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Vitalstoffmangel: Welche Blutwerte sollte Ihr Arzt untersuchen lassen?

Fühlen Sie sich stets schlapp, müde und kraftlos? Haben Sie unerklärliche Muskelschmerzen oder Verdauungsprobleme, für die Ihr Arzt keine Ursachen findet? Es muss nicht unbedingt eine Erkrankung hinter diesen Beschwerden stecken, auch ein Mangel an wichtigen Vitalstoffen kann sie auslösen. Wann Ihnen ein solcher Mangel droht und welche Werte Ihr Arzt wann kontrollieren sollte, erkläre ich Ihnen im Folgenden.

Ein Blatt voller medizinischer Werte© MAST - Fotolia

„Ich kann keine Ursache finden“ – diesen Satz hören Patienten immer wieder von ihrem Arzt. Es gibt keine organische Ursache für Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Muskelbeschwerden, Infektanfälligkeit und Bluthochdruck. Was viele Ärzte übersehen: Die Ursache für solche Beschwerden kann so nah liegen. Denn es kann sich beim Auslöser dieser Gesundheitsprobleme „einfach nur“ um einen Mangel der wichtigsten Vitalstoffe handeln.

Wann sind Sie von einem Vitalstoffmangel bedroht?

Es gibt Menschen, die für einen Vitalstoffmangel prädestiniert sind. Hierzu gehören Sie, falls Sie

  • keine fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag zu sich nehmen, davon einen Teil roh,
  • auf Vollkornprodukte überwiegend verzichten,
  • sich viel von Fertiggerichten, Konserven oder süßen Lebensmitteln ernähren,
  • über 60 Jahre alt sind,
  • an chronischen Erkrankungen von Magen und Darm leiden,
  • an Diabetes, Krebs oder ­Lebererkrankungen leiden,
  • oft Alkohol trinken ,
  • Raucher sind,
  • regelmäßig Medikamente wie Cholesterinsenker einnehmen,
  • strenge Diät halten.

Klassische Mangel­krankheiten treten kaum noch auf

Auch wenn Sie aufgrund dieser Auflistung den Verdacht haben, dass Sie sich nicht ausreichend mit Vitalstoffen versorgen, sollten Sie wissen, dass gravierende Vitaminmangelerkrankungen heute kaum noch vorkommen. Skorbut aufgrund von Vitamin-C-Mangel ist genauso selten geworden wie Rachitis, weil zu wenig Vitamin D zugeführt wurde. Aber auch leichtere Vitaminmängel sollten Sie nicht auf die leichte Schulter nehmen. Denn schon sie können sich negativ auf Organe und das Immunsystem, aber auch auf die Fähigkeiten Ihres Gehirns auswirken. Ein Grund mehr dafür, dass Ihr Arzt bei unklaren Beschwerden immer auch einen Vitalstoffmangel in Betracht ziehen und eine Blutuntersuchung durchführen sollte.

