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Lange galt der Vitalstoff lediglich als Aktivator der Blutgerinnung. Wissenschaftler fanden in den vergangenen zehn Jahren heraus, dass Vitamin K Sie unter anderem vor Osteoporose schützt. Aktuelle Erkenntnis: Unsere derzeitige Versorgungslage mit dem Vitamin fällt extrem schlecht aus. Dies gilt vor allem, wenn Sie bestimmte Medikamente benötigen.

Das Blutgerinnungs-Vitamin

Man entdeckte Vitamin K im Jahr 1929: Küken, die ohne diesen Vitalstoff ernährt wurden, entwickelten schwere Störungen der Blutgerinnung (Koagulation). Da der Vitalstoff offensichtlich für diesen Prozess entscheidend war, erhielt die neue Substanz die Bezeichnung Vitamin K. Wie die Vitamine A, D und E ist das „Koagulations-Vitamin“ fettlöslich. Anders als bei den anderen fettlöslichen Vitaminen gibt es bei Vitamin K keine Schäden durch Überdosierung zu befürchten. Was Ihr Körper nicht benötigt, scheidet er rasch wieder aus.

In der Natur existieren zwei chemisch ähnliche Substanzen, die als Vitamin K wirken:

  1. Phyllochinon: Es kommt vor allem in grünen Blättern vor
  2. Menachinon: Es wird von der Darmflora produziert und von den Darmzellen aufgenommen.

Kohl, Spinat und Salat: die besten Quellen

Es existieren keine genauen Untersuchungen, wie hoch Ihr Bedarf an Vitamin K ist. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Bonn empfiehlt eine Tagesdosis von1 µg pro Kilogramm Körpergewicht. Andere Vitamin-Experten halten das für das absolute Mindestmaß und empfehlen eine Tagesdosis von bis zu 400 µg, um mögliche Mangelerscheinungen sicher auszuschließen.

Niemand weiß genau, wie viel die Darmbakterien tatsächlich zur Versorgung mit dem Vitamin beitragen. Um absolut sicherzugehen, sollten Sie sich eher an dem oberen Wert orientieren.

Vitamin K aktiviert Blutgerinnung und Knochenstoffwechsel

Vitamin K aktiviert im Körper eine Klasse besonderer Eiweißstoffe, die GLA-Proteine (GLA steht für den Proteinbaustein Glutaminsäure, der in diesen Proteinen vorhanden ist). GLA-Proteine beteiligen sich an vielen wichtigen Reaktionen des Körpers. Diese laufen nur ab, wenn genügend Vitamin K vorhanden ist.

Zu diesen Proteinen gehören die Gerinnungsfaktoren ebenso wie Proteine, die die Knochen und Blutgefäße schützen. Als beste Vitamin-K-Quellen gelten grüne Blattgemüse und Blattsalat. Vitamin K verhält sich sehr hitzestabil. Aus diesem Grund müssen Sie anders als bei anderen Vitaminen kaum Verluste beim Kochen befürchten. Lediglich Licht schadet ihm. Bewahren Sie Gemüse und Salat daher stets dunkel auf (z.B. im Kühlschrank).

Wirkungen von Vitamin K im Körper

  • Aktivierung von Gerinnungsfaktoren (Koagulation)
  • Verfestigung der Knochen (Schutz vor Osteoporose)
  • Verhinderung von Kalkeinlagerungen in die Gefäßwände (Schutz vor Herzinfarkt und Schlaganfall)
  • Regulation der Zellteilung (Schutz vor Krebs, Autoimmunkrankheiten)

Bis in die 1990er Jahre kannten die Forscher lediglich eine Sorte von GLA-Proteinen: Die in der Leber produzierten Gerinnungsfaktoren, die durch Vitamin K aktiviert werden. Aus diesem Grund galt das Vitamin bis dahin als das „Gerinnungs-Vitamin“.

