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Vitamin D: Plädoyer für eine gezielte Zufuhr

Ein positiver Effekt einer Vitamin D-Gabe ist heute nur in bestimmten Fällen gesichert. Zusammen mit Kalzium gehört Vitamin D zudem zur Basistherapie von Osteoporose. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) erneut hin.

Vitamin D hilft bei der Vorbeugung von Rachitis bei Säuglingen sowie bei chronischer Niereninsuffizienz oder Nebenschilddrüsenschwäche. Des Weiteren dient es zur Vorbeugung bei älteren Menschen, die Osteoporose- und sturzgefährdet sind. Für andere Krankheitsbilder liegen dagegen nicht genügend valide Daten aus großen Interventionsstudien zur Vitamin D-Gabe vor. Zu diesen Krankheiten zählen Krebs, Herz-Kreislauf-Leiden sowie Diabetes mellitus, Multiple Sklerose oder Immun- und Infektionskrankheiten.

Der Körper bildet Vitamin D unter Einfluss von Sonnenlicht zum überwiegenden Teil selbst, ein kleinerer Teil stammt aus der Nahrung. Anschließend wandeln Leber und Niere es in zwei Schritten zum aktiven Vitamin D3-Hormon (Calcitriol) um. Ob ein Mensch ausreichend mit Vitamin D versorgt ist, beurteilen Endokrinologen durch die Messung des 25 (OH)-Vitamin D (Calcidiol).

International gilt ein Spiegel von über 30 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) als optimal, 20 bis 29 ng/ml als ausreichend. Bei 10 bis 19 ng/ml spricht man von einer Insuffizienz und unter 10 ng/ml von einer einem schweren Mangel (Defizienz). Verschiedene Experten und Gremien befürworten höhere Werte. Die US-amerikanische Endokrinologen-Gesellschaft bezeichnet Werte unter 20 ng/ml bereits als Defizienz.

„Es findet eine heftige Diskussion über die klinische Bedeutung eines als insuffizient oder ausreichend eingestuften Vitamin D-Wertes ohne zusätzliche Risikofaktoren statt.“ Dies betont der Pressesprecher der DGE, Professor Helmut Schatz aus Bochum. Die 25 (OH)-Vitamin D-Messwerte würden zwar immer noch von der Bestimmungsmethodik abhängen. Heute stimmen aber die verschiedenen Messverfahren vergleichsweise gut überein. Im mittleren Referenzbereich seien die Abweichungen vielfach beträchtlich.

Es stellt sich die Frage einer über die muskuloskeletale Wirkung hinausgehenden Wirksamkeit. Dabei liege zum einen keine Evidenz vor, dass Vitamin D das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes mellitus senke. Zum anderen gebe es auch keine einheitlichen aussagekräftigen Daten zum Schutz vor Krebs.

Zurzeit laufen zwei große Studien zur Wirksamkeit einer Vitamin D-Zufuhr an, geplant an je 20.000 Personen in den USA und in Großbritannien. In der amerikanischen VITAL-Studie erhalten die Patienten täglich 2.000 Einheiten Vitamin D. In der britischen VIDAL-Studie sind es monatlich 100.000 Einheiten, was 3.200 E/Tag entspricht. Ergebnisse liegen frühestens 2016 vor.

Zusammenfassend betont Schatz, dass Vitamin D eine Hormon-Vorstufe darstellt, wofür derzeit wichtige medizinische Indikationen gesichert sind. „Es bleibt abzuwarten, ob sich die zahlreichen Hinweise aus Assoziations-, Observations- und epidemiologischen Studien und Untersuchungen bestätigen werden. Erst dann kann man Vitamin D aus Interventionsstudien zur Vorbeugung von Erkrankungen außerhalb des muskuloskeletalen Bereichs einsetzen.“

Gleiches gelte für Reihenuntersuchungen in der Bevölkerung auf den 25 (OH)-Vitamin D-Spiegel. Diese Screenings sollte man laut DGE derzeit nur gezielt bei bestimmten Altersgruppen und Risikopopulationen vornehmen.

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