Diese Blutwerte sollte Ihr Arzt auf jeden Fall untersuchen

  • Biotin. Ein Mangel führt zu Haarausfall, brüchigen Haaren und Nägeln oder Muskelschmerzen. Der Wert, den Ihr Arzt in Ihrem Blut misst, sollte zwischen 0,2 und 1,2 µg/l liegen.
  • Coenzym Q10. Fehlt Ihnen dieser Stoff, fühlen Sie sich körperlich schwach. Zudem kann es zu einer Herzschwäche kommen. Der richtige Blutwert beträgt zwischen 0,5 und 1,1 mg/l.
  • Ferritin. Das ist der Eisenspeicher im Blut, der Spiegel der Eisenreserven. Ein Eisenmangel ruft Kopfschmerzen, ständige Schlappheit und Müdigkeit, Verdauungsprobleme, rissige Mundwinkel und dauerhafte Infekte hervor. Der Ferritinspiegel sollte bei Frauen über 50 ng/ml und bei Männern bei 120 ng/ml liegen.
  • Kalium. Bei einem Kaliummangel kommt es zu  Herzrhythmusstörungen, verringerten Blut- druckwerten, Muskelschwä­che, Lähmung, Gefühlsstörungen und Verstopfung. Der Blutwert sollte bei 19 bis 195 mg/l liegen.
  • Kalzium. Auch hier führt ein Mangel zu Kopfschmerzen. Zudem kann er Osteoporose auslösen, die Nebenschilddrüse beeinträchtigen und Muskelkrämpfe auslösen. Ihr Blutwert sollte daher 95 bis 110 mg/l nicht unterschreiten.
  • Magnesium. Muskelkrämpfe, Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen sind Anzeichen für einen Magnesiummangel. Der ­Magnesiumblutwert sollte zwischen 22 und 25 mg/l liegen.
  • Selen. Fehlt dieser Vitalstoff, drohen Abwehrschwäche und dadurch bedingt häufige Infekte, Schilddrüsenkrankheiten sowie Asthma. Ausreichend Selen im Blut haben Sie bei einem Wert von 150 bis 170 µg/l.
  • Vitamin A. Nachtblindheit, ein schwaches Immunsystem, eine gestörte Wundheilung und entzündliche Erkrankungen der Haut sind Anzeichen für einen Vitamin-A-Mangel. Ausreichend versorgt sind Sie bei einem Blutwert von 400 bis 830 µg/l.
  • Vitamin B1. Ein Mangel löst Kopfschmerzen, Alkoholmiss­brauch und depressive Verstimmungen aus. Der Blutwert sollte 15 bis 90 µg/l, gemessen im Vollblut, nicht unterschreiten.
  • Vitamin B12. Müdigkeit, Nervenstörungen und Lähmungserscheinungen weisen auf einen B12-Mangel hin. Gemessen wird bei Vitamin B12 der an das Transporteiweiß Holo-Transcobalamin gebundene Anteil. Dieser sollte 35 bis 60 pmol/l betragen.
  • Vitamin C. Haben Sie zu wenig Vitamin C im Blut, kommt es zu einer deutlich gesteigerten Infekt­anfälligkeit. Ihr Blutdruck ist erhöht, Wunden heilen schlechter und Ihr Zahnfleisch blutet leichter. Der Blutwert sollte zwischen 8 und 14 mg/l betragen.
  • Vitamin D. Ein Mangel löst häufig Osteoporose aus. Zudem kann er zu Schuppenflechte, Hautentzündungen oder Herzrhythmusstörungen führen. Der Blutwert sollte bei 25 bis 300 nmol/l liegen.
  • Vitamin K. Eine gesteigerte Blutungsneigung ist das Ergebnis eines Vitamin-K-Mangels. Auch kann er Osteoporose verursachen. Der Blutwert sollte daher ständig zwischen 1,1 und 2,12 µg/l liegen.

Diese Fehlerquellen ­drohen bei der ­Blutuntersuchung

Leider ist eine Blutuntersuchung nicht problemlos. Es können an vielen Stellen Fehler gemacht werden. Häufige Fehlerquellen bei der Blutuntersuchung sind zum Beispiel

  • zu langes Stauen des Blutes,
  • Verwendung von zu kleinen Kanülen, dadurch können die Blutzellen zerfallen,
  • zu langer Transportweg zum Labor,
  • fehlender Schutz vor Licht beim Transport,
  • unterschiedliche Entnahmezeitpunkte bei aufeinanderfolgenden Blutentnahmen,
  • Konsum von Alkohol am Tag zuvor,
  • Verwendung von unterschiedlichen Testverfahren im Labor,
  • Nutzung von unterschied­lichen Laboratorien.

Diese Fehler können die Ergebnisse einer Blutuntersuchung dras­tisch verändern. So führt zum Beispiel ein fehlender Schutz vor Licht beim Transport zur Veränderung des Wertes von Vitamin B1 und B12 – ein Mangel wird diagnostiziert, wo eigentlich gar keiner ist. Auch sollte Ihr Arzt, wenn er Vergleichsblutbilder bei Ihnen macht, immer den gleichen Zeitpunkt zur Blutentnahme wählen. Denn der Blutspiegel einiger Vitalstoffe schwankt im Tagesverlauf um bis zu 25 Prozent.

Ein Blutbild muss interpretiert werden

Wichtig ist, dass Ihr Arzt das Blutbild mit Ihnen bespricht und für Sie auswertet. So erfahren Sie, was ein Mangel zu bedeuten hat und wie er bekämpft werden kann. Fragen Sie Ihren Arzt vorher, ob er dies tun wird – ansonsten sollten Sie einen anderen Arzt aufsuchen. Denn mit den reinen Blutwerten an sich können Sie als medizinischer Laie nichts anfangen.Wenn Mangelerscheinungen bei Ihnen vorliegen und diese dann behoben werden, werden sich auch Ihre Beschwerden verbessern. Allerdings geht das nicht von heute auf morgen – je nach Vitalstoff kann die Beseitigung eines Mangels ein halbes Jahr, manchmal auch ein Jahr dauern. Verlieren Sie also nicht zu schnell die Geduld!

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Dr. Michael Spitzbart
Über den Autor Dr. med. Michael Spitzbart

Dies ist das Profil von Dr. med. Michael Spitzbart, dem Chefredakteur von "Dr. Spitzbart´s Gesundheits-Praxis". Hier gibt‘s alle Infos.

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