Mittlerweile fand man GLAProteine in Knochen, Knorpel oder den Wänden der Blutgefäße. Deshalb ist eine ausreichende Vitamin-K-Versorgung auch für diese Gewebe entscheidend.

Es sorgt für mehr als nur Blutgerinnung!

Zu den weltweit angesehensten Vitamin-K-Experten gehört Dr. Cees Vermeer. Er leitet an der Universität Maastricht (Holland) eine Arbeitsgruppe, die sich mit den Schutzwirkungen des Vitamins auf Herz und Gefäße befasst. Im Jahr 2007 veröffentlichten die Forscher eine Untersuchung, die für großes Aufsehen sorgte. Ihre These: Fast alle Menschen in der westlichen Welt weisen einen unterschwelligen Vitamin-K-Mangel auf. Sie fanden bei gesunden Testpersonen große Mengen von inaktiven GLA-Proteinen. Das deutet darauf hin, dass der Körper zu wenig Vitamin K mit der Nahrung aufnimmt.

Für die Forscher reicht die von der DGE empfohlene Tagesdosis von 1 µg Vitamin K pro Kilogramm Körpergewicht lediglich aus, um den Bedarf in der Leber zu decken. Die Leber „saugt“ das Vitamin K dafür wie ein Schwamm auf. Für die Aktivierung der GLA-Proteine in den übrigen Geweben bleibt kaum etwas übrig. Dr. Vermeer: „Es ist erstaunlich, dass die meisten Ärzte immer noch nicht wissen, dass Vitamin K nicht nur die Blutgerinnung kontrolliert!“ Durch seine Ergebnisse erscheinen einige weit verbreitete schulmedizinische Behandlungsgrundsätze als fragwürdig.

Ein Drittel weniger Knochenbrüche dank Vitamin K

So raten Ärzte beispielsweise bei der Vorbeugung von Osteoporose lediglich zu Kalzium-Präparaten, aber fast nie zu Vitamin K. Doch ebenfalls im Jahr 2007 veröffentlichten die holländischen Forscher eine Studie, in der sie 325 Frauen nach den Wechseljahren drei Jahre lang mit täglich 45 mg Vitamin K oder einem Scheinmedikament (Placebo) behandelten. In diesem Zeitraum verbesserte sich die Knochendichte in der Vitamin-Gruppe um 2 bis 5 Prozent. Im Gegensatz dazu dagegen war sie in der Placebo-Gruppe etwa um den gleichen Prozentsatz abgesunken. Aus anderen Untersuchungen ist bekannt, dass Frauen, die täglich mindestens 100 µg Vitamin K aus der Nahrung aufnehmen, ein um 30 Prozent niedrigeres Risiko für Knochenbrüche zeigen.

Darüber hinaus ist Ihr Herzschutz nach den neuen Erkenntnissen ohne Vitamin K unvollständig. So zeigten Wissenschaftler im Jahr 2002 an der Universität Maastricht, dass das Vitamin Ihre Gefäßwände elastisch hält: 181 Testpersonen erhielten entweder ein Placebo oder 20 mg Vitamin K täglich. Nach drei Jahren verbesserte sich die Elastizität der Gefäße durch das Vitamin im Vergleich zur Placebo-Gruppe um etwa 15 Prozent. Je elastischer und weicher Ihre Blutgefäße, desto niedriger ist Ihr Blutdruck und umso weniger Kalk lagerte sich in die Wände ein.

Gerinnungshemmende Medikamente

Die neuen Erkenntnisse um Vitamin K spielen zukünftig für eine weitere große Zielgruppe eine wichtige Rolle: Viele Patienten erhalten etwa nach einem Schlaganfall oder Herzinfarkt Antikoagulantien (Wirkstoffe: Warfarin, Phenprocoumon, z. B. Marcumar® oder Coumadin®). Sie wirken als Gegenspieler zum Vitamin K und verhindern die Aktivierung der Gerinnungsfaktoren, also der GAL-Proteine in der Leber. Bisher untersuchte man kaum, wie sich die Medikamente auf die anderen, erst in den letzten Jahren entdeckten GAL-Proteine auswirken. Aus Tierversuchen und Pilotstudien an Menschen gibt es erste Hinweise, dass der langjährige Einsatz von Antikoagulantien das Risiko für Osteoporose und Arteriosklerose erhöht.

