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Unterschenkelgeschwüre: Kann ein Vitalstoffmangel die Ursache sein?

Nicht selten bekommen Patienten mit einer offenen Wunde am Unterschenkel von ihrem Arzt zu hören: „Na, ob wir das wieder zubekommen, kann ich Ihnen beim besten Willen nicht versprechen!“ Vielleicht ist diese Aussage ehrlich gemeint, aber ermutigend ist sie mit Sicherheit nicht. Es ist zwar richtig, dass die Therapie eines Unterschenkelgeschwürs („offenes Bein“) ein sehr langwieriger Prozess sein kann. Aber die modernen Verbands- und Behandlungsmethoden sind mittlerweile so ausgereift, dass bei konsequenter Wundpflege – bei der Arzt, Pflegepersonal und Patient gemeinsam als Team arbeiten – eine Heilung fast immer möglich ist. Doch die Wundbehandlung von außen ist nur ein Faktor. Sie können den Heilungsprozess auch von innen unterstützen. Warum dabei vor allem die Vitamine A, C und Pantothensäure (ein B-Vitamin) wichtig sind, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Oft liegt eine Venenschwäche vor

Von einem chronischen Unterschenkelgeschwür (medizinisch: Ulcus cruris; lat.: ulcus = Geschwür, crura = Unterschenkel) sind in Deutschland fast 1,5 Mio. Patienten betroffen. In 80 bis 90 % der Fälle ist daran eine Venenschwäche schuld. In den Venen sorgen normalerweise klappenartige Ventile dafür, dass das verbrauchte Blut in Richtung Herz und Lunge zurücktransportiert wird. Sind diese Venenklappen geschwächt, bildet sich vor allem im Bereich der Waden ein Blutstau. Die Venen schwellen an und üben einen ständigen Druck auf die Haut aus. Außerdem werden schädliche Stoffwechselprodukte nicht mehr rasch genug abtransportiert und schädigen das umliegende Gewebe. Diese ungünstigen Verhältnisse führen unbehandelt langfristig zur Bildung des nur noch schlecht heilenden Hautgeschwürs.

Das sind die Folgen einer Venenschwäche:

  • Krampfadern
  • gesteigertes Thromboserisiko
  • Venenentzündungen
  • Unterschenkelgeschwüre (Ulcus cruris)

Ein geringerer Teil der „offenen Beine“ ist auch auf Arteriosklerose zurückzuführen. Die verengten Arterien führen nicht mehr genügend Nährstoffe heran und die Wundheilung ist erschwert. Typischerweise treten die Geschwüre bei Venenschwäche an der Innenseite etwas oberhalb der Knöchel auf, bei verengten Arterien dagegen eher an der Außenseite. Weitere (seltene) Ursachen sind u. a. Diabetes, Lymphabflussstörungen oder Bindegewebsentzündungen.

Die Wundpflege wird oft nur nachlässig betrieben

Das A und O bei der Behandlung eines Unterschenkelgeschwürs sind die korrekte Wundversorgung und – wenn eine Venenschwäche als Ursache festgestellt wurde – die Komprimierung der Wade durch feste Bandagen oder spezielle Kompressionsstrümpfe. Sie sollten die Wundpflege am besten von einem gut ausgebildeten Praxisteam entweder beim Hausarzt, in einer chirurgischen Praxis oder bei einem Gefäßexperten (Phlebologen, Angiologen) vornehmen lassen. Dort werden Sie auch beraten, was Sie selbst oder Ihre Angehörigen zur Wundpflege beitragen können.

Faktoren, die die Wundheilung erschweren:

Allgemeine Faktoren:

  • Gefäßerkrankungen (Arteriosklerose, Venenschwäche)
  • Allgemeinerkrankungen (Anämie, Krebsleiden, Diabetes mellitus)
  • Vitalstoffmangel
  • Infektionskrankheiten
  • Allergien
  • Kortisonbehandlungen
  • Zytostatika (z. B. in der Krebstherapie)
  • Antibiotika

Faktoren an der Wunde selbst:

  • bakterielle Infektion
  • Fremdkörper
  • abgestorbenes Gewebe
  • Austrocknung
  • Kälte
  • spannende Wundränder
  • Blutergüsse oder Blutung
  • Vorschädigung des Gewebes (z. B. bestrahlte Haut)
  • zu frühe Belastung
  • Verletzungen und Infektionen beim Verbandwechsel

Trotz der heute gültigen Pflegestandards werden chronische Wunden leider immer noch viel zu oft falsch behandelt.

Vitamin C und Pantothensäure lassen neue Hautzellen wachsen

Neben der richtigen Wundbehandlung sollten Sie jedoch auf die ausreichende Zufuhr von Vitalstoffen achten. Denn für die Wundheilung sind verschiedene Vitamine und Mineralstoffe ganz besonders wichtig. Zum einen fördern sie die Neubildung von Haut und Bindegewebe, zum anderen aktivieren sie die Abwehrkräfte, die im Kampf gegen Wundinfektionen besonders gefragt sind.

Von größter Bedeutung für die Wundheilung ist das Vitamin C. Es ist ein wichtiger Co-Faktor für Enzyme, die an der Synthese von Kollagen beteiligt sind. Kollagen ist ein faserförmiges Protein und die Hauptkomponente des Bindegewebes. Ohne Vitamin C verliert das Bindegewebe an Festigkeit und Stabilität. Wie wichtig es für die Haut ist, zeigen einige der Symptome der Vitamin-C-Mangelkrankheit Skorbut: Hautverfärbungen, Wundheilungsstörungen und eine erhöhte Neigung zu Blutungen. Neben den fettlöslichen Vitaminen A und E, die eine wesentliche Rolle für die Regeneration der Hautzellen spielen, ist vor allem auch die Pantothensäure (ein B-Vitamin) für die Wundheilung wichtig. Sie fördert die Bildung des so genannten Granulationsgewebes. Das ist ein weiches, zellreiches und von vielen Blutgefäßen durchzogenes Gewebe, das sich in einer Wunde bildet und während des weiteren Heilungsprozesses nach und nach durch vollständig regenerierte Hautschichten ersetzt wird. Ohne dieses Vorläufergewebe ist ein Wundverschluss nicht möglich.

Präparate können Nährstoffmängel ausgleichen

Die Spurenelemente Zink und Kupfer sind ebenfalls wichtige unterstützende Faktoren für Enzyme, die an der Wundheilung und Immunabwehr beteiligt sind. Mehrere internationale Studien konnten zeigen, dass bei Patienten mit einem erniedrigten Zinkspiegel im Blut die Wundheilung deutlich langsamer abläuft. Nicht nur wenn Sie an einem Unterschenkelgeschwür leiden, sollten Sie auf eine ausreichende Vitalstoffzufuhr großen Wert legen. Besonders fatal: Bei älteren Patienten verläuft die Wundheilung oft verzögert. Und gerade diese Personengruppe leidet aufgrund einseitiger Kost auch sehr oft an Nährstoffmängeln. Für sie kann der Einsatz eines Nahrungsergänzungs-Präparates eine wertvolle Hilfe sein. Solche Präparate befreien jedoch nicht von der Notwendigkeit einer sorgfältigen Wundpflege.

Darauf sollten Sie bei der Wundpflege achten:

  • Eine Fehlerquelle, die man oftmals in der Praxis antrifft, ist, dass Wunden nicht gespült werden. So können Gewebetrümmer auf der Wunde zurückbleiben und den Heilungsprozess verlangsamen.
  • Wunden sollten nicht mit Kochsalzlösung gespült werden. Kochsalz kann die Bindegewebszellen schädigen und die Bildung neuen Bindegewebes erschweren. Besser ist es, offene Wunden mit Ringerlösung (sie enthält weitere Salze) zu spülen.
  • Antibiotika sollten nur in Ausnahmefällen äußerlich im Wundenbereich angewandt werden. Sie dringen nicht weit genug in die Wunde ein und fördern so das Wachstum resistenter Bakterien.
  • Viele Patienten leiden aufgrund der häufigen Anwendung von Salben an einer Kontaktallergie gegen bestimmte Salbengrundstoffe (z. B. Wollwachs) oder Konservierungsmittel. Die allergische Reaktion kann den Heilungsprozess beeinträchtigen. Wechseln Sie auf ein allergenfreies Produkt (z. B. Tyrosur®). Bei offenen Wunden sollten Sie ohnehin keine Salben verwenden, da sie ein idealer Nährboden für Bakterien sind.
  • Gänzlich ungeeignet zur Behandlung eines Unterschenkelgeschwürs ist das oft zur Desinfektion verwendete Mercuchrom® (früher: Mercurochrom). Die rote Lösung enthält giftiges Quecksilber, das vom Körper aufgenommen werden kann. Außerdem trocknet es die Wunden aus. Die Färbung erschwert zudem die Bewertung des Heilerfolges.

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