Nur ein Bluttest warnt rechtzeitig vor gefährlichen Lebererkrankungen
Dr. Martina Hahn-Hübner in Täglich Gesund zum Thema Leber
vom 1. Oktober 2008, 16:00 Uhr
GNL5356
Seine Blutdruck- und Cholesterinwerte dürfte mittlerweile fast jeder kennen, der sich regelmäßig beim Arzt durchchecken lässt. Aber kennen Sie Ihre Leberwerte? Diese Werte sind alles andere als unwichtig. Schließlich ist die Leber unser größtes und stoffwechselaktivstes Organ, sozusagen das Chemielabor und Kraftwerk des Körpers zugleich. Allein in Deutschland leiden schätzungsweise 2 Millionen Menschen an chronischen und meist lange unerkannt bleibenden Lebererkrankungen. Doch mit einer einfachen Blutuntersuchung können Sie vorsorgen. Denn nur wenn die Erkrankungen früh erkannt werden, können sie noch rechtzeitig behandelt werden. In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Leberwerte wichtig sind und was sich hinter den oft unverständlichen Abkürzungen verbirgt, die Sie vielleicht schon einmal in einem Befund gelesen haben.
Enzyme im Blut geben Aufschluss über den Zustand Ihrer Leber
Damit die Leber ihre Leistungen vollbringen kann, sind spezielle biochemische „Schneide- und Schweißwerkzeuge" nötig, die Enzyme. Das sind Eiweißverbindungen, die sämtliche Stoffwechselreaktionen im Körper überhaupt erst möglich machen. Werden die Leberzellen wegen einer Erkrankung geschädigt, gelangen die Enzyme ins Blut. Hier können sie dann durch spezielle Labortests nachgewiesen werden.
Auf diese Störungen können erhöhte Leberwerte hindeuten:
- Fettleber
- Leberverhärtungen (Zirrhose)
- infektiöse Leberentzündungen (Hepatitis)
- Nebenwirkungen von Medikamenten
- Erkrankungen der Galle und der Bauchspeicheldrüse
- Leberkrebs oder Lebermetastasen
In der Leberzirrhose münden viele chronische Lebererkrankungen und schleichende „Vergiftungen" wie Alkoholismus oder Medikamentenmissbrauch. Sie ist durch eine umfassende irreversible Zerstörung und narbige Umwandlung des Lebergewebes gekennzeichnet.
Entscheidend ist der GGT-Wert
Eines der aussagekräftigsten Leberenzyme ist die Gamma-Glutamyl-Transferase (Abkürzung: gamma-GT oder GGT). Der Name bezeichnet die Stoffwechselreaktion, die dieses Leberenzym normalerweise unterstützt - eben die Übertragung (den Transfer) eines bestimmten biochemischen Bausteins (Glutamyl). Die GGT ist bei vielen Lebererkrankungen erhöht, bei denen gleichzeitig eine Stauung der Gallenflüssigkeit (Cholestase) vorliegt. Auch alkoholische Leberschäden erhöhen die GGT. Ist Ihr GGT-Wert erhöht, muss noch kein Leberschaden vorliegen. Darüber geben erst weitere erhöhte Werte Gewissheit.
Transaminasen geben weitere Hinweise
Wichtige Aufschlüsse geben auch zwei weitere Leberenzyme, die von den Ärzten meist einfach als „Transaminasen" zusammengefasst werden. Diese Enzyme sind für die Übertragung von Bio-Bausteinen zwischen zwei Aminosäuren verantwortlich. Zu den Transaminasen zählt die Glutamat-Pyruvat-Transaminase (GPT). In Befunden finden Sie auch manchmal den neuen Namen Alanin-Aminotransferase (ALT oder ALAT). Die zweite Transaminase, die auf Lebererkrankungen hinweist, ist die Glutamat-Oxalacetat-Transaminase (GOT; neuer Name: Aspartat-Aminotransferase; AST oder ASAT).
Sind beide Transaminasen erhöht, weist dies stets auf eine Leberschädigung hin, die durch eine Leberentzündung oder eine Leberzirrhose hervorgerufen wurde.
Die Leber leidet stumm
Da Lebererkrankungen meistens symptomlos verlaufen und sich Beschwerden wie z. B. Schmerzen im Oberbauch, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Gewichtsverlust und Blutarmut erst spät zeigen, sollten Sie Ihre Leberwerte regelmäßig kontrollieren lassen. Besonders wenn Sie ständig Medikamente einnehmen müssen, übergewichtig sind oder allzu gerne Alkohol trinken, sollten Sie mindestens alle 6 Monate ein großes Leberprofil erstellen lassen. Die Kosten von ca. 30 € müssen Sie jedoch aus eigener Tasche bezahlen. Doch wir meinen, das ist eine lohnende Investition in Ihre Gesundheit.