten Tiefe in Ihren Oberschenkel-Knochen eingearbeitet, um das Implantat dort zu verankern. Dann werden die beiden Teile der Prothese ineinandergefügt.

Beispiel: Knie-OP

Bei einem Knie-Ersatz muss der Chirurg nicht nur ein künstliches Gelenk zwischen Ober- und Unterschenkel einsetzen. Er muss auch sicherstellen, dass die Bänder nicht zu fest und nicht zu locker sitzen. Das erfordert manchmal spezielle Implantate bei bestimmten Bandschäden.

Dauer des Klinik-Aufenthalts

Die Dauer Ihres Krankenhaus-Aufenthaltes hängt von verschiedenen Faktoren ab wie:

  • der Art des Implantats,
  • Ihrem Alter
  • und Ihrem Gesundheitszustand
  • sowie eventuell auftretenden Komplikationen.

Zwischen 1960 und 1970 mussten Patienten nach einer Hüftgelenk-Operation 3 bis 4 Wochen im Krankenhaus bleiben. Heutzutage beginnt die Physiotherapie kurz nach dem Eingriff, sodass sich der Klinik-Aufenthalt verkürzt hat. Die durchschnittliche Verweildauer nach Hüft- und Knie-Operationen beträgt in Deutschland etwa 2,5 Wochen.

Mögliche Komplikationen

Außer den üblichen OP- und Narkose-Risiken können folgende Komplikationen beim Gelenk-Ersatz auftreten:

  • Infektionen – Sie können in der Schnittwunde oder in Gelenknähe auftreten. Es kann im Krankenhaus, später zu Hause oder sogar erst Jahre danach passieren. Schwerwiegende oder tief liegende Infektionen können eine 2. OP und den Austausch Ihrer Prothese erfordern.
  • Thrombosen – Sie können viele Ursachen haben, u. a. eine unregelmäßige Durchblutung der Beinvenen aufgrund geringer Bewegung. Deshalb wird Ihr Arzt Ihnen dazu raten, dass Sie möglichst schnell aufstehen und laufen.
    Um das Thrombose-Risiko zu verringern, wird Ihr Arzt eine Reihe von Maßnahmen wie blutverdünnende Medikamente, Kompressions-Strümpfe oder gymnastische Übungen vorschlagen, damit die Beinmuskulatur besser durchblutet wird. Eine andere, derzeit in Deutschland noch kaum eingesetzte Möglichkeit sind aufblasbare Beinkissen, die die Beinmuskeln zusammenpressen.
    Trotz dieser Vorsichts-Maßnahmen können Blutgerinnsel auftreten und lebensbedrohlich werden, wenn sie sich lösen und in die Lunge wandern (Embolie). Falls Sie nach einer Hüft- oder Knie-Operation eine deutliche Schwellung mit Rötung und Schmerzen entwickeln, sprechen Sie Ihren Arzt an!
  • Lockerung – Nach der Operation kann sich die Prothese im Knochen lockern, wenn der Knochenzement versagt oder der Knochen nicht richtig in das Implantat einwachsen kann. Das kann Schmerzen verursachen oder den umliegenden Knochen schädigen, sodass Ihre Prothese ausgetauscht werden muss.
  • Ausrenkung – Gelegentlich renken sich Patienten nach einer Hüftgelenk-OP das Implantat aus. Diesen Zustand kann man gewöhnlich ohne Operation wieder beheben. Danach muss der Patient eventuell eine Bandage tragen. Zu einer Ausrenkung kommt es v. a. nach komplizierten Eingriffen.
  • Verschleiß – Geringe Abnutzungen der Prothesen-Oberfläche sind zu erwarten. Übermäßiger Verschleiß kann jedoch eine erneute OP nötig machen.
    Die Abnutzung der Prothesen-Oberfläche führt manchmal zu einer Verteilung feiner Partikel des künstlichen Materials im benachbarten Gewebe. Diese Partikel können Knochenschwund verursachen – selbst ohne Schmerzen. Der Abrieb kann nur mit bildgebenden Verfahren wie Röntgen-Aufnahmen sichtbar gemacht werden.
  • Prothesenbruch – Moderne Implantate brechen selten; wenn es dann aber doch einmal passiert ist, wird meist eine weitere Operation erforderlich.
  • Verletzte Nerven – Angrenzende Nerven werden manchmal während des Gelenk-Ersatzes beschädigt, wenn sie überstreckt oder gereizt werden. Häufig steht die Nerven-Verletzung im Zusammenhang mit der Korrektur eines deformierten Gelenks oder der Verlängerung einer Extremität aufgrund von Verformung durch Arthrose. Die Nerven-Verletzung kann sich verbessern oder mit der Zeit sogar vollständig verheilen.

