MenüMenü

Wie Sie mit Selen und Vitamin E bleibende Organschäden verhindern

von Dr. Ulrich Fricke, Chefredakteur von "Länger und gesünder leben"

Die Schmerzen kommen plötzlich und unerwartet. Wie ein Gürtel schnüren sie sich um den Oberbauch; manchmal sind sie so heftig, dass die Patienten einen regelrechten Schock erleiden und ihr Kreislauf zusammenbricht. Diagnose: akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Es trifft mehr Menschen, als Sie vielleicht glauben: Bei 5 % aller Deutschen, die heute in ein Krankenhaus eingewiesen werden, liegt eine solche akute Pankreatitis vor. Meist kommen die Patienten sofort auf die Intensivstation. Denn wenn nicht schnell genug gehandelt wird, ist das Leben in Gefahr. Hier erfahren Sie alles, was in einem solchen Notfall zu tun ist. Außerdem zeigen wir Ihnen, wie sich mit modernen Verfahren die wahren Ursachen aufspüren lassen. Und was die wenigsten Ärzte wissen: Vitalstoffe wie Selen oder Vitamin E können heute die schlimmsten Folgen der Entzündung verhindern und bleibenden Organschäden vorbeugen.

Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) ist ein etwa 15 cm langes Organ, das in enger Nachbarschaft zur Leber und Gallenblase liegt. Ihre Aufgabe ist die Produktion von Verdauungsenzymen. Außerdem werden in bestimmten Zellen der Bauchspeicheldrüse auch wichtige Stoffwechselhormone wie das Insulin und das Glukagon gebildet. Die Verdauungsenzyme werden durch den Bauchspeicheldrüsengang in den Zwölffingerdarm abgegeben. In diesen Kanal mündet ebenfalls der Gallengang, durch den die in der Leber produzierten Gallensäuren als Hilfsstoffe für die Fettverdauung in den Darm gelangen.

Das sind die Symptome einer akuten Entzündung:

– ausstrahlender Schmerz im Oberbauch

– Übelkeit und Erbrechen

– Blähungen

– Darmlähmung

– angespannte Bauchdecke

– Schwindel

– Schweißausbrüche

– Schockzustand (Pulsrasen, Blutdruckabfall)

Wenn Sie bei sich oder einem Ihrer Angehörigen diese Symptome bemerken, sollten Sie nicht zögern, den Notarzt anzurufen. Denn eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse muss dringend behandelt werden. Da die Schmerzen auch in die Herzgegend ausstrahlen können, wird eine solche Attacke oft mit einem Herzinfarkt verwechselt.

Die Schmerzattacken sind meistens die Folge eines verstopften Ausfuhrgangs. Die von der Drüse produzierten Enzyme gelangen dann nicht mehr in den Darm, sondern werden noch in der Bauchspeicheldrüse selbst aktiv. Sie "verdauen" dann das eigene Gewebe. Wenn eine solche Entzündung rechtzeitig erkannt und behandelt wird, bleiben in der Regel keine ernsten Folgen zurück. Ist der Prozess dagegen schon so weit fortschritten, dass bereits größere Gewebsareale abgestorben (nekrotisiert) sind, dann endet jeder fünfte Fall sogar tödlich.

Mögliche Ursachen einer akuten Entzündung sind:

– Gallensteine

– Alkoholmissbrauch

– Medikamente

– Thrombosen (z. B. durch Herzrhythmusstörungen)

– genetische Veranlagung

– Tumore in der Bauchspeicheldrüse

– Fettstoffwechselstörungen

– Stoßverletzungen

– autoimmunbedingte Störungen

Neben dieser akuten, anfallsartigen und sehr schmerzhaften Form der Pankreatitis gibt es auch eine chronisch verlaufende Form. Die Schmerzen sind hier nicht ganz so dramatisch, kehren dafür aber regelmäßig wieder – vor allem nach fettreichen Mahlzeiten, aber auch nach dem Genuss von Alkohol, Kaffee oder scharf gewürzten Speisen.

