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Nahrungsergänzung – Wann können Ihnen Vitamine gefährlich werden?

Vitamine sind heutzutage w

Tabletten© Digitalpress - Fotolia
ortwörtlich in aller Munde. Sei es die gezielte, hoch dosierte Ergänzung oder die Brausetablette, um einen „Rundumschlag“ zu machen. Immer wieder aber stellt sich die Frage: Können Sie nicht doch überdosieren? Es wird sogar behauptet, durch zu hohe Vitamindosen könne es zu Vergiftungserscheinungen kommen. Ich zeige Ihnen, wie Sie in diesem Chaos durchblicken und ob Sie Vitamintabletten wirklich überdosieren können.

Sicherlich kennen Sie als meine Leser den Unterschied zwischen den Vitaminen auswendig, auch wenn man Sie nachts um 3 Uhr wecken würde: Es gibt fettlösliche und wasserlösliche Vitamine. Die einen reichern sich an, die anderen werden ausgeschieden.

Definitiv nicht zu meinen Lesern gehörte die Gruppe von Polarforschern, von denen berichtet wurde, dass sie sich von Eisbären- und Robbenleber ernährten. Natürlich hatten sie sich das gut überlegt, denn die Leber enthält ja besonders viele Nährstoffe. Und die sind am Pol ansonsten Mangelware. Aber es hat einen guten Grund, warum die Eskimos diese Leber verschmähen. Die Forscher bekamen diesen am eigenen Leib zu spüren. Schnell nach den ersten Mahlzeiten litten sie unter Kopfschmerzen und Erbrechen, noch nach Wochen an Leberentzündung und Gelbsucht.

Warum Eisbärenleber zu Vergiftungen führt

Warum war diese Mahlzeit, obwohl so reich an Nährstoffen, so gesundheitsschädigend? Eben wegen der vielen Nährstoffe. Eisbären ernähren sich von Seefisch, der viel Vitamin A und D enthält. Diese beiden fettlöslichen Vitamine sammeln sich in der Leber an. Die Folge: Schon 10 Gramm Eisbärenleber lassen Vergiftungserscheinungen auftreten. Übrigens: Vitamin D in sehr großer Dosis wird als Rattengift verwendet. Nach zwei Tagen sterben die Ratten an Leberversagen.

Vitamin A und D: Rechnen Sie die Dosis lieber nach

Sie sehen also: Die beiden fettlöslichen Vitamine A und D sind mit Vorsicht zu genießen. Daher bin ich auch kein Fan von „ACE“-Getränken, die überall als Erfrischungsgetränke zu kaufen sind. Schon mit einem halben Liter können Sie darüber so viel Vitamin A zu sich nehmen, dass Sie zusammen mit Ihrer Nahrung eine Überdosierung erzielen. Zu wenig Vitamin A dürfen Sie aber auch nicht zu sich nehmen. Denn Vitamin A und D machen Ihr Immunsystem stark. Es sind effektive Krebsschützer. Vitamin D brauchen Sie darüber hinaus auch für starke Knochen.

Bei diesen Vitaminen sollten Sie also besser nachrechnen, ob Sie am Tag genügend oder schon zu viel bekommen haben. Vitamin A nehmen Sie zu sich, wenn Sie viel Obst und Gemüse essen. Die hierin enthaltenen Karotinoide werden von Ihrem Körper in Vitamin A umgewandelt, und zwar genau nach Bedarf. Ein „Zuviel“ ist bei solchen natürlichen Quellen ausgeschlossen.

Nehmen Sie allerdings Nahrungsergänzungsmittel zu sich, achten Sie bitte auf die Dosierung:

  • Vitamin A nicht mehr als 2.300 Mikrogramm pro Tag
  • Vitamin D nicht mehr als 10 Mikrogramm pro Tag

Vitamin E und K: Die Ausnahmen bei den fettlöslichen Vitaminen

Auch Vitamin E und K gehören zu den fettlöslichen Vitaminen. Dennoch gebe ich Ihnen für diese beiden keine Dosierungsregeln. Denn beide haben eine Sonderstellung: Sie werden für den  Fall, dass sie zu reichhaltig vorhanden sind, einfach mit dem Urin ausgeschieden. Es ist also egal, welche Menge dieser Vitamine Sie zu sich nehmen. Die Gefahr einer Überdosis besteht hier nicht.

