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Hilfe bei Arthrose und Kreuzbandriss: Neue Wege zum gesunden Knie

Die klassischen Knieoperationen sind nicht besonders angenehm: Es dauert lange, bis Sie wieder wirklich fit sind und Sport treiben können. Zudem kann durch Operationen, wie sie in der Vergangenheit üblich waren, das Arthrose-Risiko deutlich ansteigen. Aber neue Methoden versprechen nicht nur eine problemlosere Heilung. Sie sind damit auch schneller wieder fit, und Ihr Knie behält seine Beweglichkeit. Ich zeige Ihnen, welche Möglichkeiten der Behandlung es heute gibt – und wie Sie Ihre Knie vorbeugend stärken können.

Arthrose bzw. Schmerzen im Knie© Sebastian Kaulitzki - Fotolia

In den letzen 15 Jahren ist die Zahl der Gelenkerkrankungen – und besonders die der Kniegelenke – auf das Dreifache angestiegen. Vor allem Arthrosen im Kniegelenk treten immer häufiger auf. Jeder vierte Deutsche über 55 Jahre kennt nur wenige Tage im Monat, an denen er nicht unter Knieschmerzen leidet. Bei fast 70 % der Frauen und 50 % der Männer über 65 Jahre lassen sich auf Röntgenbildern Anzeichen für Kniearthrosen finden.

Sport ohne ausreichenden Muskelaufbau schadet Ihrem Knie

Ob Sie es glauben oder nicht: Die Fußball-WM im letzten Jahr hat nicht nur die passive Begeisterung für den Fußball neu geweckt. Sie hat auch viele Menschen angeregt, selbst wieder gegen das runde Leder zu treten, unabhängig von Fitness und Alter. Leider wird der Muskelaufbau, vor allem im Knie, vernachlässigt – schnell kommt es dann bei so einem „spontanen“ Sportbeginn zu gravierenden Knieverletzungen. Gerade beim Fußball, Skifahren auf Kunstschnee und bei Hallensportarten nehmen sie zu.

Operationen werden heute seltener durchgeführt

Bei vielen Knieverletzungen wird heute nicht mehr sofort operiert. Denn die Ärzte wissen mittlerweile, dass eine Operation am Knie nicht folgenlos bleibt. So bildet sich bei 80 % der Patienten, denen der Meniskus operativ entfernt wurde, innerhalb von zehn Jahren eine Arthrose im Knie. Auch Gelenkspiegelungen und die endoskopische Knorpelglättung („Gelenktoilette“) werden heute zum Glück nicht mehr so durchgeführt. Mithilfe einer Kombination aus Röntgen, Ultraschall und Kernspintomografie können Ärzte jede Verletzung auch ohne Spiegelung aufspüren und erkennen.

