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Entzündliche Wirbelsäulen-Arthritis: Rückenschmerzen der besonderen Art

von unseren Experten des Mayo Clinic Gesundheits-Brief, dem Dienst, der Ihnen verlässliche Informationen für Ihre Gesundheit direkt aus der Mayo Clinic bringt

Wirbelsäulen-Arthritis: Seit Jahren leiden Sie unter einer arthritisartigen Wirbelsäulenerkrankung. Jetzt erhalten Sie die Nachricht, dass Ihr Sohn von der gleichen Erkrankung betroffen ist. Diese gehört zu einer Gruppe von Erkrankungen, die Spondylarthropathien (Leiden der kleinen Wirbelgelenke) genannt wird. Mithilfe von Bewegungsübungen und ärztlicher Behandlung können Sie diese chronische, entzündliche Rückenerkrankung in den Griff bekommen.

Wirbelsäulen-Arthritis: Autoimmunerkrankung verursacht Morgensteifheit

Einschließlich der Spondylarthropathien, die etwa 1 % der Bevölkerung betreffen, gibt es mehr als 100 Arthritis-Formen. Bei Spondylarthropathien attackieren Ihre Immunzellen bestimmte Körperzellen. Diese Autoimmunerkrankungen können Entzündungen im ganzen Körper hervorrufen. Besonders betroffen sind aber die Bereiche von Wirbelsäule und Gelenken, an denen Sehnen am Knochen ansetzen. Die Symptome dieser Erkrankung unterscheiden sich von den mehr degenerativen oder verletzungsbedingten Formen, den so genannten Osteoarthrosen. Im Gegensatz zu Rückenschmerzen auf Grund von degenerativer Arthritis ist das herausragendste Merkmal des entzündlichen Rückenschmerzes die Morgensteifheit, die mit zunehmender Aktivität besser wird. Andere Symptome sind:

  • entzündete, schmerzende Gelenke an Armen, Beinen, Händen und Füßen
  • Psoriasis (Schuppenflechte) als Vorerkrankung
  • Haut- oder Mundschleimhautgeschwüre
  • schmerzhafte Augenentzündung
  • blutiger Durchfall.

Es gibt eine Vielzahl von Spondylarthropathien. Alle haben jedoch einen genetischen Faktor gemein. Einer, der sich identifizieren lässt, ist ein besonderer Eiweißstoff, das so genannte Humane-Leukozyten-Antigen B27 (HLA-B27). Bei Menschen mit Spondylarthropathien kommt es häufig vor. Obwohl HLA-B27 nicht die Form der Spondylarthropathie spezifizieren kann, dient es als allgemeiner Indikator für die Erkrankung.

Wirbelsäulen-Arthritis: Verwandte Störungen der Wirbelsäule

Unter den verschiedenen Spondylarthropathien finden sich:

  • Ankylosierende Spondylitis (AS, Morbus Bechterew) – Diese chronische Erkrankung verursacht eine Gelenkentzündung und kann mit der Zeit zu einer Fusion der Wirbel und der sakroiliakalen Gelenke (Kreuzbein/Darmbein) im Hüftbereich führen. AS ist die häufigste Form unter den Spondylarthropathien und es wird eine familiäre Häufung beobachtet. AS macht sich meist bei jungen Leuten zwischen 20 und 40 Jahren bemerkbar – meistens sind Männer betroffen. Zu den frühen Symptomen der Ankylosierenden Spondylitis können gehören: wiederkehrende Schmerzen im unteren Rückenbereich, Wirbelsteifigkeit und starke Schmerzen nach dem Aufwachen oder nach Phasen der Inaktivität. Bei fortgeschrittenen oder unbehandelten Stadien führt die Erkrankung zu einer Änderung der Haltung, Wirbelsäulensteifigkeit und eingeschränkter Beweglichkeit des Brustkorbes. Dazu kommen Gewichts- und Appetitverlust, Erschöpfung, periphere Gelenkschmerzen – besonders in den unteren Extremitäten – und eine -Entzündung der Augen.
  • Psoriatische Arthritis – Diese chronische Form der Arthritis betrifft manchmal nur wenige Gelenke oder viele Gelenke und die Wirbelsäule. Bis zu 15 % der Psoriasis-Patienten leiden unter dieser Erkrankung. Symptome sind Schmerzen und Steifheit in Hals, Rücken, Gelenken.
  • Entzündliche Darmerkrankung (Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa) – Diese Form schädigt die Darmschleimhaut. Der Verlauf der Erkrankung kann stark variieren, sodass er sich nur schwer vorhersagen lässt. Bis zu 20 % der Patienten mit entzündlicher Darmerkrankung leiden unter Schmerzen und Schwellungen in bestimmten Gelenken, besonders den Knien und Sprunggelenken. Einige Patienten spüren Schmerzen und Steifheit im Wirbelsäulenbereich.
  • Reiter-Syndrome (reaktive Arthritis) – Diese seltene Arthritis-Form tritt als Reaktion auf eine Infektion an anderer Stelle des Körpers auf. Im Allgemeinen verbessert sie sich mit deren Behandlung, zu der Antibiotika gehören können.

Bewegungsübungen sowie Antirheumatika sind die häufigsten Behandlungen bei Wirbelsäulen-Arthritis

Physikalische Therapie und Bewegung sind wichtige Elemente der Behandlung der Spondylarthropathien. Bewegungs- und Dehnungsübungen können die Flexibilität der Gelenke erhalten und für eine gute Körperhaltung sorgen. Zu der Behandlung können auch nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Acetylsalicylsäure (ASS, z. B Aspirin®), Ibuprofen (z. B. Dolormin®, Dolgit®) oder Naproxen (z. B. Aleve®, Dysmenalgit®) gehören. Krankheitsverbessernde Antirheumatika wie Methotrexat (z. B. Lantarel®) und Sulfasalazin (Azulfidin®, Pleon®) können auch eingesetzt werden. Manchmal sind auch Kortikosteroide in Form von Tabletten oder Spritzen hilfreich. Mit wachsendem Interesse verfolgen Wissenschaftler die Rolle von Hemmstoffen des Tumor-Nekrose-Faktors.

TNF-Blocker bieten neuen Ansatz zur Therapie von Wirbelsäulen-Arthritis

Neue Therapien können eines Tages vielleicht das Fortschreiten von Autoimmunkrankheiten wie den Spondyloarthropathien verhindern. Momentan viel versprechend sind Hemmstoffe des Tumor-Nekrose-Faktors (TNF). Sie blockieren ein zelluläres Protein, ein so genanntes Zytokin, das Entzündungen auslösen kann. Indem das TNF-Zytokin blockiert wird, können Schmerzen, Steifheit und Gelenkschwellungen zurückgehen. TNF-Blocker wurden bislang bei der Behandlung von Rheumatoider Arthritis eingesetzt. Jetzt spielen sie eine Rolle bei der Behandlung anderer Autoimmunkrankheiten. Etanercept (Enbrel®) und Infliximab (Remicade®) sind TNF-Blocker. Obwohl sie sehr viel teurer als andere Medikamente sind und schwerwiegendere Nebenwirkungen haben können, haben sie wahrscheinlich ihren Platz in der Therapie bestimmter Spondylarthropathien – v. a. bei Psoriatischer und Ankylosierender Arthritis. Allerdings ist noch unklar, wann die neuen Medikamente im Verlauf einer chronischen Spondyloarthropathie zum Einsatz kommen sollen und welche Patienten darauf gut ansprechen.

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