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Nahrungsergänzungsmittel und Vitamine: Wirkung bei Arthrose

Orthopäden unterscheiden bei der Behandlung von Gelenkschmerzen zwischen entzündeten und nichtentzündeten Gelenken. Liegt eine Entzündung in einem oder mehreren Gelenken vor, ist es wichtig, sie zu reduzieren, um ein schnelles Fortschreiten der Arthrose zu verhindern.

Zum Einsatz kommen hier „nicht-steroidale Antirheumatika“ (NSAR) wie Diclofenac, Ibuprofen oder auch Coxibe. Diese Medikamente lindern Beschwerden, heilen die Arthrose aber nicht.

Nahrungsergänzungsmittel im Test

Viele Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln versprechen hingegen, dass ihre Produkte den Knorpel-Stoffwechsel regulieren, Schmerzen in den Gelenken lindern und/oder einemVerschleiß vorbeugen.

Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) hat allerdings bereits darauf hingewiesen, dass diese angeblichen Wirkungen in Studien nur in geringem Maße belegt sind.

Nicht ausreichend nachgewiesen sei die Wirkung für Nahrungsergänzungsmittel wie:

  • Chondroitinsulfat,
  • Muschelextrakte,
  • acetyliertes Hydroxyprolin (Oxaceprol),
  • Heilpflanzen,
  • homöopathische Mittel
  • oder Gele, Salben, Cremes und Sprays.

Lediglich bei Glucosamin sei die Datenlage etwas besser. Hier gebe es in den aktuellen Leitlinien der Osteoarthritis Research Society International (OAR-SI) eine zurückhaltende Empfehlung (positive Berichte bei wenigen, negative bei vielen Anwendern).

Generell empfiehlt sich Vorsicht  bei den Werbeversprechen von Nahrungsergänzungsmitteln, denn:

Rechtlich gesehen handelt es sich hierbei nicht umMedikamente, sondern umLebensmittel. Im Gegensatz zu Arzneimitteln durchlaufen sie kein Zulassungs-Verfahren, bei dem die Wirksamkeit und die Unschädlichkeit geprüft werden. Sie dienen dazu, Ihre Ernährung zu ergänzen, sind aber keinesfalls zur Vorbeugung, Heilung oder Linderung von Krankheiten bestimmt.

Wie Vitamine D, E und Niacin Ihre Beweglichkeit fördern

Viele Studien zeigen allerdings, dass Sie mit der Zufuhr dieser Vitamine auch Schmerzmittel einsparen können. Eine gesunde Ernährung ist die Grundlage für einen gesunden Körper.

Haut und Haaren können Sie leicht ansehen, ob ein Mensch gut ernährt ist; dem im Körperinneren verborgenen Gelenkknorpel nicht. Dennoch leidet auch er unter einer zu geringen Zufuhr an Vitaminen und Mineralstoffen.

Spezielle Ernährungs-Empfehlungen, wie z. B. bei Diabetes oder Herzkrankheiten gibt es bei der Arthrose nicht. Sie sollten lediglich die Grundlagen einer gesunden Ernährungsweise beachten:

  • Viele Vollkorn-Produkte,
  • mindestens 5x pro Tag Obst und Gemüse,
  • nicht öfter als 2x wöchentlich Fleisch,
  • wenig tierische Fette
  • und mindestens 1,5 bis 2 l Flüssigkeit pro Tag.

Wichtig für den Gelenkschutz ist jedoch auf jeden Fall, Übergewicht abzubauen. Denn überschüssige Pfunde belasten v. a. Knie, Hüfte und Sprunggelenke unnötig.

Vitamin-D-Mangel lässt Arthrose schneller voranschreiten

Neben den allgemeinen Ernährungs-Richtlinien gibt es aber noch eine Reihe von einzelnen Vitaminen und Mineralstoffen, die besonders für die Stabilität des Knorpels verantwortlich sind. Ein Mangel kann daher den Krankheitsverlauf negativ beeinflussen.

So fanden Forscher an der Universität Boston (USA) im Rahmen einer großen Studie, in die alle Bewohner der Kleinstadt Framingham einbezogen waren, heraus, dass ein Vitamin-D-Mangel die Arthrose beschleunigen kann.

Sie beobachteten 556 Arthrose-Patienten über einen Zeitraum von 2 Jahren. Dabei zeigte sich, dass ein Vitamin-D-Mangel die Wahrscheinlichkeit für ein Voranschreiten der Erkrankung um den Faktor 3 erhöht.

Vitamin D  gilt allgemein als Vitamin für die Knochen. Es schützt vor Knochenschwund (Osteoporose) und Knochen-Erweichung (Rachitis). Die Forscher vermuten, dass ein Mangel auch die Regenerations-Fähigkeit des Knorpels behindert.

Das Vitamin wird unter Einfluss des Sonnenlichts in der Haut gebildet. Nutzen Sie daher als Arthrose-Patient besonders in der dunklen Jahreszeit jeden Sonnenstrahl zu einem längeren Spaziergang. Über die Nahrung nehmen Sie das Vitamin übrigens v. a. durch den Verzehr von Fisch auf.

Vitamin E wirkt ähnlich effektiv wie Schmerzmittel

Vitamin E ist nicht nur ein wichtiger Schutzfaktor (Antioxidans) gegen aggressive Sauerstoff-Radikale, sondern es hemmt auch die Synthese von entzündungsfördernden Botenstoffen im Körper (u. a. Prostaglandine).

In verschiedenen Studien konnte diese Wirkung belegt werden, etwa von Wissenschaftlern am Ludwig-Boltzmann-Institut für Rheumatologie in Baden, Österreich. Sie behandelten 53 Patienten mit Arthrose in Hüfte oder Knie entweder mit Diclofenac (3x 50 g täglich) oder Vitamin E (3x 600 I. E. täglich).

Nach 3 Wochen zeigten sich keine Unterschiede in den Therapie-Gruppen: Die Schmerzen waren zurückgegangen und die schmerzfreie Gehstrecke nahm zu.

Andere Studien deuten darauf hin, dass durch die Gabe von Vitamin E bis zu 50% weniger NSAR benötigt wird, um die Arthrose-Schmerzen in den Griff zu bekommen.

So hohe Vitamin-E-Mengen wie in den Studien können Sie mit der Nahrung nicht aufnehmen. Für den schmerzlindernden Effekt müssen Sie daher auf Präparate zurückgreifen.

Nebenwirkungen sind unterhalb von Tagesdosen von 3.000 I. E. nicht zu erwarten.

Mit Niacin lindern Sie die Schmerzen im Kniegelenk

Gute Erfolge gegen Arthrose (v. a. im Kniegelenk) werden schon seit Mitte des 20. Jahrhunderts mit hohen Dosen des Vitamins Niacin.

Niacin gehört zur Gruppe der B-Vitamine und ist ein Sammelbegriff für mehrere Substanzen, die u. a. an der Synthese von Eiweiß-Stoffen beteiligt sind. Hoch dosiert wird es z. B. auch zur Senkung der Blutfette eingesetzt.

Diese Beispiele zeigen, dass Sie mit der Einnahme von Vitamin-Präparaten die Therapie einer Arthrose gut unterstützen können.

Empfohlene tägliche Vitalstoff-Zufuhr bei Arthrose

  • Kalzium: 500 bis 1.000 mg
  • Magnesium: 150 bis 300 mg
  • Vitamin C: 100 bis 500 mg
  • Vitamin D: 200 bis 1.000 I. E.*
  • Vitamin E: 400 bis 1.200 I. E.*

*I. E. = Internationale Einheiten

Wichtig: Sie sollten jedoch niemals selbständig ärztlich verordnete Medikamente absetzen. Bitte informieren Sie auch Ihren Therapeuten darüber, wenn Sie zusätzlich Vitamine einnehmen, damit er Wechselwirkungen mit Medikamenten ausschließen kann.

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Prof. DHfPG Dr. Thomas Wessinghage
Über den Autor Prof. (DHfPG) Dr. Thomas Wessinghage

Prof. (DHfPG) Dr. Thomas Wessinghage ist Prorektor für Hochschulentwicklung und Transfer an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement in […]

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Alte Kommentare
  • Annemarie Wilhelm schrieb am 25.06.2015, 10:54 Uhr

    Dies ist ein typischer schulmedizinischer Ansatz zu diesem Thema. Mittlerweile wissen doch auch die Laien, wie gefährlich NRSA sind und aus eigener Erfahrung weiß ich, daß man die antientzündliche Wirkung dieser Präparate mit Erfolg durch antientzündlich wirkende Präparate aus dem Bereich der Nahrungsergänzungsmittel ersetzen kann. Mit umwerfender Wirkung.Hier sollten Sie sicher mal das Gespräch mit einem alternativ geschulten Fachmann suchen.Evt. wäre ein Austausch mit Frau Rossbach eine Alternative.