Kurz nach der Operation beginnt bereits die Physiotherapie

Ob Patienten anschließend wieder in der Lage sind, die Belastungen des Alltags zu meistern, hängt v. a. von einer optimalen Betreuung nach dem Eingriff ab und davon, wie Fachärzte und Physiotherapeuten gemeinsam eine erfolgreiche Rehabilitation gestalten und so Komplikations-Risiken senken.

Zunächst werden Sie vielleicht mit Gehstützen, einem Gehwagen oder einem Rollator gehen. Das frisch ausgetauschte Gelenk kann vorübergehend schmerzen, da die Muskeln noch zu schwach sind und das umliegende Gewebe erst verheilen muss.

Ein Krankengymnast wird Ihnen zeigen, wie Sie Ihr neues Gelenk benutzen und schützen. Übungen sind ein wichtiger Teil der Genesung. Dadurch verbessern Sie die Beweglichkeit Ihres neuen Gelenks, stärken die dazugehörigen Muskeln, verringern Schmerzen und gewinnen an Mobilität. Ihr Arzt wird Ihnen sagen, wann Sie Ihr Alltagsleben wieder aufnehmen können. Arzt und Krankengymnast werden Ihnen auch beibringen, welche Bewegungen es zu vermeiden gilt.

Bei einem Gelenkersatz kann es einige Monate bis zu 1 Jahr dauern, bis die Knochen und Muskeln vollständig verheilt sind und Sie Ihre Kraft und Beweglichkeit wiedererlangt haben. Aber viele Patienten haben bereits zu Beginn der Genesung weniger Schmerzen und Schwellungen, sodass die Bewegungen schon innerhalb weniger Wochen nach der Operation leichter werden.

Selbst mit einer erfolgreichen Implantation werden Sie vielleicht starke Belastungen wie Dauerlauf vermeiden müssen. Je nachdem, welches Gelenk ersetzt wurde, können Sie jedoch meist in ein aktives Leben zurückkehren – mit leichten Sportarten (s. u.).

Wie Infektionen Ihre neuen Gelenke bedrohen können

Auch künstliche Gelenke können – wie erwähnt und ähnlich wie gesunde Gelenke – infiziert werden. Die Infektion kann während einer Operation in das Gelenk gelangen oder durch das Blut.

Gelenkprothesen haben zudem noch einen Nachteil: Sie werden ganz leicht von Bakterien besiedelt, die Ihre Gesundheit schwer gefährden können. Schlimmstenfalls kann es sogar passieren, dass das Gelenk durch eine erneute Operation wieder entfernt werden muss.

Anhaltende, unerwartete Schmerzen im Bereich eines künstlichen Gelenks können viele Ursachen haben, eine davon ist eben die Infektion. Wird eine Infektion früh entdeckt, kann das künstliche Gelenk zuweilengerettet werden.

Infektionen in anderen Teilen des Körpers können sich zu einem künstlichen Gelenk hin ausbreiten und dort festsetzen. Daher sollten Menschen mit einem künstlichen Gelenkersatz bei jeder Infektion – insbesondere offenen Stellen an Zehen und Füßen – sofort medizinische Behandlung aufsuchen.

Schützen Sie Ihre neuen Gelenke also vor Infektionen! Dies gilt besonders in den ersten 1 – 2 Jahren nach dem Eingriff, weil das Risiko dann am größten ausfällt. Wenn Bakterien Ihre Blutbahn erreichen und zum Implantat gelangen, ist eine erfolgreiche Behandlung sehr problematisch. Sie endet unter Umständen mit einer Entnahme der Prothese.

Möglichkeiten der Behandlung

Ein Gelenk-Infekt in einem künstlichen Gelenk ist besonders besorgniserregend. An der Oberfläche einer Gelenk-Prothese können sich Bakterien einnisten und vermehren. Entzündungen in einem künstlichen Gelenk treten kurz nach der Implantation auf, Monate oder sogar Jahre später.

