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Kniegelenk-Arthrose: Schon zwei Spezialpflaster befreien Sie von langjährigen Schmerzen

von Inga-Maria Riechberg, Chefredakteurin von "Natur und Gesundheit", dem Dienst, der Ihnen hilft, vorzubeugen, zu heilen und gesund zu bleiben – mit den Kräften der Natur

Die Fußballfreunde unter Ihnen haben sich wahrscheinlich schon gewundert: Immer mehr Spieler der Fußball-Bundesliga tragen merkwürdige bunte Pflasterstreifen an ihren Knien. „Kinesio-Taping“ nennt sich diese neue Bandagemethode, die aus Japan stammt. Was gestresste Sportlergelenke bei der Regeneration unterstützt, kann auch die Schmerzen infolge der weit verbreiteten Kniegelenk-Arthrose lindern und das kranke Gelenk entlasten. Dazu stellen wir Ihnen hier zwei verschiedene neue „Taping-Techniken“ vor und zeigen Ihnen, wie Sie deren Wirkung durch die Einnahme von einfacher Speisegelatine unterstützen.

Eine Entdeckung von Sportmedizinern

Das Stabilisieren von überdehnten oder angerissenen Bändern und Sehnen mittels so genannter Tapes wurde von Sportmedizinern entwickelt, um ihren Patienten die schweren Gipsverbände zu ersparen. Bei den klassischen Tapes (engl.: Klebestreifen) handelt es sich um sehr fest gewirkte, selbstklebende Baumwollstreifen. Sie eignen sich hervorragend, um verletzte Gelenke zu stabilisieren und damit Schmerzen zu lindern.

Spezialpflaster wirken auch bei Kniegelenk-Arthrose

Dass die Gelenkstabilisierung mittels der Spezialpflaster auch bei einer Arthrose funktioniert, bewies ein Forscherteam der australischen Universität Melbourne unter der Leitung von Dr. Rana S. Hinman anhand einer Studie, die im Sommer 2003 im British Medical Journal veröffentlicht wurde und sofort international für Furore sorgte. An dieser Studie nahmen 87 Patienten über 50 Jahren teil, die seit Jahren an einer entzündeten Kniegelenk-Arthrose (Gonarthritis) litten. Die Probanden wurden in drei gleich große Gruppen aufgeteilt: Die erste Gruppe erhielt ein spezielles festes Knie-Taping ober- und unterhalb der Kniescheibe zur Fixierung der Kniescheibe, die zweite Gruppe wurde mit einem Placebo-Pflaster versorgt und die dritte Gruppe wurde überhaupt nicht behandelt. Die Studie dauerte drei Wochen; dabei wurden die Pflaster wöchentlich erneuert.

Drei Wochen „Taping“ bringt anhaltende Schmerzlinderung

Die Ergebnisse verblüfften sogar die Forscher: In der Taping-Gruppe hatten am Ende der Behandlungsphase 73 % der Patienten weniger Schmerzen gegenüber 49 % in der Placebogruppe und 10 % in der Kontrollgruppe. Dabei war der bewegungsabhängige Schmerz durch das Taping von durchschnittlich 6 Punkten (Skala 0 bis 10) auf 4 Punkte gesunken. In der Kontrollgruppe blieb er dagegen konstant bei 6 Punkten. Auch die Beweglichkeit hatte sich in der ersten Gruppe deutlich gebessert. Beide Effekte hielten auch noch drei Wochen nach der Behandlung an. Diese Taping-Methode können Sie gut selbst zu Hause anwenden. Lassen Sie sich aber das korrekte Anlegen der Pflasterstreifen (aus der Apotheke) beim ersten Mal von Ihrem Physiotherapeuten zeigen.

„Kinesio-Taping“ regt zusätzlich den Lymphfluss an

Im Gegensatz zum Taping nach Dr. Hinman werden beim Kinesio-Taping, das von dem japanischen Chiropraktiker Dr. Kenzo Kase vor über 30 Jahren entwickelt wurde, spezielle elastische Pflaster verwendet. Die verschiedenen Farben der Pflaster geben die jeweilige Zugkraft der Bandage an. Durch ganz bestimmte Klebetechniken lassen sich Muskeln, Sehnen und Bänder entspannen, sodass sich die Durchblutung und der gestörte Gewebestoffwechsel des kranken Gelenks wieder normalisieren können. Außerdem führt das Kinesio-Taping (Kinesio = griech.: Bewegung) zu einer Anregung des Lymphabflusses und verhindert damit Schwellungen. Das alles reduziert die Schmerzen – der Patient kann sein Knie wieder besser bewegen. Wissenschaftliche Studien über die Wirksamkeit des Kinesio-Tapings liegen derzeit noch nicht vor, sind jedoch in Arbeit. Wenn Sie sich für diese Methode interessieren, fragen Sie am besten bei Sportmedizinern bzw. Sportphysiologen in Ihrer Nähe nach, denn diese beiden Berufsgruppen wenden das Verfahren am häufigsten an.

Auch überbreite Elastikbinden können Ihnen helfen

Elastische Kniebinden sind das klassische Verfahren zur Stabilisierung eines arthrotischen Kniegelenks und damit zur Schmerzlinderung. Noch besser hilft diese Bandage, wenn die Binden eine Nummer größer gewählt werden als eigentlich nötig. Das hat eine Studie der britischen Universität Nottingham an 68 Patienten mit Kniegelenk-Arthrose ergeben, die die Fachzeitschrift "Annals of the Rheumatic Diseases" im Jahr 2002 veröffentlichte. Wie der Leiter der Studie, Professor Michael Doherty, erläuterte, gewöhnen sich die schmerzmindernden Rezeptoren der Haut schnell an gleichmäßigen Druck, wie er von den passenden Binden erzeugt wird, und stumpfen ab. Werden dagegen etwas breitere Binden verwendet, sitzt ihr Rand geringfügig lockerer (bei ansonsten gleich fester Wickelung). Dieser ungleichmäßige Druck reicht aber aus, um die Rezeptoren immer wieder neu zu stimulieren, sodass die Schmerzlinderung anhält. In der Studie wurden elastische Binden zwischen 7,5 und 12,5 cm Breite benutzt.

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