Die häufigste Ursache für eine chronische Pankreatitis ist der Alkoholmissbrauch. Das Stoffwechselgift bringt die Schutzmechanismen der Bauchspeicheldrüse gegen ihre eigenen Enzyme durcheinander. Doch mittlerweile ist eine Bauchspeicheldrüsenentzündung längst keine "Alkoholiker-Krankheit" mehr. Deutlich in den Vordergrund treten heute vor allem Gallensteine als Ursache. Sie verstopfen den gemeinsamen Ausgang von Galle und Bauchspeicheldrüse. Doch eine chronische Pankreatitis kann sich auch dann schon entwickeln, wenn Ihr Arzt im Ultraschall noch keine Gallensteine entdeckt hat. Professor Hans-Ulrich Klör, Internist am Universitätsklinikum Gießen, erklärt dies so: "In der Galle bilden sich scharfe Ministeine, die mit keinem bildgebenden Verfahren erkannt werden können." Sie reichen jedoch aus, um die Schleimhaut des gemeinsamen Ausführgangs zu verletzten. Hier bilden sich dann Narben und Gewebewucherungen, die den Abfluss der Verdauungssekrete erschweren. Falls Sie als Patient unter chronischen Pankreasbeschwerden leiden, für die sich keine Ursache finden lässt, liegt hier vielleicht die Lösung des Problems. Einen Hinweis darauf kann ein spezieller Stuhltest geben. Nachgewiesen wird dabei ein Enzym (Pankreas-Elastase), das von der Bauchspeicheldrüse bei Entzündungen verstärkt freigesetzt wird.

Leider wird oft übersehen, dass auch eine beträchtliche Zahl an Medikamenten zu einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse führen kann.

Bei den Schädigungen der Bauchspeicheldrüse durch eine akute Entzündung spielt auch die Freisetzung von aggressiven Sauerstoffmolekülen (freie Radikale) im Gewebe eine wichtige Rolle. Italienische Mediziner am Cardarelli-Krankenhaus in Neapel haben im Jahr 2001 drei Patienten, die an einer erblich bedingten chronischen Pankreatitis litten, sechs Monate lang mit Antioxidantien behandelt. Diese Stoffe sind normalerweise in der Lage, die freien Radikale zu neutralisieren und so die Gewebeschäden zu verhindern. Durch die Therapie nahmen die Schmerzattacken deutlich ab.

Diese Tagesdosen an Vitalstoffen wurden verabreicht:

Vitamin A 2,4 mg

Vitamin C 180 mg

Vitamin E 30 mg

Selen 75 µg

S-Adenosyl-Methionin 800 mg (S-Adenosyl-Methionin (S-AME) ist ein schwefelhaltiges Antioxidans.)

Antioxidantien sind auch sehr wichtig in der Therapie von Patienten, die mit einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung auf die Intensivstation kommen. Die meisten Erfahrungen mit dieser Therapieform liegen am Rostocker Klinikum Südstadt vor. Dort sind vor dem Jahr 1990 fast 40 % der eingelieferten Patienten mit einer schweren Pankreatitis verstorben. Dann haben sich die Ärzte zusätzlich zu den üblichen Therapiemaßnahmen zur Gabe von hoch dosiertem Selen entschlossen. Durch diese Maßnahme konnte die Rate an Todesfällen auf 5 % gesenkt werden. Das Spurenelement Selen ist also ein wichtiger Schutzfaktor für die Bauchspeicheldrüse. Mitteleuropa gilt als ein typisches Selen-Mangelgebiet. Mit der normalen Kost werden gerade einmal 50 % des täglichen Bedarfs von etwa 70 bis 100 µg gedeckt. Es ist daher ratsam, von Ihrem Arzt den Selenspiegel im Blut bestimmen zu lassen. Einfache Nahrungsergänzungsmittel, mit denen Sie Ihren Selenbedarf decken können und die neben Selen auch die meisten anderen Vitalstoffe enthalten, erhalten Sie relativ preisgünstig in Apotheken, Drogerien oder Supermärkten. Damit schützen Sie nicht nur Ihre Bauchspeicheldrüse, sondern auch andere Organsysteme des Körpers wie die Schilddrüse oder das Immunsystem, die in hohem Maße von Selen abhängig sind. Mehr zum Thema lesen Sie auch hier:

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten