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Hochdosierte Vitamine: Manchmal wirkungsvoller als Medikamente

Von unseren Experten vom Mayo Clinic Gesundheits-Brief, dem Dienst, der Ihnen verlässliche Informationen für Ihre Gesundheit liefert

Seit Jahren nehmen Sie Multivitaminpräparate ein. Deshalb waren Sie recht erstaunt, als Ihnen Ihr Arzt 1.000 Milligramm (mg) Nicotinsäure täglich verordnete, um Ihren Cholesterinspiegel zu verbessern. Diese Dosis ist, verglichen mit den 20 mg aus dem Multivitaminpräparat, die den täglichen Nicotinsäurebedarf decken sollen, recht hoch. Sie beabsichtigen, mit einem frei verkäuflichen Multivitaminpräparat Ihren täglichen Vitaminbedarf zu sichern, sollte er durch die Ernährung nicht genügend abgedeckt sein. Ihr Arzt verschreibt Ihnen dagegen Vitamine in höheren Dosen, um damit bestimmte Krankheiten zu behandeln.

Über den täglichen Vitaminbedarf hinaus

Vitamine tragen seit langem dazu bei, Mangelerkrankungen zu verhindern. Langfristige Vitamindefizite können spezielle Erkrankungen verursachen. So können ein Vitamin-A-Mangel zu Nachtblindheit, ein Folsäuremangel zu einer bestimmten Form der Anämie führen. In den meisten Fällen können die Probleme, die durch Vitaminmangel verursacht werden, durch eine ausreichende Versorgung durch die Ernährung oder durch zusätzliche Nahrungsergänzungsmittel gelöst werden. Vitamine werden aber auch pharmakologisch genutzt. Sie werden dann ähnlich wie andere Wirkstoffe vom Arzt zur Behandlung von Krankheiten verordnet. In typischer Weise nehmen die Patienten dann unter ärztlicher Kontrolle höhere Dosen als die empfohlenen Tagesdosen ein.

Vitamine als verschreibungs-pflichtige Wirkstoffe

Spezielle Vitamine können zur Behandlung von Gesundheitsproblemen eingesetzt werden:

  • B-Vitamine zur Wahrung der Herz-Kreislauf-Gesundheit – Wenn Ihr Körper Proteine abbaut, entsteht dabei als Nebenprodukt Homocystein. Zwischen einem hohen Homocysteinspiegel im Blut und Schlaganfällen sowie Herzerkrankungen scheint ein Zusammenhang zu bestehen. Die Forschung geht davon aus, dass ein erhöhter Homocysteinspiegel die innere Auskleidung der Blutgefäße schädigt, zu Wandverdickung und Flexibilitätsverlust führt. Eine Reihe von Faktoren soll den Homocysteinspiegel erhöhen, das sind neben dem Alterungsprozess und genetischer Veranlagung auch ein Mangel an bestimmten B-Vitaminen. Eine Studie zeigte, dass eine Kombination von B-Vitaminen – insbesondere 10 mg B6, 400 mg B12 und 1000 mg Folsäure – einen erhöhten Homocysteinspiegel senken konnte. Zurzeit ist noch nicht gesichert, dass sich die Senkung des Homocysteinspiegels auf die Gesundheit günstig auswirkt. Die Ergebnisse einer solchen, momentan laufenden Studie werden aber noch in diesem Jahr erwartet. Bevor nicht mehr Erkenntnisse vorliegen, werden Mediziner erhöhte Homocysteinspiegel wahrscheinlich nur bei Menschen mit besonders früh aufgetretenen Herz-Kreislauf-Problemen behandeln oder bei denen, die bereits einen Schlaganfall oder Herzinfarkt erlitten haben.
  • Nicotinsäure (= Niacin, Vitamin B3) zur Erhöhung des „guten“ Cholesterins – Es gibt ein wachsendes Interesse, niedrige Blutspiegel des „guten“ HDL (High-density-Lipoprotein)-Cholesterins zu erhöhen (siehe auch Erhöhung der HDL-Cholesterinwerte in der März-Ausgabe 2005). Ein niedriger HDL-Wert ist ein eigenständiger Risikofaktor für die Koronare Herzkrankheit. In der verordneten Dosierung eingenommen, kann Nicotinsäure den HDL-Spiegel um 15 % bis 30 % – gelegentlich sogar bis zu 50 % – steigern. Die ärztliche Kontrolle ist hierbei notwendig, da Nicotinsäure ernste Nebenwirkungen hervorrufen kann wie Rötungen in Gesicht und Nacken, juckende Ausschläge, Magenverstimmungen, Magengeschwüre, erhöhte Blutzuckerwerte und sogar Lebervergiftungen.
  • Riboflavin (Vitamin B2) zur Migräneprophylaxe – Es gibt erste Hinweise, dass hohe Riboflavindosen (400 mg) bei einigen Betroffenen Migräneanfällen vorbeugen können. Diese Ergebnisse konnten allerdings in anderen Studien bisher nicht bestätigt werden.

Die Spezialisten der Mayo Clinic verschreiben im Allgemeinen Riboflavin nicht als Einzelsubstanz. Sie haben allerdings nichts gegen eine Einnahme in Verbindung mit Standard-Migränemedikamenten einzuwenden. Ihrer Meinung nach ist Riboflavin hilfreich, auch wenn die positiven Effekte auf dem Placeboeffekt beruhen. Denn auch so genannte Placebos, Medikamente ohne Wirkstoff, können positive Auswirkungen haben. In Studien zur Migräne können sie in 20 % bis 30 % der Fälle eine Verbesserung für den Patienten bringen. Da Vitamine, wenn sie in den beschriebenen hohen Dosen eingenommen werden, unerwünschte Nebeneffekte erzeugen können, sollten sie niemals ohne ärztliche Kontrolle eingesetzt werden.

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