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Vitamin D bei Erkältungen wirklich „abhaken“?

Eine hoch dosierte Vitamin-D-Zufuhr (monatlich 100.000 IU) senke weder die Häufigkeit noch vermindere sie die Schwere von Infektionen der oberen Atemwege. So hieß es kürzlich in den Medien unter Hinweis auf eine Studie neuseeländischer Wissenschaftler.

„Seriöse Studien zeigten, dass Vitaminpräparate für die Vorbeugung und Behandlung von Erkältungen und anderen Leiden nichts nutzen und teilweise sogar schaden. Nun muss die Hoffnung, mit Vitamin D hilfreich bei grippalen Infekten eingreifen zu können, abgehakt werden.“ So hieß es in der Süddeutschen Zeitung. Der US-Wissenschaftler Dr. Jeffrey A. Linder (Brigham and Women‘s Hospital in Boston) kommentierte die neuseeländische Studie von Professor David Murdoch (Universität von Christchurch) im Fachblatt „JAMA“. Er ist der Meinung, die Ergebnisse legten den Schluss nahe, dass Vitamin D die Liste jener Therapien erweitern sollte, die man als unwirksam zur Vorbeugung oder Therapie oberer Atemwegsinfekte bei gesunden Erwachsenen beurteilt hatte.

Nicht so einfach „abhaken“

Vitamin D kann man also bei Infekten der oberen Atemwege „abhaken“? Ganz so einfach ist es nicht, weisen die neuseeländischen Autoren hin. An der Studie nahmen 322 gesunde, im Durchschnitt knapp unter 50 Jahre alte Personen teil. Sie erhielten über 18 Monate initial und einen Monat später je 200.000 IU Vitamin D3 oral, dann monatlich 100.000 IU oder jeweils ein Scheinpräparat.

Die Behandlung begann im Sommer/Herbst. Alle vier Wochen mussten die Teilnehmer zudem Fragen zu ihrer Gesundheit beantworten. Bei Erkältungssymptomen machten die Forscher einen Nasenabstrich und untersuchten diesen auf unterschiedliche Viren. Zur Beurteilung zogen sie die Zahl der Infektionen der oberen Atemwege, ihre Schwere sowie die Dauer und die Arbeitsunfähigkeits-Tage heran.

Ergebnisse

Bei keinem Beurteilungs-Parameter, weder der Infekt-Häufigkeit (3,7 versus 3,8), der Dauer (je 12 Tage) noch der Schwere und Arbeitsunfähigkeit (je 0,76 Tage), gab es signifikante Unterschiede. Die aktuelle Untersuchung bestätige zwei andere kontrollierte Studien, schreiben die Autoren. Allerdings waren diese Studien entweder zu klein oder dauerten nur wenige Monate. Ihre Aussagekraft sei demzufolge eingeschränkt.

Es könne sein, dass man einen Effekt der hoch dosierten Vitamin-D-Gabe festgestellt hätte, wenn es in der Studien-Population mehr Menschen mit Vitamin-D-Mangel gegeben hätte. Unklar sei zudem, ob nicht eventuell ein anderes Dosierungs-Schema (3.300 IU täglich statt 100.000 IU monatlich) zu anderen Ergebnissen geführt hätte. Mehrere Studien mit unterschiedlichen Dosierungs-Schemata hatten unterschiedliche Resultate.

Schlussfolgerung

Laut den aktuellen Daten, so die neuseeländischen Forscher, schützt hoch dosiertes Vitamin D gesunde Erwachsene ohne Vitamin-D-Mangel nicht vor Infekten der oberen Atemwege oder mindert die Schwere der Infekte. Es sei zu klären, ob andere Dosierungs-Schemata effektiver seien und ob Menschen mit Vitamin-D-Mangel davon profitieren könnten. Vitamin-D-Mangel ist in Deutschland alles andere als selten, etwa bei alten Menschen. Vitamin D bei Atemwegsinfekten kann man unter Umständen doch nicht einfach „abhaken“.

Nach neuesten amerikanischen Studien erhöht sich Ihre Erkältungsgefahr um ein Drittel, wenn Sie unter Vitamin-D-Mangel leiden. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung an 19.000 Probanden. Einen noch stärkeren Effekt hat Vitamin-D-Mangel bei Asthmatikern. Wenn Sie selbst oder ein Familienmitglied häufig unter Erkältungen leiden, dann Sie unbedingt denVitamin-D-Spiegel überprüfen. Der Körper stellt es selbst her, allerdings braucht er dazu das UV-Licht der Sonne, ausreichend Fischgerichte oder Lebertran oder gezielte Nahrungsergänzungsmittelt.

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