Infektionen innerhalb der ersten Wochen nach der Implantation in künstlichen Hüft- oder Kniegelenken sprechen auf eine Behandlung mit Antibiotika in Verbindung mit einer OP an. Dabei reinigen die Chirurgen das Gelenk und die Oberfläche der Prothese.

Später auftretende Infektionen verlaufen häufig chronisch und erfordern eine 2-Stufen-Operation in Verbindung mit Antibiotika. Diese muss man oft wochenlang intravenös verabreichen. In einem 1. Schritt erfolgt eine Reinigung des Gelenk-Bereiches und die Entfernung der implantierten Prothese. Wochen später öffnet man den Gelenk-Bereich erneut, reinigt ihn und setzt ein 2. künstliches Gelenk ein.

Die Erfolgsquote liegt bei diesem 2-seitigen Austausch von Knie- und Hüftgelenken bei etwa 90%.

Antibiotika zum Schutz

Um eine Infektion langfristig zu vermeiden, nehmen Sie vor und nach invasiven Eingriffen je nach Empfehlung Ihres Arztes Antibiotika ein. Teilen Sie Ihren Ärzten und Zahnärzten unbedingt mit, dass Sie ein künstliches Gelenk tragen.

Die Einnahme von Antibiotika kann wichtig sein vor folgenden Eingriffen:

  • zahnärztliche Maßnahmen, auch Zahnstein-Entfernung (besonders innerhalb der ersten 2 Jahre)
  • Einsetzen eines Blasen-Katheters
  • Operationen jeder Art
  • Proktoskopie, Koloskopie (Darmspiegelungen).
  • Zystoskopie (Blasen-Spiegelung)
  • Hautverletzungen und offene Stellen

Ist die künstliche Hüfte schuld an Quaddeln und Juckreiz?

Bei unerklärlichen Hauterkrankungen wie Quaddeln, Rötungen oder Juckreiz sollten Ärzte und Patienten an eine mögliche Allergie gegen Metall-Implantate denken. Darauf wies die Münchener Hautärztin Carola Berking im November 2004 in der Münchener Medizinischen Wochenschrift hin.

So lösen beispielsweise künstliche Hüftgelenke, Schrauben oder Platten in Wirbeln und Knochen (Stents, Gefäßstützen) oder Zahn-Implantate unter Umständen eine allergische Reaktion aus. Dies gilt v. a., wenn sie Nickel oder Chrom enthalten.

Nicht immer treten die entsprechenden Reaktionen in der unmittelbaren Nachbarschaft des eingesetzten Metalls auf. Wenn Sie einen Verdacht auf eine „Implantat-Allergie“ aufweisen (z. B. wenn die Probleme erst nach einer entsprechenden OP auftraten), lassen Sie bei einem Allergologen einen Allergietest durchführen. Hier zeigt sich, ob Ihr Immunsystem tatsächlich auf die Metalle reagiert.

Gelenkprothesen: Nachsorge

Wenn Sie ein künstliches Gelenk tragen, ist eine regelmäßige und kontinuierliche Nachsorge mit Röntgen-Untersuchungen – also auch besonders unter o. g. Gesichtspunkten – unumgänglich.

Künstliche Gelenke können zudem auch ernsthaft beschädigt werden, ohne dass Symptome auftreten. Bei nachlässigen Patienten kann die Schädigung so schwer sein, dass eine erfolgreiche Wiederherstellung der Gelenk-Funktion nicht möglich ist.

Die Ärzte der Mayo Clinic betonen, wie wichtig eine intensive Kontrolle der Prothesen ist, damit Probleme rechtzeitig erkannt werden. Das Institut rät seinen Patienten mit künstlichen Gelenken, 1x im Jahr zur Nachsorge zu kommen.

Wenn keine Fehler gefunden werden, können spätere Kontrollen in größeren Abständen erfolgen – etwa alle 1 – 5 Jahre. Im Detail hängen die Intervalle von Faktoren wie Alter und Aktivität ab. Wenn potenzielle Probleme auftauchen, werden häufigere Nachsorge-Termine empfohlen (weiterhin 1x jährlich).

Die Kosten für Nachfolge-Untersuchungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen immer dann übernommen, wenn sie entweder medizinisch notwendig sind oder der Patient Probleme mit der Prothese hatte (AOK Bundesverband, Bonn).