Wasserlösliche Vitamine: Überdosierung ausgeschlossen

Aber wie sieht es mit den wasserlöslichen, also allen anderen Vitaminen aus? Können Sie diese überdosieren? Klare Antwort: Nein! Es gibt zwar so genannte „empfohlene Obergrenzen“. Bis zu diesen Grenzen, das wissen wir durch viele Studien, können Sie gefahrlos Vitamine zu sich nehmen. Aber auch über diese Grenzen hinweg gilt: Alles, was Sie zu viel an Vitamin C oder den B-Vitaminen zu sich nehmen, scheiden Sie einfach über Ihren Urin wieder aus – genauso wie die fettlöslichen Vitamine E und K.

In den USA gibt es das so genannte Poison Control Center. Hier werden alle Vergiftungsfälle im ganzen Land registriert. In den letzten zehn Jahren ist es noch nicht vorgekommen, dass Vergiftungserscheinungen aufgrund von Überdosierungen wasserlöslicher Vitamine registriert wurden. Das ist besonders beruhigend vor dem Hintergrund, dass in Amerika viel mehr Vitaminpräparate geschluckt werden als hier in Deutschland – und dass dort die empfohlene Tagesdosis weit höher liegt.

Lassen Sie sich nicht durch die Presse verwirren

Nichtsdestotrotz geistern immer wieder Meldungen durch die Presse, die von einer Vergiftung durch Vitamine sprechen. Abgezielt wird dabei auf die handelsüblichen Brausetabletten. Wer setzt diese Meldungen in die Presse? Das sind in der Regel Hersteller von teuren Präparaten, die vor billigen Brausetabletten warnen wollen, um Sie als Verbraucher zu den teuren Präparaten zu treiben.

Es scheint sich noch nicht im Allgemeinwissen verankert zu haben, dass es überhaupt nicht möglich ist, sich mit diesen Sprudeltabletten zu vergiften. Denn Vitamin A und D sind fast nie enthalten, und alle anderen Vitamine sind in gesundheitlich unbedenklichen Dosen zugeführt.

Ein eindrucksvolles Rechenbeispiel: Die Vitamin-B6-Überdosierung

Damit Sie wissen, wie Sie die Zeitungsberichte über Überdosierungen einzustufen haben, möchte ich Ihnen ein eindrucksvolles Rechenbeispiel nicht vorenthalten. Nehmen wir als Beispiel einmal das Vitamin B6. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt als Tagesdosis 1,3 mg Vitamin B6.

Kurzfristig können Sie bis zu  20.000 mg Vitamin B6 vertragen, ohne dass es zu Beschwerden kommt. Das ist eine Menge, die in rund 3.000 bis 153.000 Brausetabletten enthalten ist – also unmöglich zu erreichen.

Nebenwirkungen, zum Beispiel Nervenschmerzen, treten erst dann auf, wenn Sie jeden Tag 500 mg Vitamin B6 und das über längere Zeit hinweg zu sich nehmen. Das entspricht einer Menge, die in rund 380 Brausetabletten enthalten ist. Auch hier werden Sie Schwierigkeiten haben, die Dosis zu erreichen.

Versorgen Sie sich aus natürlichen Vitamin-Quellen

Ich persönlich halte nicht allzu viel von den Brausetabletten, weil Sie damit viel zu wenig der enthaltenen Vitamine aufnehmen. Dennoch weiß ich, dass viele Menschen sie zu sich nehmen. Die Gründe sind verschieden: Sei es als „Gewissensberuhigung“ oder weil es gut schmeckt, vielleicht noch als Mini-Vitamin-Zugabe zu der ansonsten ausgewogenen Ernährung.

Natürlich können Sie Brausetabletten ruhig weiter verwenden. Sie können damit keine Überdosierung erreichen. Noch besser wäre es aber, Sie verzichten auf diese Vitaminzufuhr. Versorgen Sie sich lieber über Ihre Ernährung mit den nötigen Vitaminen. Welche Mengen Sie brauchen und worin genügend Vitamine enthalten sind, können Sie der Tabelle auf den vorherigen Seiten entnehmen.

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Dr. Michael Spitzbart
Über den Autor Dr. med. Michael Spitzbart

Dies ist das Profil von Dr. med. Michael Spitzbart, dem Chefredakteur von "Dr. Spitzbart´s Gesundheits-Praxis". Hier gibt‘s alle Infos.

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