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Multivitaminpräparate: Ergänzen Sie einseitige Nahrung mit allem was Sie brauchen

von Dr. Michael Spitzbart, Chefredakteur von „Dr. Spitzbart’s Gesundheits-Praxis“

In Deutschland besteht häufig eine Mangelversorgung an bestimmten Mineralstoffen – häufig wird dann versucht, diesen Mangel durch Multivitaminpräparate auszugleichen. Die Diskussion um Sinn und Notwendigkeit von solchen Präparaten führt oft zu einer Verunsicherung des Verbrauchers und des Patienten, dessen Arzt zu so einem Produkt rät.

Da gibt es auf der einen Seite die Vertreter der gesunden Ernährung, die solche Produkte als überflüssig und Geldmacherei vehement ablehnen. Auf der anderen Seite stehen die Menschen, deren Ernährung sich überwiegend aus Fast-Food, fettreichen Lebensmitteln und wenig frischen pflanzlichen Bestandteilen zusammensetzt und die ihre groben Ernährungsfehler mit einer Reihe von Pillen und Pulvern auszugleichen versuchen. Diese polarisierende Betrachtungsweise vernachlässigt, dass in Deutschland häufig eine Mangelversorgung an bestimmten Mineralstoffen besteht sowie die Tatsache, dass verschiedene Lebensumstände eine ausreichende Zufuhr über die Nahrung stark erschweren.

Vitaminpräparate brauchen Sie dann nicht anzuwenden, wenn Sie sich ausreichend und abwechslungsreich ernähren. Aber eine optimale Ernährung ist im Alltag nicht immer gewährleistet. Gründe dafür können sein:

– Zeitmangel

– Mangelnde Kenntnisse über Lebensmittel und deren Inhaltsstoffe

– Persönliche Abneigung gegenüber bestimmten Lebensmitteln z. B. Fisch

– Kantinenessen, Essen in Schulen oder Kindergärten

– Bei älteren Menschen Kaubeschwerden oder durch körperliche Schwäche eingeschränkte Einkaufs- und Zubereitungsmöglichkeiten

– Bei Kindern die Präferenz für wenige Gerichte, Ablehnung von Obst und Gemüse

In diesen Fällen haben Mutivitaminpräparate durchaus ihre Berechtigung und schließen als Ergänzung die Lücken, die sich in der täglichen Ernährung auftun. Sie sind jedoch nicht als Alibi für eine leichtsinnige Ernährungsweise miss zuverstehen.

In vielen Fällen ist eine Zufuhr in Form von Multivitaminpräparaten sinnvoll, teilweise sogar unbedingt erforderlich. Insgesamt ist die Zufuhr an Mineralstoffen und Spurenelementen in den letzten Jahrzehnten durch den verstärkten Verzehr von industriell verarbeiteten Lebensmitteln in den westlichen Industrieländern rückläufig. Hier stammen nur noch 15 Prozent der Nahrungsenergie aus Nahrungsmitteln in unveränderter Form, die ihren natürlichen Mineralstoffgehalt aufweisen. 40 Prozent der Nahrungsenergie stammen aus Fett und Öl, 20 Prozent aus Sacharose, 10 Prozent aus Alkohol und 15 Prozent aus Weißmehl. Es ist durchaus möglich, seinen gesamten Vitamin- und Mineralstoffbedarf durch eine optimal zusammengesetzte Nahrung zu decken. Eine ausgewogene Ernährung, die den gesamten Bedarf deckt, ist nicht einfach umzusetzen. Sie erfordert ein fundiertes Wissen über Lebensmittel und deren Inhaltsstoffe sowie über die Mengen, die der Organismus täglich benötigt.

Erschwert wird die Situation dadurch, dass eine fleischarme Ernährung zwar zu einer erwünschten Verringerung an ungünstigen gesättigten Fettsäuren führt, gleichzeitig aber eine unerwünschte verringerte Mineralstoffaufnahme, vor allem beim Eisen, bedeutet. Vegetarier haben häufig ein gesünderes Körpergewicht, die Ballaststoffzufuhr ist ausreichend, die Vitamin-C-Versorgung gut, jedoch fehlen häufig die B-Vitamine, Zink und Eisen. In verschiedenen Situationen wie beispielsweise der Schwangerschaft oder Stillzeit ist der Bedarf an einigen Nährstoffen deutlich erhöht und eine ausreichende Versorgung nicht möglich. Hierzu zählen insbesondere Folsäure und Eisen. Ebenso haben ältere Menschen häufig einen erhöhten Bedarf an bestimmten Nährstoffen, demgegenüber aber einen nachlassenden Appetit und einen niedrigeren Energiebedarf aufgrund von geringerer körperlicher Aktivität.

