Ödeme: Wenn Ihre Beine Wasser tragen

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Fast jede Frau kennt das: An manchen Tagen fühlt sie sich wie aufgeblasen, hat angeschwollene Knöchel und schmerzende Brüste. Der Grund: Wassereinlagerungen im Gewebe. Meist helfen einfache Hausmittel. Manchmal verbirgt sich aber auch eine ernsthafte Erkrankung dahinter


Viele Frauen fühlen sich vor allem in der zweiten Zyklushälfte wie "aufgeschwemmt". Der BH spannt, die Beine sind stramm und die Füße quellen aus den Schuhen hervor. Manchmal sind nach dem Genuss von Rotwein und salzigen Erdnüssen Augenlider und Finger geschwollen. Nach heißen Sommertagen klagen vor allem Verkäuferinnen über geschwollene Beine und dicke Füße. Nach Flügen oder langen Autofahrten zeigt sich oft ein ähnliches Bild. Ödeme sind ein Signal für einen gestörten oder beeinträchtigten Wasserhaushalt.

Bei allen Menschen nimmt im Laufe des Tages das Wasser im Körpergewebe leicht zu – sofern sie nicht den Tag im Liegen verbringen. Bei reglosem Sitzen oder langem Stehen sackt das Blut in die Unterschenkel und drückt Wasser – genauer gesagt Lymphflüssigkeit – ins Gewebe. Das schwillt sichtbar an. Wenn Sie mit einem Finger in eine solche Schwellung drücken, bleibt für eine Weile eine kleine Delle. Meist bildet sich die Flüssigkeitsansammlung zunächst in den Beinen. Manche Ödeme schwemmen den ganzen Körper auf, andere erscheinen dort, wo das Gewebe besonders weich ist.

Je nach Ursache können die Flüssigkeitsansammlungen aus Lymphflüssigkeit, Eiweißen, Fett oder gallertartigen Substanzen bestehen. Ödeme können auf Erkrankungen der Nieren, der Leber oder der Schilddrüse hinweisen. Diese können dafür sorgen, dass flüssige Bestandteile des Blutes verstärkt ins Gewebe gedrückt werden oder ihr Rückfluss über Venen und Lymphsystem behindert ist. Auch bei einer Herzinsuffizienz, wenn das Herz nicht mehr richtig pumpt, staut sich Wasser im Gewebe. Besonders gefürchtet ist es, wenn sich Wasser in der Lunge sammelt. Das steht jedoch meist im Zusammenhang mit einer schweren Erkrankung.

Wenn eine solche Schwellung nicht verschwindet, sich verstärkt oder immer wieder auftritt, sollte sie vom Arzt abgeklärt werden. Denn dann muss zunächst nach dem Grundleiden gefahndet werden. Die Größe eines Ödems sagt nichts über die Gefährlichkeit der Krankheit aus, die dahinter stecken kann. Drei von vier Frauen leiden vor der Monatsblutung unter Wasseransammlungen, manchmal auch ganz massiv. Das liegt daran, dass die Hormone den Körper auf eine Schwangerschaft vorbereiten. Deswegen ist der Spuk mit Einsetzen der Regel ganz schnell wieder vorbei. Auch die Pille kann Ödeme verursachen, denn sie täuscht dem Körper eine Schwangerschaft vor. Wasser sammelt sich in Unterschenkeln und Knöcheln, in den Brüsten, im Gesicht (bevorzugt um die Augen herum) und an den Händen.

Relativ weit verbreitet, aber wenig bekannt ist das so genannte ideopathische Ödem. Die Betroffenen sind fast immer Frauen. Bei ihnen sind vermutlich die Wände der Kapillaren, der feinsten Blutgefäße, so porös, dass sie zu viel Flüssigkeit aus dem Blut ins Gewebe lassen. Die Beschwerden sind denen der an den hormonellen Zyklus gekoppelten ähnlich, sie sind jedoch ständig vorhanden. Es ist schwierig, dieser Ödemart auf die Schliche zu kommen, denn viele Ärzte kennen es gar nicht. Sie verschreiben aus Ratlosigkeit, was sie für das am Naheliegendsten halten: entwässernde Medikamente. Diese Diuretika sind jedoch vor allem bei Ödemen durch Herz-, Leber- und Nierenerkrankungen sinnvoll. Bei anders verursachten Ödemen – also auch dem ideopathischen – können die Entwässerungspillen die Lage jedoch verschlechtern. Sie steigern zwar die Flüssigkeitsausscheidung über die Nieren und schwemmen somit die Ödeme aus. Doch der Körper wehrt sich dagegen: Wenn das Medikament unregelmäßig eingenommen oder wieder abgesetzt wird, bindet er mehr Wasser als vorher. Daraufhin erhöhen viele der Betroffenen auf eigene Faust die Dosis und geraten so in einen gefährlichen Kreislauf, der schwere Organschäden nach sich ziehen kann.

