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Sprunggelenksschmerzen durch Arthrose und Therapien

Der Knöchelbruch vor 20 Jahren beim Tennisspielen gehörte zu den schmerzhaftesten Erfahrungen Ihres Lebens. Damals wussten Sie nicht, dass der Bruch noch Jahre später zu Schmerzen führen würde – nur, dass es dieses Mal eine Arthrose im Sprunggelenk ist.

Wie Sie wieder auf die Füße kommen

Knöchelverletzungen, vor allem Brüche, sind die häufigsten Auslöser für die spätere Ausbildung einer Arthrose im Sprunggelenk. Obwohl Sie vergangene Verletzungen nicht mehr ändern können, gibt es eine Reihe von Behandlungen einschließlich neuerer Sprunggelenkprothesen, die die Schmerzen lindern und Ihnen wieder ein aktives Leben ermöglichen. 

Ihr Sprunggelenk leistet Knochenarbeit

Bei jedem Schritt tragen Ihre Sprunggelenke etwa Ihr 5-faches Körpergewicht pro Quadratzentimeter. Damit ist der Druck auf dieses Gelenk größer als bei allen anderen Gelenken Ihres Körpers. Wenn Sie joggen oder springen, wird diese Belastung sogar noch größer. Außerdem ist Ihr Sprunggelenk anfälliger für Verletzungen als andere Gelenke. Häufig handelt es sich nur um eine Verstauchung, es kann aber auch zu schwer wiegenderen Verletzungen kommen.

Trotz der fortlaufenden, lebenslangen Belastung ist das Sprunggelenk meist sehr ausdauernd. Es ist viel seltener von einer Arthrose betroffen als andere Gelenke, zum Beispiel Hüfte oder Knie.

Knorpelschäden sind Kennzeichen einer Arthrose

Knorpelschäden gehören zu den Hauptkennzeichen einer Arthrose. Hierunter versteht man eine Gelenkerkrankung, die durch die verschiedens- ten Faktoren ausgelöst werden kann. Zu den wichtigsten Kategorien einer Arthrose, die das Sprunggelenk betreffen, zählen:

Posttraumatische Osteoarthrose –Diese Form entwickelt sich typischerweise nach einem Knöchelbruch oder manchmal nach starken Verstauchungen im Gelenk. Gelegentlich kann sie auch ohne vorhergehende Verletzung auftreten. Die posttraumatische Osteoarthrose ist für die meisten Fälle der Sprunggelenkarthrose verantwortlich.

Sie bildet sich nach einem Knöchelbruch aus, wenn der Knorpel beschädigt ist. Die Arthrose bedingten Probleme können innerhalb von Monaten nach der Verletzung auftreten, oder es vergehen Jahre, bevor Sie etwas bemerken.

Rheumatoide Arthritis –Diese Form liegt bei 10% bis 15% der Fälle von Sprunggelenkarthrose vor. Bei der Rheumatoiden Arthritis attackiert das Immunsystem die Gelenkhaut, wodurch eine Kaskade in Gang gesetzt wird, die zur Zerstörung des Gelenks führen kann.

Konservative Behandlungen kommen vor der Operation

Das Ziel konservativer Behandlungen ist die Linderung der Gelenkschmerzen und die Hinauszögerung eines operativen Eingriffes. Das kann durch verschiedene Maßnahmen erreicht werden, wie eine Änderung Ihrer Aktivitäten, Abnehmen bei Übergewicht und die Einnahme von Medikamenten gegen Schmerzen und Entzündungen. Zusätzliche Maßnahmen können beinhalten:

Orthesen –Diese Stützvorrichtungen stabilisieren Ihr Sprunggelenk im richtigen Winkel, damit keine Schmerzen durch Gelenkbewegungen entstehen. Sie sind als Maßanfertigung oder als vorgefertigte Artikel erhältlich, und bestehen entweder aus synthetischem Material oder dickem Leder. Die meisten Orthesen sind elastisch und teilweise mit Schnüren oder Klettlaschen ausgestattet. Gelegentlich ist auch zur Stabilisierung eine harte Plastikschale eingearbeitet. Obwohl Orthesen manchmal etwas klobig wirken, sind sie die wirksamste, nichtoperative Methode zur Schmerzlinderung bei Sprunggelenkarthrose.

Spezialschuhe – Alleine angewendet, können diese schon die Knöchelbewegung beim Laufen auf ein Minimum reduzieren. In Kombination mit einer Orthese oder nach einer operativen Gelenkversteifung kompensieren die Spezialschuhe die verlorene Gelenkbewegung und erleichtern das Gehen.

Schuheinlagen – Orthopädische Schuheinlagen können den Arthroseschmerz lindern, der durch eine Schiefstellung des Sprunggelenks verursacht wird, indem das Gelenk in eine ausgeglichenere Position bewegt wird.

Wie Sie die passende chirurgische Option auswählen

Je nach Form der Arthrose gibt es eine Reihe chirurgischer Optionen zur Behandlung der Schmerzen, die sich mit konservativen Methoden allein nicht in den Griff bekommen lassen. Es gibt aber keinen Königsweg, der jedem gleichermaßen hilft.