Neue Behandlungsmethoden für Ihr Knie

  • Meniskusschaden. Schon ein harmloses Umknicken kann reichen, um den Meniskus deutlich zu schädigen. Früher wurde in jedem Fall sofort operiert. Der Meniskus, eine sichelförmige Knorpelscheibe, wurde entfernt, lange Bettruhe schloss sich an. Heute aber hat die Wissenschaft erkannt, wie wichtig die Menisken für Ihren Körper sind. Sie brauchen diese, um enorme Druckbelastungen, die durch Stöße auf Ihrem Körper wirken, abzufedern.  Daher haben sich immer mehr alternative Methoden der Meniskusbehandlung durchgesetzt. In Sportkliniken wird versucht, die Menisken zu erhalten. Sind instabileTeile vorhanden, werden nur diese abgeschnitten. Risse in Menisken können heute genäht werden. Sind die Menisken komplett verschlissen, gibt es die Möglichkeit, ähnlich wie bei einer Organtransplantation, auch den Meniskus zu transplantieren. Leider sind intakte Menisken Mangelware – sie müssen darüber hinaus auch in Form und Größe passen. In vielen Fällen wird der transplantierte Meniskus vom Körper wieder abgestoßen. In solchen Fällen bietet sich der Einsatz von künstlichen Menisken an. Sie bestehen aus Kollagenfasern vom Rind. Der künstliche Ersatz wird an den Rest des menschlichen Meniskus angeheftet. Dann werden körpereigene Knorpelzellen auf dem neuen Stoßdämpfer angesiedelt. Die Therapie hat allerdings auch ihre Nachteile. Der Meniskus aus Rinderkollagen kann im Körper schon beim Einnähen zerbrechen. Auch verträgt er keine großen Belastungen. Ganz neu sind Versuche mit Plastik-Menisken. Diese sind halt- und auch belastbarer. Sie werden in den nächsten Jahren in einigen Kniezentren getestet, z. B. in Bern in der Schweiz.
  • Gelenkschäden. Diese kann Ihr Körper nicht selbst regenerieren. Nur solange Sie sich im Wachstum befinden, vermehren sich die Knorpelzellen. Ab Anfang 20 ist in der Regel das Wachstum abgeschlossen, und diese Zellen teilen sich nicht mehr. Stattdessen beginnt der Alterungsprozess Ihres Gelenks in Abhängigkeit von seiner Belastung: Strapazieren Sie Ihre Knie stark, zum Beispiel durch häufiges Squash-Spielen oder Übergewicht, dann schreitet auch der Alterungsprozess rascher voran. Auch mangelnde Bewegung tut ihr Übriges zu den Gelenkschäden. Nur durch ausreichende und ausgewogene Belastung nämlich gelangen Nährstoffe ins Gelenk und zu den Knorpeln. Bewegen Sie sich kaum, wird das Gelenk unterversorgt. Eine der klassischen Behandlungsarten bei beschädigten Gelenken ist das Spritzen von Gleitmittel, der so genannten Hyaluronsäure. Sie kann den Reizzustand im Gelenk für Monate, in günstigsten Fällen sogar über Jahre hinweg stoppen. Die Kosten für die fünf Spritzen liegen bei rund 3.000 Euro und werden in bestimmten Fällen von der Kasse übernommen. Die Therapie mit Spritzen wird von Orthopäden ausgeführt. Aber nicht immer ist diese Behandlung erfolgreich. Früher wurde dann schnell operiert. Per Arthroskopie wurde der Knorpel poliert. Zwar fühlten sich die Patienten zunächst einmal besser. Eine Studie aus dem Jahr 2002, an der 180 Menschen teilnahmen, zeigte aber, dass dies nur ein subjektives Gefühl war. Die Hälfte der Teilnehmer erhielt die Glättung, die andere Hälfte nur einen Hautschnitt. Das Ergebnis: Beide Patientengruppen fühlten sich nach der Operation gleich gut. Heute arbeiten die Chirurgen häufig mit dem Blut des Patienten. Im Labor können hieraus Knorpelzellen gewonnen und vermehrt werden. Diese werden dann an die beschädigte Stelle implantiert. Nachteil: Die Behandlung verlangt viel Geduld – es dauert rund ein Vierteljahr, bis ein Schaden, groß wie eine 2-Euro-Münze, aufgefüllt ist.
  • Kreuzbandrisse. Sie treten auf, wenn das Bein stehenbleibt, der Körper sich aber weiterdreht. Dadurch reißt das Band. Kreuzbandrisse sind typische Sportlerverletzungen, die bei Sportarten mit abrupten Bewegungsänderungen auftreten. Gefährdet sind zum Beispiel Fußball- oder Tennisspieler. Sind die seitlichen Sehnen oder das hintere Kreuzband gerissen, ist eine Operation oft nicht notwendig. Diese Verletzungen heilen fast immer von selbst aus. Eine Verletzung des vorderen Kreuzbandes dagegen muss meist operiert werden. Früher wurden dazu Körpersehnen verwendet, die mit Titanschrauben an beiden Enden befestigt wurden. Das betroffene Bein wurde bis zu zwölf Wochen im Gipsverband ruhiggestellt. So dauerte es teilweise Jahre, bis die alte Bewegungsfähigkeit wiederhergestellt war. Heute wird dagegen sehr häufig ein künstliches Kreuzband geschaffen, das dem natürlichen sehr ähnlich ist. Dazu wird eine Ersatzsehne aus der Kniebeuge angenäht. Diese ermöglicht auch die Drehbewegungen eines gesunden Knies. Bei 15 % der Patienten ist auch die so genannte „Healing Response“ eine Möglichkeit, das abgerissene Kreuzband zu behandeln. Hierfür wird der Knochen an der Stelle aufgeraut, an der vorher das Kreuzband saß. Dann wird das Bein geschient. So können Knochen und Sehne wieder zusammenwachsen. Die Erfolgsquote dieses knieschonenden Eingriffs liegt bei 75 %. Die Patienten können dann deutlich früher als nach einer normalen Operation das Knie wieder belasten.

Nach der Operation: So wird Ihr Knie schnell wieder fit

Vielleicht fragen Sie sich manchmal, warum Profisportler so schnell wieder ihrer Sportart nachgehen können, wenn sie am Knie operiert wurden. „Jaja, die bekommen eben eine bessere Behandlung“ – dieses Argument höre ich oft. Und ich lasse es nicht gelten. Wenn Sie sechs Wochen nach einer Knieoperation wieder auf Ihrem Bürostuhl sitzen, haben Sie bereits das Gefühl, dass Sie wieder Ihre frühere Beweglichkeit haben.

Sportler dagegen gehen auch nach diesen sechs Wochen weiter zur Reha, machen Physiotherapie und Wassergymnastik. Würden Sie selbst auch nur einfache Knieübungen machen, könnten Sie damit Ihre Kniegesundheit schneller und besser vorantreiben sowie einer weiteren Verletzung vorbeugen. Ich möchte Ihnen hier drei kniestärkende Übungen zeigen, die Sie sowohl nach einer Operation als auch prophylaktisch durchführen können.

  1. Für Kraft und Geschicklichkeit. Balancieren Sie auf dem halben Fuß. Laufen Sie zum Beispiel auf einer Bordsteinkante oder auf dem Rand einer flachen Stufe. Ähnlich gut fürs Knie ist es, wenn Sie auf einem Trampolin hüpfen oder auf einem Bein Zähne putzen.
  2. Gegen dicke Gelenke. Merken Sie, dass Sie Ihre Knie so überanstrengt haben, dass sie anschwellen, legen Sie die Beine hoch. Legen Sie sich zum Beispiel auf den Boden und Ihre Beine aufs Sofa. Ziehen Sie die Fußspitzen abwechselnd zum Körper. So aktivieren Sie die Muskelpumpe, die gestaute Lymphflüssigkeit aus dem Knie abtransportiert.
  3. Für den gesunden Knorpel. Wenn Sie Skischuhe zu Hause stehen haben – ziehen Sie diese an. Ersatzweise tun es auch Gewichtsmanschetten, die Sie in der Sportabteilung kaufen können und die Sie sich um Ihre Fußknöchel schnallen. Setzen Sie sich dann auf einen Tisch und lassen Sie einfach ein paar Minuten lang Ihre Beine baumeln.
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Dr. Michael Spitzbart
Über den Autor Dr. med. Michael Spitzbart

Dies ist das Profil von Dr. med. Michael Spitzbart, dem Chefredakteur von "Dr. Spitzbart´s Gesundheits-Praxis". Hier gibt‘s alle Infos.

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