Bei normalen Wasseransammlungen können Sie sich selbst helfen:

  • Oft lindern schon entwässernde Tees und der weitgehende Verzicht auf Kochsalz die angespannte Situation.
  • Essen Sie viel Obst und Gemüse, vermeiden Sie alles, was salzig ist, wie geräucherter Schinken, Wurst, Dosenfisch, fertige Nahrungsmittel und Lakritze.
  • Ein nicht zu heißes Vollbad regt die Wasserausscheidung an.
  • Wassertreten, Kniegüsse und Wechselduschen sind ebenso hilfreich wie Massagen.
  • Sport und Bewegung bringen auch in den Wasserhaushalt Schwung und beugen Ödemen vor.
  • Wenn Sie unter Wasseransammlungen leiden, sollten Sie, so oft es geht, die Beine hochlegen.
  • Auch nachts legen Sie die Beine am besten etwas erhöht hin, damit das Blut besser zum Herzen zurückströmen kann.

Diese Pflanzenmittel können hilfreich sein:

  • Ananas
  • Brennnesseltee
  • Extrakt aus Brunnenkresse
  • Tee aus Eisenkraut
  • Löwenzahn
  • Borretsch
  • Vogelmiere
  • Mädesüß

Nach einer Brustkrebsoperation mit Entfernung der Lymphknoten kommt es ebenfalls oft zu einem Ödem. Dabei schwillt der Arm an, in dessen Achselhöhle Lymphknoten entfernt wurden. Das kann in geringem Ausmaß der Fall sein, so dass die betroffene Frau es kaum merkt, es kann jedoch auch Krankheitswert annehmen. Das Lymphödem kann sich rasch nach der Operation entwickeln und ebenso schnell wieder verschwinden. Es tritt jedoch auch manchmal Jahre später auf oder bleibt über lange Zeit ein "treuer" Begleiter. Aufgrund der schonenderen Operationsmethoden tritt das Lymphödem heute seltener auf als früher, wo es fast jede betroffene Frau traf. Rein medizinisch gesehen ist das Lymphödem ein Abflussproblem. Die amerikanische Brustkrebsspezialistin Dr. Susan Love erklärt es so: "Normalerweise fließt Lymphflüssigkeit durch die Lymphgefäße, passiert die Lymphknoten und wird in Herznähe dem Blut wieder zugefügt. Lymphknoten wirken wie ein Sieb, sie entfernen Fremdmaterial und Bakterien. Wenn eine Operationswunde vernarbt, werden diese Abflusswege unter Umständen blockiert, und es kommt zu Stauungen."

Die Behandlung des Lymphödems ist nicht ganz einfach. Wichtig ist es vor allem, den angeschwollenen Arm zu schonen:

  • Das Tragen von schweren Gegenständen beispielsweise sollten Sie anderen überlassen.
  • Einkaufswagen und Koffer mit Rollen sind ein Muss.

Da die Mediziner glauben, dass Infektionen das Entstehen eines Lymphödem beschleunigen, gibt man Frauen nach einer Brustkrebsoperation den Rat, dieses Risiko möglichst zu vermeiden:

  • im Garten nur mit Handschuhen arbeiten,
  • nicht an heißen Herdplatten und am Backofen hantieren,
  • beim Haare-entfernen unter den Achseln aufpassen,
  • die Nagelhäutchen nicht mehr mit der Schere schneiden,
  • Nagelbettentzündungen verhindern
  • sowie Vorsicht im Umgang mit Nadel und Faden walten lassen.

Übertriebene Vorsicht ist dennoch fehl am Platz. Im Falle einer Infektion am betroffenen Arm sollte diese vom Arzt versorgt werden. Blutentnahmen, Injektionen, Infusionen und Blutdruckmessen an diesem Arm sollten Sie vermeiden. Als besonders hilfreich gilt die spezielle Lymphdrainage. Sie sollte möglichst früh einsetzen, damit das Gewebe nicht überstrapaziert wird und "ausleiert". Lymphödem-Behandlungen sind eine Variante der klassischen Massagen. Sie dürfen nur von Krankengymnasten und Masseuren durchgeführt werden, die speziell ausgebildet und geprüft wurden. Durch häufiges Wiederholen spezieller Handgriffe, die ohne großen Druck ausgeführt werden, soll das Lymphsystem angeregt werden, mehr Lymphe zu transportieren und das Gewebe zu entlasten. Damit das Ödem sich nicht ausbreitet, sollte eine Kompressionsbandage getragen werden. Nicht angewendet werden darf die Lymphdrainage bei akuten Entzündungen, Thrombosen und Krebsbefall der Lymphknoten in der Achselhöhle.

Auch krankengymnastische Übungen können helfen, damit die schmerzende Schulter nicht steif wird. Zwei kleine Übungen für jeden Tag:

  • Sie stehen mit gespreizten Beinen fest auf dem Boden. Beugen Sie nun den Oberkörper leicht vor und lassen Sie den Arm eine Weile lang kreisen. Ziehen Sie immer größer werdende Kreise.
  • Stellen Sie sich vor eine Tür oder eine Wand und krabbeln Sie mit den Fingern langsam die Wand hinauf. Wechseln Sie nach einer Weile das Tempo und lassen Sie die Finger immer etwas weiter hinaufklettern. Wer vor der Operation Sport getrieben hat, sollte dies nach der Operation weiter tun. Schwimmen ist ein gute Übung, um die Schulter beweglich zu halten und den Arm zu entspannen. Auf keinen Fall sollten Sie entwässernde Präparate einnehmen.

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