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Selen – in Spuren wirksam

Wir benötigen nur geringste Mengen – Spuren – von Selen in unserer Nahrung. Untersuchungen zeigen jedoch, dass wir trotzdem nicht immer ausreichend mit diesem lebenswichtigen Spurenelement versorgt sind. Dennoch ist nicht gleich eine Ergänzung unserer Nahrung mit einem Präparat notwendig.

Um den Überblick über die für den Körper notwendigen Mengen an Mineralstoffen zu erleichtern, werden diese in Mengenelemente und Spurenelemente eingeteilt. Dafür spielt die mengenmäßige Verteilung im Körper eine Rolle. Natrium, Kalium, Kalzium, Magnesium, Phosphor, Chlor, Schwefel und Eisen, die im Körper meist im Grammbereich vorkommen, zählen zu den Mengenelementen. Selen hingegen gehört zu den Spurenelementen, ebenso wie beispielsweise Jod und Fluor. Sie kommen im Körper nur in winzigen Mengen – in Spuren – vor und werden in Mikrogramm gemessen.

Wofür wir Selen im Körper brauchen

In unserem Körper erfüllt der Stoff Aufgaben als Bestandteil mehrerer Enzyme. Enzyme sind Biokatalysatoren. Sie beschleunigen Stoffwechselreaktionen in unserem Körper. Sehr viele dieser Biokatalysatoren benötigen für ihre Arbeit neben einem Eiweißanteil auch einen Mineralstoffanteil – zum Beispiel Selen. Dazu gehört ein sehr wichtiges Enzym, die Glutathionperoxidase. Sie ermöglicht Entgiftungsvorgänge im Körper. Sie fängt zellschädigende Sauerstoffverbindungen (freie Radikale) ein und macht sie unschädlich.

Auch für den Jodstoffwechsel spielt Selen eine wichtige Rolle. Hier ist es ein Baustein des Enzyms Typ-IJodthyronin-5-Dejodase, das Thyroxin in das aktivere Trijodthyronin umwandelt. Ist zu wenig davon vorhanden, kann es zu den Symptomen einer Schilddrüsenunterfunktion kommen. Wie wichtig dem Körper die Funktion der Schilddrüsenhormone ist, zeigt sich daran, dass bei Mangel an dem hier im Fokus stehenden Stoff der Jodstoffwechsel auf Kosten der Entgiftungsfunktionen aufrechterhalten wird. Ein so gravierender Selenmangel ist bei Gesunden jedoch selten. Allerdings begünstigen chronische Verdauungsstörungen als Folge von Darmentzündungen eine Unterversorgung mit Nährstoffen, darunter auch Selen.

Neben den Aufgaben, die es als Bestandteil von Enzymen hat, dient es der Immunabwehr. Nur mit Hilfe von Selen kann unser Körper die an der Immunabwehr beteiligten Zellen bilden.

Sind Sie ausreichend versorgt?

Wie viel Selen wir wirklich brauchen, ist noch nicht geklärt. Es ist aber bekannt, dass die Nahrung von Chinesen, die an der Keshan-Krankheit, einer Schädigung des Herzmuskels, litten, eindeutig zu wenig davon enthielt: weniger als 10 µg Selen pro Tag. Lang andauernder schwerer Selenmangel führt zur Kashin-Beck-Krankheit, einer Knochenerkrankung mit Gelenkentzündungen und Zwergwuchs, die auch vor allem in Teilen von China mit extrem selenarmen Ackerböden auftritt.

Wie kommen Sie zu genügend Selen?

Auch unsere Ackerböden sind arm an Selen, ebenfalls die von Finnland, Dänemark und Neuseeland. Deshalb tragen die meisten pflanzlichen Lebensmittel aus der heimischen Produktion oder aus den genannten Ländern kaum zu unserer Selenversorgung bei. Anders sieht es mit tierischen Nahrungsmitteln aus, denn das Tierfutter wird in der Europäischen Union damit angereichert. Importgetreide aus Kanada und den USA sowie andere pflanzliche Lebensmittel aus Ländern mit selenreichen Böden helfen, unseren Bedarf zu decken. Der weltweite Handel mit Nahrungsmitteln macht dies möglich.

Ein ausgeprägter Selenmangel ist bei den meisten Deutschen nicht festzustellen. Die Selenversorgung in Deutschland ist zwar nicht so niedrig, dass es zu ausgesprochenen Mangelerkrankungen kommt, aber noch lange nicht so gut, dass wir uns als optimal versorgt betrachten können. Frauen nehmen durchschnittlich 30 µg Selen mit der Nahrung auf, Männer 41 µg. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) schätzt aber, dass Erwachsene mindestens 30 bis 70 µg pro Tag brauchen, um gesund zu bleiben. Mit der in Deutschland üblichen Ernährung erreichen also Frauen diese Schätzwerte nur knapp, und die Selenversorgung der Männer bewegt sich eher an der unteren Grenze.

Mehr als das Minimum für Ihre Gesundheit!

Eine Selenversorgung, die den Mindestbedarf übersteigt, erscheint sinnvoll, wenn wir die Entgiftungsfunktion von Selen näher betrachten. Das selenabhängige Enzym Glutathionperoxidase fängt aggressive Sauerstoffverbindungen ab, die in unserem Körper selbst gebildet oder mit der Nahrung und der Atemluft aus der Umwelt aufgenommen werden. Ungebremst schädigen diese Sauerstoffverbindungen die Schutzhüllen unserer Zellen oder zerstören sie vollends. Damit tragen sie zur Entstehung von Krebs, Arteriosklerose und Arthritis bei.

Auch bei Entzündungen werden aggressive Sauerstoffverbindungen freigesetzt: Körpereigene Fresszellen setzen sie ein, um die Entzündung zu bekämpfen. Bakterienzellen werden durch die Sauerstoffradikale wirkungsvoll zerstört – leider aber auch gesundes körpereigenes Gewebe. Um die Schäden gering zu halten, fangen antioxidative Verbindungen wie das Enzym Glutathionperoxidase die Radikale ein und beenden so die Reaktion.

Selen kann therapeutisch genutzt werden

Die orthomolekulare Medizin (eine Medizinrichtung, die therapeutisch hochdosierte Nährstoffe anwendet) nutzt die zellschützenden Eigenschaften des Stoffes für die Behandlung von Arthritis und Arteriosklerose. Einigen Experten zu Folge sollen Selengaben auch das Krebsrisiko reduzieren und im Frühstadium der Erkrankung hilfreich sein. Diese Wirkungen sind wissenschaftlich jedoch noch nicht eindeutig belegt.

Zuviel Selen kann Sie vergiften!

Das Spurenelement ist ein klassisches Beispiel dafür, dass der Satz „Viel hilft viel“ in der Medizin nicht gilt. Doch was ist „viel“? Mindestens 30 µg Selen pro Tag müssen wir aufnehmen, um gesund zu bleiben. In Ländern mit selenreichen Böden nehmen die Bewohner täglich etwa 100 bis 200 µg auf. Bei bis zu 400 µg pro Tag sind für Frauen keine schädlichen Effekte zu befürchten. Gelegentlich werden sogar 600 µg vertragen.

Die Gefahr einer chronischen Vergiftung besteht jedoch, wenn mehr als 8 µg Selen pro Kilogramm Körpergewicht aufgenommen werden. Das sind für eine Frau von 50 kg Körpergewicht 400 µg Selen. Für einen Mann von 75 kg liegt die Grenze bei 600 µg Selen pro Tag. Werden auf Dauer mehr als 3 mg (3000 µg) Selen zugeführt, ist die chronische Vergiftung programmiert. Therapeutisch können jedoch solche Dosen über kurze Zeit und unter fachlicher Betreuung sinnvoll sein.

Nehmen Sie Selenpräparate ein, sollten Sie genau auf die Dosierung achten. Inbesondere, wenn Sie sich täglich mehrere Päparate mit Nährstoffkombinationen einverleiben, können Sie leicht Ihre Grenzen für Selen überschreiten. Therapeuten der orthomolekularen Medizin raten, nicht mehr als 200 µg Selen pro Tag ohne ärztliche Rücksprache einzunehmen.

Diese Lebensmittel sind reich an Selen

Trotz der Selenarmut unserer Böden enthalten einige heimische Nahrungsmittel nennenswerte Mengen an Selen, wenn diese auch Schwankungen unterworfen sind. Sie sollten sie bewusst in Ihren Speiseplan aufnehmen, um Ihren Selenbedarf zu decken. Untersuchungen haben übrigens gezeigt, dass Vegetarierinnen nicht schlechter mit Selen versorgt sind als Normalköstlerinnen, sofern sie genügend Nüsse, Eier und Milch verzehren.

In Lebensmitteln ist Selen an Eiweiß gebunden. Daher sind eiweissreiche Lebensmittel auch gute Selenquellen. Das gilt besonders für Fleisch von Schweinen und Geflügel und auch für Hühnereier. Auch Nüsse liefern reichlich Selen, ebenso bestimmte Fische (Karpfen, Thunfisch, Sardine, Hering). Rindfleisch und Milch können gute Selenquellen sein, wenn die Tiere selenreiches Futter erhalten und nicht ausschließlich auf der Weide gehalten werden.

Einheimische Getreide tragen kaum zur Selenversorgung bei. Besonders weiße Mehle sind selenarm, denn die mineralstoffreichen Außenschichten wurden entfernt.

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