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Künstliche Bandscheiben: Die Lösung aller Probleme?

Kennen Sie einen Erwachsenen, der noch nie über Probleme mit dem Rücken geklagt hat? – Wahrscheinlich nicht.

Doch so häufig die Beschwerden auch sind, nur bei 1 von 200 Patienten steckt wirklich eine fassbare organische Ursache dahinter (z. B. Rheuma, Osteoporose, Bandscheibenvorfall oder ein Tumor). I. d. R. werden die Schmerzen durch muskuläre Verspannungen verursacht sowie u. a. durch Stress und psychische Probleme verstärkt.

Oft wird ein Vorfall der Bandscheiben als Ursache angenommen. Diese liegen wie kleine Stoßdämpfer zwischen den Wirbeln. Bei einem Vorfall wölbt sich das schwächer gewordene Gewebe vor und drückt auf die in Wirbelnähe verlaufenden Nerven.

Dennoch muss das nicht immer zu Schmerzen führen. Auch im Röntgenbild von absolut schmerzfreien Patienten zeigen sich vorgefallene Bandscheiben. Meistens werden die betroffenen Regionen durch Muskeln gestärkt. Es gibt allerdings Alarmzeichen, die tatsächlich eine Behandlung des Vorfalls notwendig machen.

In diesen Fällen ist eine Bandscheiben-OP oft unumgänglich

  • Lähmungen in den Beinen
  • Taubheitsgefühle im Intimbereich und am Oberschenkel
  • Blasenstörungen (Harnträufeln, unvollständige Entleerung)

Neben der Altersabnutzung begünstigen familiäre Veranlagung, einseitige Belastungen, Bewegungsmangel und Haltungs-Schäden einen Bandscheibenvorfall.

Jede 2. Bandscheiben-OP ist langfristig ohne Erfolg

Leider klagen etwa 50% der Patienten auch nach einer Bandscheiben-OP weiterhin über Schmerzen. Denn der Eingriff bringt die gesamte Statik der Wirbelsäule aus dem Gleichgewicht.

Der letzte Ausweg sind dann Wirbel-Versteifungen. Jährlich werden in Deutschland über 100.000 solcher Eingriffe vorgenommen. Über Metallstangen oder -platten werden 2 oder mehr Wirbel miteinander verbunden, sodass keine schmerzhaften Bewegungen zwischen ihnen mehr möglich sind. Doch danach ist die Beweglichkeit deutlich eingeschränkt. Neue Rückenprobleme sind dann vorprogrammiert.

Eine Lösung dieses Dilemmas bieten künstliche Bandscheiben. Sie ersetzen nach einer Bandscheiben-OP das herausgenommene Gewebe und können so eingestellt werden, dass sie die Wirbel in ihrem gewohnten Abstand zueinander halten. Die Idee solcher Bandscheib-Prothesen ist bereits über 30 Jahre alt. Aber erst seit wenigen Jahren gibt es so belastbare Materialien, dass sich die Technik tatsächlich zu etablieren beginnt.

Künstliche Bandscheiben werden per Schlüsselloch-Technik eingesetzt

Die Prothesen bestehen aus 2 Metallplatten, die in die benachbarten Wirbel eingesetzt werden. Dazwischen liegt eine polsternde Kunststoff-Schicht. Der Eingriff kann minimal-invasiv (per „Schlüsselloch-Technik“) vorgenommen werden und dauert ca. 2 Std. Danach müssen Sie 6 Wochen lang ein stützendes Mieder tragen und erhalten spezielle Krankengymnastik.

An der Universität München wurden 87 Patienten im Jahr 2006 mit einer künstlichen Bandscheibe nach beobachtet. Der Eingriff lag bis zu 7 Jahre zurück. Von ihnen bewerteten 78 den Therapie-Erfolg mit gut oder sehr gut, 7 waren mäßig zufrieden und nur 2 zeigten sich unzufrieden.

Noch steckt die neue Technik in den Kinderschuhen, doch die Untersuchung zeigt, dass sie eine große Zukunft hat – v. a. wenn in absehbarer Zeit noch bessere Materialien auf den Markt kommen.

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