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Bandscheibenvorfall: Behandlung ohne Messer

Wer die Diagnose „Bandscheibenvorfall“ hört, muss nicht gleich eine Operation fürchten. Viele Bandscheibenvorfälle heilen von selbst. Dazu benötigt man nur eine geeignete Therapie.

Mit der Diagnose Bandscheibenvorfall verbinden viele Menschen eine Operation und eine langwierige Behandlung in Kombination mit Bewegungseinschränkungen. In den meisten Fällen ist eine Operation nicht nötig. „Bei 80 Prozent der erkrankten Patienten kommt es innerhalb von wenigen Wochen unter einer konservativen Behandlung zu einer Schmerzreduktion.“ Dies erklärt Dr. Hans-Peter Köhler, Chefarzt der Abteilung für Neurochirurgie und Leiter des Wirbelsäulenzentrums im Asklepios-Westklinikum Hamburg.

Nur wenn neurologische Probleme wie Blasen- oder Darmstörungen vorliegen, es zu Inkontinenz kommt oder Lähmungen in Armen oder Beinen auftreten, muss man zum Skalpell greifen. Köhler: „Ferner liegt eine OP-Indikation vor, wenn die Ärzte die Schmerzen trotz Behandlung mit starken Medikamenten wie Morphin nicht in den Griff bekommen.“

Deutschland leidet unter Rückenschmerzen

Wer hat nicht mal über Rückenschmerzen geklagt? In Deutschland zählen sie zu den häufigsten Beschwerden. Im Laufe des Lebens klagen 80 Prozent der Deutschen über Stechen, Ziehen oder Drücken im Kreuz. Nicht immer steckt ein Bandscheibenvorfall dahinter, weswegen eine umfassende Diagnose wichtig erscheint. Sie besteht aus einem ausführlichen Gespräch mit anschließender Untersuchung. Sollte diese nichts Eindeutiges ergeben oder die Symptome auf einen Bandscheibenvorfall hindeuten, bedarf es einer Diagnostik durch eine Kernspin oder eine Computertomographie (CT).

„Erzielt die konservative Behandlung mit Analgetika, Wärme und Physiotherapie keine Schmerzlinderung, erfolgt eine CT-gesteuerte periradikuläre Therapie“, erklärt der Wirbelsäulenspezialist weiter. Die Erfolgsrate dieser Behandlungsmethode liegt bei über 84 Prozent. Bei einer periradikulären Therapie (PRT) spritzt der Arzt die Medikamente direkt in die Bandscheiben. Diese Behandlung erfolgt ambulant unter einer kurzen örtlichen Betäubung im Computertomographen.

Behandlungsmöglichkeiten

In den meisten Fällen spritzt man eine Mischung aus einem stark wirkenden entzündungshemmenden Medikament (in der Regel Cortison) und einem lokalen Betäubungsmittel. Dies dauert zwischen fünf und zehn Minuten. Meistens braucht der Patient bis zu drei Behandlungen im Abstand von einer Woche. Eine Besserung tritt bei den meisten Patienten nach wenigen Tagen auf. Die PRT stellt eine Regelleistung von allen gesetzlichen Krankenkassen und privaten Krankenversicherungen dar.

„Kommt es hierunter zu keiner Besserung, erfolgt eine Operation. Diese bespricht der Arzt natürlich vorher, wie auch die Vorbehandlung, ausführlich mit dem Patienten“, so Köhler. Im Standardverfahren führt man einen Bandscheibenvorfall in einer Operation unter mikroskopischer Kontrolle. Eine neue Methode, die endoskopische Operation, macht den Eingriff noch sanfter.

Die sanfte Methode

Köhler: „Mit dem Endoskop geht man direkt an den Bandscheibenvorfall heran und kann unter Sicht diesen entfernen. Der Schnitt ist nur zirka fünf Millimeter lang und man kann den Patienten nach der Operation viel schneller mobilisieren.“ Als wesentlicher Vorteil gilt der geringere Wundschmerz, da die Wunde viel kleiner ist als bei der herkömmlichen OP-Methode. Der Patient kann nach vier Tagen die Klinik verlassen und sich schneller in den Alltags- und Arbeitsprozess integrieren.

Wer an einem Bandscheibenvorfall leidet, braucht Bewegung nicht zu scheuen. Patienten können nach ihrer Rehabilitation an Sport denken. Schonende Bewegung tut gut und entlastet die Bandscheiben. Vorausgesetzt, man geht einer geeigneten Sportart nach. Wassergymnastik eignet sich, da das Wasser tragend auf den Körper wirkt. Darüber hinaus stellen Schwimmen, Nordic Walking oder Wandern ideale Sportarten dar.

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