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Spiegel-Therapie: Dieses Verfahren lindert Nervenschmerzen und Lähmung

Schmerzen und Lähmungen an Armen oder Beinen – z. B. als Folgen eines Schlaganfalls oder durch schlecht verheilte Knochenbrüche – können die Patienten im Alltag schwer behindern. Auch nach Amputationen an den Gliedmaßen treten oft so genannte „Phantomschmerzen“ auf, die scheinbar von dem nicht mehr vorhandenen Körperteil ausstrahlen. Bei diesen direkt vom Nervensystem ausgehenden (neurologischen) Schmerzen setzt sich die Spiegel-Therapie in den letzten Jahren immer mehr durch.

Die Spiegel-Therapie wird erfolgreich angewendet bei:

  • Lähmungen und Schmerzen nach einem Schlaganfall
  • Phantomschmerzen nach Amputationen
  • übermäßigem Schmerzempfinden (Allodynie)
  • Morbus Sudeck (chronische Schmerzen z. B. nach einem Armbruch oder einer Sehnenentzündung)
  • Bewegungseinschränkungen nach handchirurgischen Eingriffen
  • Multipler Sklerose

Während der Therapie wird die erkrankte Extremität hinter einem Spiegel verborgen, so dass Sie nur die gesunde Extremität und deren Spiegelbild sehen. Nun bewegen Sie unter Anleitung des Therapeuten die gesunde Extremität, z. B. müssen Patienten Metallstifte in ein Lochbrett stecken. Durch den Blick in den Spiegel gewinnen Sie den Eindruck, dass sich – neben dem gesunden – auch der hinter dem Spiegel verborgene gelähmte Arm oder das amputierte Bein bewegt. Und diese optische Täuschung ist das Entscheidende. Denn das Gehirn erhält die Illusion, dass sich die erkrankte Extremität plötzlich wieder fehlerfrei bewegen lässt.

Die Therapie setzt Umbauprozesse im Gehirn in Gang

Diese Illusion setzt z. B. im Gehirn von Schlaganfall-Patienten Umbauprozesse in Gang, durch die die Aufgaben der geschädigten Regionen auf andere Nervenzentren übertragen werden. Auch nach einer Amputation erhält das Gehirn dank der Spiegel-Therapie den Eindruck, dass sich die amputierte Extremität bewegt.

Daraufhin hört es auf, Nervensignale, die sich seit der Amputation geändert hatten, als Phantomschmerzen zu interpretieren. Dass diese verblüffende Therapiemethode tatsächlich erfolgreich ist, zeigen mittlerweile auch erste kleinere Studien. So wurden an der Berliner Charité im Jahr 2009 insgesamt 25 Schlaganfall-Patienten mit Armlähmungen über sechs Wochen täglich 30 Minuten lang mit der Spiegel-Therapie behandelt. Die Mediziner beobachteten, dass die Patienten anschließend ihre therapierten Arme um durchschnittlich 25 % besser bewegen konnten als neun weitere Patienten, die lediglich eine normale physiotherapeutische Behandlung erhalten hatten.

Erste Erfolge stellen sich nach sechs Wochen ein

Durchgeführt wird die Spiegel-Therapie von Physio- oder Ergotherapeuten. Eine Sitzung kostet etwa 20 Euro, die bei ärztlicher Verordnung in der Regel von den Krankenkassen übernommen werden. Nach einer Einführung durch den Therapeuten können Sie die Behandlung anschließend auch zu Hause weiterführen. Dazu benötigen Sie lediglich einen speziellen Spiegel (Kosten ca. 140 Euro).

Beim Training ist vor allem Durchhaltevermögen gefragt: Denn eine Linderung der Beschwerden wird meist erst nach sechs Wochen beobachtet, wobei eine Sitzung zwischen 10 und 20 Minuten dauert und an mindestens fünf Tagen pro Woche abgehalten werden sollte. Je früher Sie mit der Behandlung nach einer Amputation oder einem Schlaganfall beginnen, umso besser sind die Erfolgsaussichten.

Um eine Spiegel-Therapie durchführen zu können, sollten die Patienten in der Lage sein, etwa 20 Minuten ruhig zu sitzen. Wichtig ist auch, dass Ihre Sehstärke noch ausreicht, um das Spiegelbild beobachten zu können. Von solchen Ausnahmen abgesehen, ist die Spiegel-Therapie eine sinnvolle Alternative in der Behandlung von Schmerzen und Lähmungen, die zudem preiswert und einfach in der Durchführung ist.

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