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Vitaminreich, aber kein Wundermittel – Die Aronia ist keine Zauberbeere!

Sie gilt als Wunderbeere: die Aronia. Durch ihren hohen Gehalt an

Aronia_Beere© ivan kmit - Fotolia
Vitamin C und bestimmten Pflanzenstoffen soll sie mehr können als andere Beeren. Nicht nur dass sie angeblich das Altern aufhalten kann, sie soll auch Krebs und Alzheimer vorbeugen. Aber was ist dran an dieser Beere, die Sie selbst im Garten züchten, deren Produkte Sie aber auch teuer im Reformhaus kaufen können? …

Die Aronia, auch als Apfelbeere bekannt, sieht ähnlich aus wie die Heidelbeere. Zu Hause ist sie ursprünglich im Osten der USA und in Kanada. Aber schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts wird sie in Russ­land angebaut – hier aus rein kommerziellen Zwecken. In den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts wurden dann auch Aronia-Plantagen in der damaligen DDR angelegt.

In den letzten Jahren kam die Aroniabeere dann immer mehr in Mode. Der Grund dafür ist, dass die Wissenschaft die Bedeutung der so genannten Polyphenole erkannt hat. Hierbei handelt es sich um sekundäre Pflanzenstoffe. Es sind unter anderem die Stoffe, die allen Beeren ihre Farbe verleihen – ob sie nun rot oder blau sind.

Sekundäre Pflanzenstoffe schützen vor vielen Krankheiten

Die Hauptaufgabe der Polyphenole sowohl in den Beeren als auch in Ihrem Körper ist, freie Radikale abzufangen. So sind sie in der Lage, Zellschäden abzuwenden und eine Veränderung der Zellstrukturen zu verhindern. Außerdem stoppen sie entzündliche Prozesse im Körper und können sich positiv auf Blutdruck, Blutzucker- und Blutfettwerte auswirken. So können sie das Entstehen von Krankheiten verhindern, unter anderem von:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Bluthochdruck
  • Störungen des Verdauungssystems
  • Diabetes
  • Erkrankungen der Haut
  • Krebserkrankungen
  • Entzündungen in Leber oder Galle
  • Fehlfunktionen der Schilddrüse.

Auch andere Beeren sind reich an Polyphenolen

Die Aroniabeere wird als die Beere bezeichnet, die den höchsten Gehalt an Polyphenolen aufweist. Daher wird sie in letzter Zeit als wahres Wundermittel angepriesen. Schon ein Glas Aroniasaft pro Tag soll reichen, um vor vielen Krankheiten zu schützen.

Außer Acht gelassen wird bei diesen Empfehlungen aber, dass die Aroniabeere zwar tatsächlich reich an Polyphenolen ist, andere Beeren aber nicht viel schlechter abschneiden. Wie gut die sekundären Pflanzenstoffe arbeiten, wird mit den TEAC-Werten (Trolox Equivalent Antioxidative Capacity) bezeichnet. Hierunter versteht man die Antioxidantien-Kapazität eines Lebensmittels. Je höher der TEAC-Wert ist, desto höher ist auch die antioxidative Kapazität des Lebensmittels. Diese zeigt, wie effektiv freie Radikale abgefangen werden.

Der TEAC-Wert der Aroniabeere liegt bei 24. Aber nicht viel schlechter schneiden Heidelbeeren mit einem TEAC-Wert von 23 sowie schwarze Johannisbeeren und Brombeeren mit einem TEAC-Wert von jeweils 22 ab.

Studien scheinen die Wirksamkeit der Aronia zu belegen

Und wie wirksam ist die Beere in Ihrem Körper? Diese Aussage lässt sich nicht so einfach beantworten. Da Aronia überwiegend im Osten angepflanzt und hier seit rund 100 Jahren auch in der Medizin verwendet wird, gibt es nur einige wenige osteuropäische Wissenschaftler, die sich mit der Beere als Studienobjekt beschäftigt haben.

Zwei Studien sind besonders bekannt und sollen die Fähigkeiten der Aronia unterstreichen. Zum einen ließen Forscher der Universität Breslau im Jahr 2007 fast 60 Menschen mit erhöhten Cholesterinwerten jeden Tag 250 ml Aronia-Saft trinken – und das über drei Monate. Das Ergebnis: Das LDL-Choles­terin sank um durchschnittlich rund

30 mg/dl Blut. Auch die Triglyceride sanken um ca. 50 mg/dl Blut.

Zum anderen befassten sich Forscher aus Plovdiv in Bulgarien mit der Beere. Sie ließen 41 Diabetiker den Saft trinken. Nach drei Monaten, in denen die Teilnehmer morgens früh pro Tag 200 ml Aronia-Saft zu sich nahmen, war der Blutzuckerspiegel deutlich gesunken.

Aussagekraft von Studien ist umstritten

Diese Studienergebnisse werfen ein sehr gutes Licht auf die Aroniabeere. Leider hat sich aber gezeigt, dass die Untersuchungen aus verschiedenen Gründen nicht korrekt durchgeführt wurden. Ihre Aussagekraft ist nicht ausreichend, die Ergebnisse sind nicht brauchbar.

Noch anders verhält es sich bei Untersuchungen, die der Aroniabeere nachsagen, die Regeneration von Sportlern zu fördern oder die Thromboseneigung zu verringern. Diese Ergebnisse wurden in Versuchen im Reagenzglas oder an Tieren erzielt. Ob sie so einfach auf den Menschen übertragbar sind, ist bisher nicht untersucht und bewiesen worden.

Der Vitamin-C-Gehalt der Aronia ist nicht überragend

Aber was ist mit dem hohen Vitamin-C-Gehalt der Beere? Hierbei handelt es sich um eine clevere Werbe­lüge. Denn sonderlich hoch ist er nicht. Die Aronia enthält rund 21 mg Vitamin C pro 100 Gramm. Wenn Sie statt der Aroniabeere schwarze Johannisbeeren zu sich nehmen, versorgen Sie Ihren Körper mit rund sechsmal so viel Vitamin C. Denn 100 Gramm schwarze Johannisbeeren enthalten etwa 130 mg Vitamin C.

Erwarten Sie keine Wunderwirkungen

Die Aroniabeere bereichert sicherlich Ihren Speiseplan und ist eine gesunde Alternative zu anderen, längst bekannten Beerenfrüchten. Leider aber sind die Aronia-Produkte recht teuer. 300 ml Saft kosten zum Beispiel im Reformhaus oder im Naturkostladen zwischen 3 und 5 E. Wenn Sie einen Garten haben, können Sie die Beere einfach am Strauch selbst ziehen und ernten. Sie können sie dann recht einfach weiterverarbeiten. In einem Entsafter könnnen Sie sich den leckeren Aroniabeeren-Saft schnell und leicht selbst herstellen. Dazu geben Sie einfach die Beeren oben in den Entsafter und lassen ihn so lange köcheln, bis der Saft unten aus dem Schlauch herausläuft. Erwarten Sie allerdings keine Wunderwirkungen: Positivere Eigenschaften als andere Obstsorten besitzt die Aroniabeere nicht.

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Dr. Michael Spitzbart
Über den Autor Dr. med. Michael Spitzbart

Dies ist das Profil von Dr. med. Michael Spitzbart, dem Chefredakteur von "Dr. Spitzbart´s Gesundheits-Praxis". Hier gibt‘s alle Infos.

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