Nutzen Sie die Apotheke von Wald und Flur für Ihre Gesundheit
Sylvia Schneider in Täglich Gesund
vom 17. Juni 2009, 16:00 Uhr
GNL5356
Immer häufiger werden Wildkräuter im Frühjahr auf Märkten und in Bioläden angeboten. Zum Nulltarif bekommen SieKräuter draußen in der Natur.Wenn Sie zu den botanischUnerfahrenen zählen, sollten Sie zum Sammeln in freier Wildbahn einen kundigen Menschen mitnehmen, lieber auf demMarkt einkaufen oder bei einem Kräuterspezialversand bestellen. Frisch geerntet, enthalten die Kräuter die meisten Vitamine, Mineralien und Spurenelemente. Dass sie starke Heilwirkungen entfalten können, liegt vor allem an den sekundären Pflanzenstoffen.
In frischen Pflanzen stecken viele noch unbekannte Heilstoffe
Inzwischen weiß man, dass auch nicht unmittelbar wirksame oder noch nicht hinreichend bekannte Begleitstoffe bedeutsam sein können. Daraus erklärt es sich, dass Sie von Heilkräutern meist sehr viel mehr Wirkung erwarten können, wenn Sie sie als frische Pflanze verwenden, als wenn Sie einen isolierten Wirkstoff oder Wirkstoffkomplex als Nahrungsergänzungsmittel einnehmen.
Zu den wichtigsten Wirkstoffgruppen der Wildkräuter gehören:
- Alkaloide
- Glykoside
- Saponine
- Sulfide
- ätherische Öle
- Gerbstoffe
- Bitterstoffe
- Polysaccharide
- Carotinoide
- Vitamine
- Mineralstoffe
- sekundäre Pflanzenstoffe
Die Wirkstoffe stecken vor allem den Blättern, aber auch in den Blüten, Wurzeln oder Zwiebeln. Bei den meisten Kräutern werden die Blätter verwendet.
Allein Geruch und Geschmack der Wildkräuter garantieren, dass sie bereits im Mund für eine gute Vorverdauung sorgen und der Magen die Mahlzeit leichter aufschlüsseln kann. Mit ihren Faseranteilen pflegen und reinigen sie die Magen- und Darmschleimhäute. Sie verbessern die Aufnahmefähigkeit für wichtige Nährstoffe. Nahezu alle Wildkräuter regen den Stoffwechsel an und wirken blutreinigend sowie immunstärkend.
Ätherische Öle und andere Vitalstoffe machen Appetit und die Speisen besser verdaulich. Sie senken den Blutdruck, stärken die Abwehr und töten Bakterien. Sie bereichern den Geschmack Ihrer Speisen und helfen Ihnen, Salz zu sparen.
Gänsefingerkraut löst Krämpfe
Der Tee aus frischem oder getrocknetem Gänsefingerkraut (Potentilla anserina) hilft Ihnen bei Sommerdurchfall, weil er reichlich Gerbstoffe enthält. Auch als Gurgellösung gegen Mund- und Rachenentzündungen wurde er vom ehemaligen Bundesgesundheitsamt anerkannt. In der Volksmedizin wird der Tee zudem wegen seiner krampflösenden und schmerzlindernden Wirkung bei Menstruationsbeschwerden geschätzt.
Tee aus Gänsefingerkraut bereiten Sie aus 2 gehäuften TL frischem bzw. 1 TL getrocknetem Kraut zu. Zur Wirkungsverstärkung und Geschmacksverbesserung können Sie die gleiche Menge Melissen- und Pfefferminzblätter hinzugeben. Zum Gurgeln sollten Sie jedoch puren Gänsefingerkraut-Tee verwenden.
Spitzwegerich bekämpft Ihren Husten
Spitzwegerich (Plantago lanceolata) liefert nicht nur einen wirksamen Hustentee (verwenden Sie dafür 2 TL getrocknete Blätter), sondern auch einen hervorragenden Hustensirup. Für den Sirup entsaften Sie einen normalen Einkaufsbeutel (Plastiktüte) voll frischer, gewaschener Spitzwegerichblätter in einem Entsafter.
Kochen Sie diesen Presssaft mit der gleichen Menge Honig kurz auf und füllen Sie den Sirup in kleine, dunkle Flaschen ab, die Sie kühl und luftdicht verschlossen aufbewahren. So reicht Ihr Vorrat bis zur nächsten Erntesaison. Die Tagesdosis beträgt 3-mal 1 EL Sirup, den Sie am besten pur einspeicheln und dann langsam schlucken.
Breitwegerich schützt Ihre Füße vor Blasen
Vom Breitwegerich (Plantagomajor), dem Bruder des Spitzwegerichs, können Sie die Samen für ein mildes Abführmittel sammeln und trocknen. Nehmen Sie davon 1TL in Wasser und trinken Sie reichlich Wasser nach. Die Samen vergrößern das Stuhlvolumen und sorgen so für eine verbesserte Darmentleerung. Breitwegerichblätter schützen übrigens empfindliche Füße vor Blasenbildung. Legen Sie z. B. auf Wanderungen einfach 1 bis 2 Blätter in Ihre Strümpfe. Selbst wenn es schon passiert ist, lindern die Blätter die brennenden Schmerzen der aufgeriebenen Haut und fördern die Wundheilung. Diese Auflage hilft Ihnen auch bei Stichen von Mücken, Wespen und Bienen.
Scharbockskraut klärt Ihre Haut
Essen Sie die zarten gelbgrünen, glänzenden Blättchen des Scharbockskrauts (Ranunculus ficaria)! Denn sie liefern reichlich Vitamin C. Sie können das recht scharf schmeckende Scharbockskraut zum Salat hinzufügen oder auch in eine heiße Kräutersuppe geben - aber bitte nicht mitkochen. Die Tagesration sollte wegen der Scharfstoffe zwölf Blättchen nicht übersteigen, um Magen- und Nierenreizungen zu vermeiden. Tee aus 1TL frischem oder getrocknetem Scharbockskraut ist ein wichtiges „Blutreinigungsmittel", besonders bei Hautunreinheiten. Er wird kalt angesetzt und dann aufgekocht. Gemischt zu gleichen Teilen mit den getrockneten Blättern und Blüten von Wildem Stiefmütterchen (Viola tricolor), das sich auch häufig als „Unkraut" im Garten ansiedelt, wirkt es noch stärker. Trinken Sie 2 bis 3Tassen frisch zubereiteten Tee über den Tag verteilt. Bei Hämorrhoiden haben sich Sitzbäder mit reinem Scharbockskraut-Tee bewährt.
Gundermann regt Ihre Galle an
Auch der Gundermann (Glechoma hederacea) ist essbar. Geben Sie einige der leicht bitter schmeckenden Blättchen in den Salat, wenn Sie mit Leber- oder Gallenschwäche zu kämpfen haben. Die Bitterstoffe regen die Sekretion der Galle an. Aus der getrockneten blühenden Pflanze können Sie im Winter auch einen aromatischen Tee zubereiten, der die Sekretion von Leber und Galle anregt sowie bei Husten schleimlösend wirkt. Trinken Sie 1-mal täglich 1TasseTee nach Bedarf oder kurmäßig 2 Tassen täglich über maximal 6Wochen.