MenüMenü

Antioxidantien

Kann eine mit antioxidativen Vitaminen angereicherte Mahlzeit das Risiko für bestimmte Krankheiten verringern? Zellschädigungen durch Sauerstoff (Oxidation) sind teilweise für Alterungsprozesse und andere Erkrankungen verantwortlich. Forscher untersuchen, wie der Schutz durch Antioxidantien in der Nahrung wirkt.

Lebende Zellen produzieren während ihres Stoffwechsels toxische Moleküle (freie Radikale). Diesen nicht intakten Molekülen fehlt jeweils ein Elektron. Das freie Radikalmolekül strebt einen kompletten Elektronensatz an.

Aus diesem Grund reagiert es mit jedem verfügbaren Molekül, von dem es ein Elektron ergattern kann. Durch die Aufnahme eines Elektrons von elementaren Zellsubstanzen (Fett, Protein oder DNA-Molekülen) schädigen freie Radikale die Zellen. Antioxidantien kommen im Körper und in bestimmten Nahrungsmitteln vor. Durch die Bereitstellung von Elektronen können sie einige der schädigenden Auswirkungen freier Radikale blockieren und neutralisieren.

Obwohl freie Radikale die meisten Schädigungen beheben, bleibt ein Restrisiko bestehen. Umweltnoxen wie UV-Strahlen oder Luftschadstoffe wie Zigarettenrauch können freie Radikale erzeugen. Unter bestimmten Voraussetzungen überfordern die freien Radikale die natürlichen Abwehrkräfte.

In dem Maße wie Zellschädigungen zunehmen, können sie zu einer Beschleunigung der Alterungsprozesse und anderer Krankheiten beitragen. Zusätzliche Mengen antioxidativer Vitamine in der Nahrung können diesen Schädigungen entgegenwirken.

Kardiovaskuläre Erkrankungen

Wissenschaftler mutmaßen, dass das „low density“ (gering verdichtete)-Lipoprotein (LDL) Cholesterin nach seiner Oxidation die Arterien angreift. Die Vitamine C und E sowie Betakarotin schützen vor der Oxidation von LDL, indem sie freie Radikale neutralisieren. Zwei große Studien stützen die Theorie, wonach die Oxidation der Lipoproteine eine Rolle bei der Verengung der Arterie spielt (Atherosklerose).

An den Studien nahmen unabhängig voneinander Frauen und Männern teil. Sie belegen, dass die Verwendung hoher Dosen von Vitamin E-Zusätzen mit einem verminderten Risiko von Kranzarterienerkrankungen verbunden war.

Aufgrund der Informationen aus ausgewerteten Fragebögen fanden die Forscher eine deutlichere Risikoverminderung bei Frauen. Sie nahmen 100 internationale Einheiten (IE) Vitamin E zusätzlich ein als in der Vergleichsgruppe nach einfacher Einnahme von Multivitaminpräparaten. Vitamin- und Mineralzusätze enthalten 30 IE oder weniger Vitamin E.

Vergleichbare Verhältnisse liegen bei Männern vor, die mindestens 100 IE Vitamin E über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren einnahmen. Sie waren besser vor koronarer Herzkrankheit geschützt als Männer, die weniger oder gar kein Vitamin E einnahmen. 1 mg Vitamin E (d-?-Tocopherol) entspricht 1, 49 IE.

Verzögerung von Krebs und Grauem Star

Der Verzehr von Obst und Gemüse mit hohen Gehalten an Vitamin C und Betakarotin oder die Einnahme antioxidativer Zusätze ist mit einem verminderten Risiko aller Krebsarten verbunden. Dies legen die Ergebnisse von mehr als 100 Studien nahe.

Der Graue Star beschreibt eine Trübung der Augenlinse, wobei sich die chemische Zusammensetzung der Linse ändert. Die Ärzte sind sich über die Ursachen dieser Veränderungen noch im Unklaren. Die Mehrheit der über 60-Jährigen betrifft eine mehr oder weniger ausgeprägte Linsentrübung. Wissenschaftler mutmaßen, dass sich der graue Star zum Teil als Folge einer Proteinoxidation in der Augenlinse entwickelt.

Eine 1992 durchgeführte Studie in Finnland an 40- bis 83-jährigen Männern und Frauen sagt aus, dass niedrige Blutspiegel an Vitamin E und Betakarotin ein erhöhtes Erkrankungsrisiko darstellen. Andere Studien berichten über einen Zusammenhang von hohem Krankheitsrisiko und geringer Einnahme von Vitamin C.

Sollten Sie Zusätze nehmen?

Trotz der Hinweise für gesundheitsfördernde Wirkungen von Vitamin C, Vitamin E und Betakarotin gibt es gute Gründe, nicht zu viel an zusätzlichen Vitaminkonzentrationen aufzunehmen. Die Hinweise für eine Verwendung antioxidativer Vitamine zur Verminderung chronischer Krankheitsrisiken besitzen vorläufigen Charakter.

Sie sind in klinischen Untersuchungen noch nicht bestätigt worden. Des Weiteren wissen Forscher noch nicht, welches Antioxidans oder welche Kombination von Antioxidantien das größte Potential für eine Verhütung von Krankheiten besitzt. Ebenso wenig kennen sie den genauen Bedarf an Antioxidantien zur Prävention.