Wenn Sie ein Multivitamin- und Mineralstoffpräparat suchen, haben Sie die Qual der Wahl. Unzählige Präparate locken mit bunten Packungen. Was vor allem interessiert, sind aber die aufgedruckten Informationen. Zunächst ist zu prüfen, welche Vitamine und Spurenelemente das Präparat enthält. Da ein Vitaminmangel selten allein kommt, empfiehlt sich ein Mix mit breitem Spektrum. Vor allem die Vitamine und Spurenelemente, an denen es häufig mangelt, sollte das Präparat enthalten – wie Vitamin C und E sowie Betakarotin und Folsäure. Der nächste Blick sollte der Dosierung gelten. Welche Mengen an Vitaminen und Spurenelementen enthält das Präparat? Ideal ist, wenn der Hersteller zusätzlich zu den absoluten Mengen auch noch Angaben in Prozent des Tagesbedarfs macht. Denn das verschafft einen gewissen Eindruck, wie hoch die Dosis tatsächlich sein sollte. Es hilft zudem, das Preis-Leistungs-Verhältnis abzuschätzen. Zum Preisvergleich ist es auch sinnvoll, die Tagestherapiekosten auszurechnen: die Kosten also, die bei empfohlener Dosierung pro Tag entstehen.

Zu fragen ist auch, ob die angegebene Dosierung praktikabel ist. Es ist nun einmal schwieriger, dreimal täglich an die Einnahme zu denken als einmal. Achtung: Tag sechs Tabletten einzunehmen, wenn die Empfehlung „dreimal zwei Tabletten“ lautet. Denn gerade von wasserlöslichen Vitaminen kann der Körper nur eine begrenzte Menge auf einmal aufnehmen. Der Rest wird ungenutzt ausgeschieden.

Multivitaminpräparate gibt es in den unterschiedlichsten Formen: Als Tabletten oder Kapseln, als Brausetabletten oder Pulver. Tabletten oder Kapseln haben den Vorteil, dass sie sich ohne größere Umstände einnehmen lassen. Pulver dagegen muss man erst irgendwo untermischen, Brausetabletten erst auflösen. Hinzu kommt: Nicht jeder kann sich mit dem Geschmack anfreunden. Doch wer Probleme mit dem Tabletten-Schlucken hat, wird diese beiden Varianten angenehmer finden.

Kaufen Sie Ihre Multivitaminpräparate am besten in Apotheken oder Drogerien sowie bei seriösen Versendern. Aber lassen Sie die Finger von Firmen, die mit dem so genannten „Multilevel-Marketing“ arbeiten. Hierbei sollen Sie als Kunden neue Abnehmer werben und erhalten eine Prämie, je nachdem, wie viele neue Kunden Sie geworben haben. Diesen Firmen geht es meistens nur um Geld. Es werden utopische Werbeversprechen gemacht und es wird mit pseudowissenschaftlichen Aussagen gearbeitet. Ebenfalls sollten Sie bei allzu übertriebenen Werbeversprechen misstrauisch werden. Mit keinem Produkt der Welt wird es Ihnen von jetzt auf gleich unwahrscheinlich gut gehen. Diese Versprechen dienen lediglich dazu, die Produkte völlig überteuert zu verkaufen.

Vorsichtig sein sollten Sie auf jeden Fall, wenn

– Ängste geschürt werden,

– Wundermittel als Problemlöserherhalten sollen,

– Erfolgsgarantien gegeben werden,

– das Mittel durch Ärzte oder Heilpraktiker verkauft wird,

– keine vollständige Anschrift des Vertreibers bzw. nur eine Anschrift im Ausland angegeben wird. Mehr zum Thema lesen Sie hier:

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