Gelenkprothesen: Für jede Aufgabe das richtige Gelenk

Die unterschiedlich geformten Gelenke stellen die Chirurgen vor verschiedenartige Herausforderungen. Einige Gelenke tragen trotz ihrer geringen Größe sehr große Lasten. Daher ist die Belastung, die auf ein entsprechendes Implantat einwirkt, auch sehr groß.

Es ist schwierig, künstliche Gelenke zu entwickeln, die den immer wiederkehrenden Kräften widerstehen und sich nicht lockern – etwa, wenn Sie schwere Gegenstände mit den Armen tragen oder sich drehen müssen, um diese fortzubewegen. Ihre Gelenke und deren Aufgaben sind sehr unterschiedlich:

  • Hüfte – Dieses Gelenk ist dafür ausgelegt, Gewichte zu tragen. Es ist das größte Kugelgelenk Ihres Körpers. Die Kugel ist der Kopf Ihres Oberschenkel-Knochens (Femur). Ein Großteil der Stabilität des Hüftgelenks beruht auf der tiefen Verankerung in einer Gelenkpfanne (dem Acetabulum) sowie den Bändern und Muskeln.
    Ihre Hüfte lässt eine Vielzahl an Bewegungen zu. Dazu gehört vor allem das Beugen (Flexion), Strecken (Extension), Spreizen (Abduktion) und Zusammenführen (Adduktion) Ihrer Beine.
  • Knie – Das Knie ist die Stelle, an der Ihr Oberschenkel-Knochen und Ihr Schienbein (Tibia) zusammenkommen. Diese Knochen sind durch Knorpel getrennt, die als Stoßdämpfer fungieren. Davor befindet sich die Kniescheibe (Patella). Sie wird durch Bänder fixiert und bewegt sich in einer Gleitbahn.
    Die Stabilität und Funktion des Kniegelenks wird überwiegend durch Muskeln und Bänder gewährleistet. Zu den wichtigsten Muskeln gehört der Quadrizeps (vorderer Oberschenkel-Muskel) und der 2-köpfige Oberschenkel-Muskel (hinterer Oberschenkel-Muskel). Die Hauptbewegungen Ihres Knies sind Beugen und Strecken.
  • Sprunggelenk – Dieser Gelenk-Übergang ist eine besondere Herausforderung für den Gelenk-Konstrukteur, da die umgebenden Weichteile essentiell für seine Funktion sind. Verbesserungen in der Implantat-Entwicklung und das Wissen über die Rolle der Weichteile haben die Möglichkeiten verbessert, auch dieses Gelenk zu ersetzen.
    Trotzdem ziehen viele Ärzte die Sprunggelenks-OP einem Implantat vor. Bei dieser Operation entfernen die Chirurgen eine dünne Gewebsschicht und fügen 2 Knochen-Enden zusammen. Die Knochen verwachsen zu einer dauerhaften Verbindung. Nach der Heilung hat das Gelenk zwar an Beweglichkeit verloren, kann aber stärker belastet werden.
  • Schulter – Die Schulter ist ein Kugelgelenk, das besser beweglich ist als alle anderen Gelenke. Der Großteil des Bewegungs-Umfangs findet zwischen dem Kopf des Oberarm-Knochens (Humerus) und der Gelenkpfanne des Schulterblattes (Skapula) statt.
    Die Total-Endoprothese der Schulter kann auch dann noch zufriedenstellend sein, wenn nur 2/3 der ursprünglichen Beweglichkeit wiederhergestellt werden. Jedoch kann die Reha länger als bei anderen Gelenk-OPs dauern.
  • Ellbogen – Er besteht aus 2 Gelenk-Abschnitten: dem sogenannten „ulnohumeralen“ und dem „radioulnaren“ Anteil. Das untere Ende Ihres Oberarm-Knochens und der größere der beiden Unterarm-Knochen (Elle) bilden ein Scharnier, das die Beugung Ihres Armes erlaubt.
    Der kleine Unterarm-Knochen (Speiche), der auf der Daumen-Seite liegt, und die Elle sind Teile eines Gelenks, das eine Rotation des Unterarmes ermöglicht, sodass Sie Ihre Handfläche nach oben und unten drehen können.
  • Hand und Handknöchel – Diese Gelenke werden nicht so häufig ersetzt wie Hüfte oder Knie; z. T. auch deshalb, weil die Gelenke klein und komplex aufgebaut sind, und weil die Funktion stark an die umliegenden Weichteile gebunden ist. Selbst wenn Ihr Implantat richtig arbeitet, kann es passieren, dass das gesamte Gelenk nicht gut funktioniert und sich sogar verschiebt, wenn andere Abnormitäten auftreten.
    Da konventionelle Verfahren wie Versteifung und Sehnen-Eingriffe meist bessere Resultate liefern, behalten sich die Chirurgen den Gelenk-Ersatz nur für schwerwiegende Schädigungen und Deformationen vor.