Vitamin C, E und Betakarotin gelten in der Regel als nicht toxisch. Die bisher vorliegenden kontrollierten Untersuchungen dauerten jedoch nie länger als sechs Monate. Deshalb muss man noch beweisen, dass eine tägliche Zufuhr von 500 oder 1000 IE von beispielsweise Vitamin E über einen langen Zeitraum kein Risiko birgt.

Der bequeme Weg

Privatdozent Dr. H.S. Fueßl vom Bezirkskrankenhaus München-Haar kommentierte die beiden zitierten US-Studien und zur Prophylaxe koronarer Herzkrankheiten. Er weist darauf hin, dass epidemiologische Untersuchungen keine Aussagen zu Ursachen und Wirkung machen können.

Darüber hinaus könnten die langjährigen Bemühungen um einen gesunden Lebensstil mit mehr Bewegung, Aufgabe des Rauchens und einer fettärmeren Ernährung, die jetzt gerade Wirkung zeigen, durch die bequemere Vitaminpille zunichte gemacht werden.

Es ist nicht bewiesen, dass die Einnahme hoher Dosen an Antioxidantien die Gesundheit fördert und kein Risiko birgt. Sorgen Sie dafür, dass Sie die empfohlene Menge an Vitamin C, E und Betakarotin zu sich nehmen. Wenn Sie nur selten dunkelgrünes oder oranges Obst und Gemüse essen, nehmen Sie täglich einen Zusatz, der Sie mit 100 % der Menge an Vitaminen und Mineralien versorgt.

Vitaminunterversorgung

Nach Professor Dieter Hötzel vom Institut für Ernährungswissenschaft an der Universität Bonn sollten bestimmte Bevölkerungsgruppen in Deutschland auf ihre Vitaminversorgung achten. Bei ihnen besteht die Gefahr einer Vitaminunterversorgung.

Ältere Menschen ab 65 Jahre sind häufiger mit Vitamin A und Carotinoiden suboptimal versorgt. Junge Frauen zwischen 19 und 25 Jahren sind ebenfalls gefährdet. Empfehlung: grüngefärbte Gemüse (Spinat, Grünkohl, grüne Bohnen), Tomaten, Möhren (nur zerkleinert und mit Fett gegessen für Vitaminversorgung wirksam).

Ein Vitamin-C-Mangel tritt häufiger bei älteren Menschen und vor allem bei alleinlebenden Männern auf. Raucher haben gegenüber Nichtrauchern einen um 45 mg erhöhten täglichen Vitamin C-Bedarf von 120 mg. Empfehlung: Obst, Grüngemüse, Tomaten, Kartoffeln.

Untersuchungen als Beleg

Mehr als 20 Studien untersuchen eine Vielzahl von Substanzen, die vor Krebs schützen könnten. Darunter befinden sich 10 Studien, die sich mit Betakarotin und anderen Antioxidantien beschäftigen. Eine Studie der Harvard Universität untersucht, ob die tägliche Einnahme von 50 mg Betakarotin bei Männern Krebs verhindern kann.

Die Harvard-Forscher stellen entsprechende Untersuchungen ebenfalls bei Frauen an. In der Studie überprüfen sie, ob 50 mg Betakarotin täglich (allein genommen oder in Kombination mit Vitamin E oder Aspirin) das Krebsrisiko von Frauen über 45 Jahre vermindern. Die Ergebnisse solcher Studien sind notwendig, bevor Ärzte den wirksamen Nutzen antioxidativer Zusätze empfehlen.

Fragwürdige Vitalstoff-Studie: Die Fachwelt schüttelt den Kopf

Die neue Bewertung von Antioxidantien ist eine Arbeit von Statistikern, die in ihrem ganzen Leben nicht einen einzigen Patienten mit Vitalstoffen behandelten. Daher sehen wirkliche Vitalstoffexperten die Ergebnisse in einem anderen Licht:

  • Professor Hans-Konrad Biesalski (Universität Hohenheim): „Die positive Wirkung von Antioxidantien ist generell akzeptiert und gut belegt. Es besteht kein Anlass, sie neu oder kritischer zu bewerten!“
  • Professor Meir Stampfer (Harvard-Universität, Boston/USA): „Diese Studie bringt keine neuen Erkenntnisse und kann sehr leicht fehlinterpretiert werden!“
  • Professor Balz Frei (Linus-Pauling-Institut, Universität von Oregon, Corvallis/USA): „Diese Analyse ist vollkommen mangelhaft. Es gibt eindeutige Hinweise, dass Antioxidantien aus der Nahrung oder aus Präparaten von großem gesundheitlichen Nutzen sind!“
Die besten Antioxidantien in der natürlichen Nahrung
Enthalten in
CarotinKarotten
Carotinoidegelbe und orangefarbene Obst- und Gemüsesorten, grünes und dunkelgrünes Blattgemüse
FlavonoideObst und Gemüse, Wein, grüner und schwarzer Tee, Fruchtsäfte
LycopinTomaten (roh und gekocht)
PhenoleOlivenöl, Gewürzpflanzen wie Rosmarin, Oregano, Minze, Thymian; Kakao, Tee
SelenFleisch, Vollkornprodukte, Sesam, Nüsse und Meeresfrüchte
Vitamin CZitrusfrüchte, Paprika, Kartoffeln
Vitamin EÖle, Weizenkeime, Nüsse, Samen, grünes Blattgemüse
ZinkHuhn, Fisch, Weizen, Erbsen, Soja, Nüssen, Eier, Austern, Hering, Lamm, Leber, Vollkornprodukte, Bohnen, Naturreis, Milch, Milchprodukte, Gemüse

 

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten