Nicht jede Neurodermitis-Therapie für jeden geeignet
Täglich Gesund zum Thema Neurodermitis
vom 24.06.2004 16:00 Uhr
GNL5356
Frau Dorothea G. hat dieses Problem:
Meine Tochter (3 1/2) leidet seit ca. 2 Jahren an Neurodermitis. An sich sind die Beschwerden nicht so extrem, aber vor kurzem hatte sie einen Ganz-Körper-Schub. Jetzt hat mir meine Kinderärztin das "Gelsenkirchener Behandlungsverfahren" in der Kinderklinik Gelsenkirchen bei Prof. Dr. Stemmann empfohlen. Wie sind hier die Behandlungserfolge?
Liebe Dorothea,
ich habe meiner Kollegin Dr. Andrea Schmelz, Chefredakteurin von "Gesundheit und Erziehung für mein Kind", Ihre Anfrage weitergeleitet. Sie kennt sich als Allergologin bestens mit der Materie aus. Hier ihre Antwort:
"Das Neurodermitis-Konzept von Prof. Stemmann geht meines Erachtens zwar von einer falschen Annahme (Trennungserlebnisse in der frühesten Kindheit bewirken Stressreaktion, die zu Veränderungen im Immunsystem führt und diese wiederum zu den Hauterscheinungen) aus, die daraus abgeleitete Therapie ist allerdings durchaus multifaktoriell (im übrigen ist Neurodermitis ja auch nicht nur eine Hautkrankheit, sondern geht tatsächlich mit verschiedenen Veränderungen im Immunsystem einher!) und bei vielen Patienten sehr erfolgreich. Zur stationären Behandlung gehören unter anderem eine reizarme Diät ohne Milch und Ei, aber auch verhaltenstherapeutische Methoden, Schlaftraining und Entspannungstraining.
Mir als Allergologin kommen hierbei allerdings die Allergieaspekte der Neurodermitis zu kurz, denn nicht alle Neurodermitiker brauchen ein Ernährung ohne Milch und Ei, während andere noch weitere Nahrungsmittel meiden müssen. Auch Allergien gegen Milben oder Schimmelpilze, die eine Sanierung in der Wohnung erfordern würden, werden kaum berücksichtigt. Dass die Behandlung oft trotzdem erfolgreich ist, liegt daran, dass die Ursache der Neurodermitis quasi ein "überlaufendes Fass" aus vielen verschiedenen Faktoren ist. Reduziert man einige der Belastungsfaktoren, werden andere auch wieder besser vertragen oder rufen keine Reaktion mehr hervor.
Hier zwei Links zum Stemmann-Konzept bei Neurodermitis: http://www.wdr.de/tv/service/gesundheit/inhalte/980921_1.html und http://www.kinderklinik-ge.de/Neurodermitis.htm
Zu meiner Einschätzung: Ich persönlich würde das Stemmann-Konzept zwar nicht "aktiv" empfehlen, aber auch keinen Patienten davon abhalten, es dort zu versuchen, da es eben doch eine ganze Reihe von Erfolgen gibt." Mehr zum Thema lesen Sie auch im Spezialreport, der am Wochenende erscheint.