Exkurs: Besser leben mit Hüftprothesen

Was Sie tun können, damit Sie und Ihre neue Hüfte besser durchs Leben kommen? – Bewegung heißt auch hier die Masterlösung! Sie müssen Ihrem neuen Hüftgelenk mit dem richtigen Bewegungs-Programm, das Sie meist in der Reha lernen, Halt und Stabilität geben.

Hier erfahren Sie alles zum Skandal um Schadstoffe in künstlichen Hüftgelenken.

10 Bewegungs-Regeln für Ihre neue Hüfte

  1. Nehmen Sie die Bewegungs-Übungen ernst und versuchen Sie, Ihre Gelenke möglichst viel zu bewegen, ohne sie zu stark zu belasten. Ideal sind Ausdauer-Sportarten wie Radfahren, Schwimmen und Wandern.
  2. Verbessern Sie Ihre Beweglichkeit v. a. auch, um Stürze zu vermeiden. Dadurch könnten die Prothesen nämlich aus den Knochen herausbrechen. Für eine erneute Operation stünde dann zu wenig Knochenmasse zur Verfügung.
  3. Vermeiden Sie glatte und rutschige Böden, denn hier fallen Sie besonders leicht hin.
  4. Vermeiden Sie unsichere Kletter-Partien bei der Hausarbeit auf Stühlen und Leitern.
  5. Tragen Sie feste Schuhe mit geschlossenem Fersenteil. Eine rutschfeste Sohle ist ebenfalls wichtig. Auf High Heels und Co. oder sportliche Herren-Slipper sollten Sie von nun an besser verzichten.
  6. Verzichten Sie beim Heben und Tragen auf größere – insbesondere einseitige – Belastungen.
  7. Schwere körperliche Arbeiten sind mit dem neuen Hüftgelenk nicht mehr möglich. Lassen Sie sich bitte nicht dadurch täuschen, dass Sie keine Schmerzen mehr haben.
  8. Legen Sie sich im Bett beim Liegen auf der Seite ein Kissen oder eine zusammengelegte Decke zwischen die Knie und Ihre Fußgelenke; das entlastet Ihre Hüftgelenke. Sowohl das Knie- als auch das Sprunggelenk am Fuß sollten so abgepolstert sein.
  9. Lassen Sie sich von Ihren Therapeuten zeigen, wie Sie sich im Bett am besten umdrehen und aufstehen können.
  10. Reduzieren Sie starkes Übergewicht. Beim Gehen vervielfacht sich die Belastung im Hüftgelenk durch das Körpergewicht.

Dieser Sport schont Ihre neue Hüfte

Diese Sportarten kommen für Sie infrage, wenn Sie am Hüftgelenk operiert wurden und eine „neue Hüfte“ haben:

  • Gut geeignet:
    • Schwimmen,
    • leichte Gymnastik,
    • Radfahren,
    • Wandern,
    • Rudern,
    • Paddeln,
    • Tanzen.
  • Bedingt geeignet:
    • Skilanglauf,
    • Golf.
  • Nicht geeignet:
    • Ballspiele,
    • Tennis,
    • alpiner Skilauf,
    • Kegeln.

Flugreisen nach einem Gelenk-Ersatz

Wenn Sie häufiger mit dem Flugzeug reisen, sollten Sie Ihren Arzt nach einer Bescheinigung fragen, die auf Ihr Implantat hinweist (Prothesen-Pass).

Verschiedene Faktoren wie Material und Anzahl Ihrer künstlichen Gelenke können gelegentlich die Metall-Detektoren der Sicherheits-Systeme am Flughafen zum Auslösen bringen.

Durch eine Kontrolle mit einem manuellen Metall-Detektor kann sich das Flughafen-Personal vergewissern, dass der Alarm von der betreffenden Körper-Region ausgelöst wird.

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