Welche Methode am besten für Ihr Sprunggelenkproblem und Ihren Lebensstil ist, entscheidet sich erst durch vorsichtiges Abwägen der Vor- und Nachteile jeder Therapieoption. Bei leichteren Arthroseformen bieten sich folgende Optionen an:

Säuberung des Gelenks – Die Entfernung von Knorpelteilen oder knöchernen Auswüchsen, die die Beweglichkeit des Gelenks beeinträchtigen, kann die Schmerzen lindern und möglicherweise die Notwendigkeit für weiter gehende Operationen hinauszögern. Das Verfahren bedient sich entweder eines Arthroskops, einem dünnen Rohr, das über einen kleinen Einschnitt in Ihr Gelenk eingeführt wird. Wenn die Operation nicht minimal-invasiv erfolgt, kann auch das Gelenk freigelegt werden.

Knorpeltransplantation – Für Menschen mit nur kleinen Knorpelschäden im Sprunggelenk eignet sich ein Ersatz der betroffenen Stelle mit einem gesunden Stück Knorpel aus dem Knie oder von einem verstorbenen Spender.

Bei weiter fortgeschrittenen Arthroseformen kommen folgende Operationen infrage:

Wiederausrichtung des Gelenks – Durch eine Fehlstellung des Sprunggelenks können die Kräfte nur ungleichmäßig aufgefangen werden, sodass sich das Gelenk an einigen Stellen schneller abnutzt.

Bei einem Verfahren mit dem Namen Osteotomie wird ein Beinknochen durchtrennt und anschließend das Sprunggelenk neu ausgerichtet, damit dieser an den gesunden Knorpelstellen belastet wird.

Gelenkversteifung (Arthrodese) – In der Vergangenheit galt diese Methode als Goldstandard für die Behandlung einer schweren, schmerzhaften Sprunggelenkarthrose. Dabei werden Schienbein und Sprunggelenk fest miteinander verbunden, indem Schrauben, Stifte oder Platten eingesetzt werden. Mit der Zeit verwachsen die Knochen miteinander.

Obwohl Sie kein bewegliches Sprunggelenk mehr haben, kompensieren die Gelenke um das Sprunggelenk herum diesen Verlust, und ermöglichen etwa die Hälfte der ursprünglichen Gelenkigkeit. Die meist sehr erfolgreiche Operation führt dazu, dass die Schmerzen beseitigt werden und das Sprunggelenk besser ausgerichtet ist.

Erfolgreiche Operation ohne erkennbares Hinken

Die meisten Menschen können nach dem Eingriff besser und ohne erkennbares Hinken gehen. Ein großer Nachteil der Operation ist die zusätzliche Belastung der Gelenke in unmittelbarer Nachbarschaft zum Sprunggelenk, da diese Gelenke dadurch auch eine Arthrose entwickeln können.

Gelenkersatz – Erst in den letzten Jahren wurden Kunstgelenke verfügbar, die sich als Endoprothese zu einer funktionsfähigen Alternative zur Gelenkversteifung entwickelt haben. Trotzdem sind die Sprunggelenkersatzoperationen meist nicht so erfolgreich wie bei Hüfte und Knie. Hinzu kommt, dass die Operation sehr kompliziert ist und besondere Sorgfalt erfordert.

Wann eine Sprunggelenkprothese zu empfehlen ist

Ein Gelenkersatz ist Erfolg versprechend, wenn Sie über 55 Jahre alt sind, ein normales Gewicht halten können, überwiegend sitzende Tätigkeiten verrichten, einen gemäßigten Lebensstil haben und sich ausgewogen ernähren. Er ist dagegen nicht empfehlenswert bei schwerem Diabetes, bei offenen Stellen am Fuß oder geschädigten Nerven (Neuropathie), bei dünner oder vernarbter Haut, oder wenn Ihre Knochen nicht mehr richtig durchblutet werden.

In den USA haben nur 2 Sprunggelenkprothesen die Zulassung der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA erhalten: die Agility- und Topez-Prothesen. Eine 5-Jahres-Studie mit 100 Teilnehmern, die die Agility-Prothese erhalten hatten, zeigte, dass etwa 55% keine Schmerzen mehr hatten und über eine gute Fußbeweglichkeit verfügten.

Etwa 6% der Agility-Gruppe musste nachoperiert werden, um den Gelenkersatz zu korrigieren. Die Topez-Prothese ist erst seit kurzem erhältlich, sodass noch keine Langzeitdaten vorliegen.

Gelenkersatz hat sich in Deutschland bewährt

Eine dritte Prothese, die Scandinavian Total Ankle Replacement (STAR, Skandinavischer Totalgelenkersatz), liegt der FDA derzeit zur Prüfung vor. In Europa wird diese Prothese seit 10 Jahren eingesetzt, und weltweit sind etwa 10.000 Stück implantiert worden. Europäische Studien haben gezeigt, dass nur etwa 10% der implantierten STAR innerhalb der ersten 2 Jahre nach der Operation versagen. Danach kommt es zu weniger Versagen.

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