Diese Ergebnisse sprechen nicht ganz eindeutig. Sie passen jedoch zu den neu entdeckten vielfältigen Wirkungen des Vitamin K. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob Sie nicht auf andere „Blutverdünner“ umsteigen können, die nicht Vitamin-K-hemmend wirken. Dazu zählen beispielsweise Aspirin® oder die Wirkstoffe Clopidogrel und Dipyridamol. Setzen Sie jedoch Ihr bisheriges Mittel nicht auf eigene Faust ab.

Wann sind Sie besonders gefährdet?

Neue Untersuchungen zeigen, dass viele Menschen Anzeichen eines unterschwelligen Vitamin-K-Mangels aufweisen. Es zeigen sich zwar keine direkten Mangelerscheinungen (z. B. eine Blutungsneigung). Jedoch steigt langfristig vor allem Ihr Risiko für Osteoporose und Gefäßkrankheiten wie Herzinfarkt und Schlaganfall.

  • Ernährung: Nur wenn Sie regelmäßig Salat und Blattgemüse essen, decken Sie Ihren Bedarf. In allen anderen Fällen sollten Sie zumindest ein Vitamin-K-haltiges Präparat einnehmen.
  • höheres Lebensalter: Spätestens ab 65 Jahren nimmt der Körper viele Vitalstoffe aus der Nahrung nur noch schlecht auf. Der Grund: nachlassende Verdauungsleistung.
  • Medikamente: Gerinnungshemmende Medikamente (z. B. Marcumar®) hemmen die Wirkungen des Vitamins. Antibiotika zerstören die Darmflora, die einen Teil des Vitamins produziert.
  • chronische Magen-Darm-Erkrankungen (z. B. Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Darmdivertikel): Sie führen dazu, dass der Körper Vitamin K aus der Nahrung nur noch schlecht verwertet.
  • mangelnde Ausschüttung von Gallensäure: Diese Verdauungssäfte sorgen dafür, dass der Darm das fettlösliche Vitamin überhaupt aufnimmt.

Um in diesen Fällen einem Mangel vorzubeugen, nutzen Sie ein Multivitamin-Präparat zur Nahrungsergänzung. Es sollte mindestens 30 bis 100 µg Vitamin K enthalten (in Drogeriemärkten für Monatstherapiekosten um 10 Euro erhältlich). Höhere Dosierungen sollten Sie vorher mit Ihrem Arzt besprechen. Dies gilt vor allem bei der Einnahme blutverdünnender Medikamente. Deren Wirkung behindert das Vitamin.

Selbsttest: Wie gut sind Sie mit Vitamin K versorgt?
  
Wenn Sie drei der nachfolgenden Aussagen mit „Ja“ bestätigen, kann dies auf einen Vitamin-K-Mangel hinweisen. Sie sollten Ihre Ernährung umstellen und mehr grünes Gemüse zu sich nehmen.
  
Sie haben lang anhaltende Blutungen, wenn Sie sich verletzen. ja / nein

Als Frau haben Sie sehr starke Regelblutungen. ja / nein
Sie neigen zu häufigem Nasenbluten. ja / nein
Sie essen wenig Gemüse (weniger als eine Portion pro Tag). ja / nein
Sie trinken regelmäßig (jeden Tag) Alkohol. ja / nein
Sie haben schlechte Organfunktionen (Darmerkrankungen, Leberprobleme, mangelhafte Bauchspeicheldrüsenfunktion). ja / nein
Sie nehmen regelmäßig Medikamente wie Antibiotika ein. ja / nein

 

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