MenüMenü

Schlaganfall: Ziele und Perspektiven der Rehabilitation

Viele Patienten mit einer Funktionsstörung des Nervensystems und deren Angehörige interessierten sich dafür, was sie realistisch von einer neurologischen Rehabilitation erwarten dürfen. Das Ziel der Rehabilitation besteht darin, eine größt mögliche Unabhängigkeit im Alltag wiederzuerlangen. Welche Reha-Maßnahmen getroffen werden, hängt davon ab, welche Fähigkeiten Sie wiedererlangen müssen, um unabhängig zu werden. Ein wesentlicher Teil der Rehabilitation besteht häufig in Bewegungstraining und -therapie. Dazu gehört zum Beispiel Training, um das Gehen wieder zu erlernen oder zu lernen, selbst einen Rollstuhl zu steuern, Gleichgewichtsübungen sowie die Verbesserung der Beweglichkeit der Gelenke.

Was bewirkt eigentlich die Rehabilitation?

Die Rehabilitation umfasst aber auch Fertigkeiten, die besonders zu Hause eine große Rolle spielen. Dazu gehören zum Beispiel essen, sich waschen, baden und sich anziehen. Möglicherweise lernen Sie auch, wie Sie mit täglichen Aufgaben auf spezielle Art umgehen können, um eine Behinderung auszugleichen. Ein wichtiger Teil der Rehabilitation richtet sich an kognitive Fähigkeiten wie Gedächtnis, Problemlösung sowie Kommunikation und Sozialverhalten. Vielleicht erfahren Sie auch, wie Sie Ihren Lebensraum neu organisieren können, um ihn sicherer und leichter zugänglich zu machen.

Da bei einem Schlaganfall eine ganze Reihe unterschiedlicher Beeinträchtigungen auftreten, sollte das betreuende Team in der Reha ebenfalls aus verschiedenen Ärzten, Therapeuten und Pflegekräften bestehen. Dazu gehören zum Beispiel Ärzte, die auf Rehabilitation und Physiotherapie spezialisiert sind, besonders geschulte Krankenschwestern, Beschäftigungstherapeuten, Logotherapeuten, Sozialarbeiter, Psychologen, aber auch Geistliche. Trotz der unterschiedlichen Aufgabengebiete der verschiedenen Ärzte, Therapeuten und Pflegekräfte verfolgt das Reha-Team einen gemeinsamen Ansatz, um den Genesungsprozess zu beschleunigen.

So profitieren Sie von einer Rehabilitation

Die überwiegende Mehrzahl der Patienten in einer neurologischen Rehabilitationsklinik leidet an den Folgen eines Schlaganfalls, einer Hirnverletzung/Hirnblutung oder einer chronischen Erkrankung des Nervensystems, beispielsweise an Morbus Parkinson oder Multipler Sklerose. Nach einer solchen Schädigung können folgende Teilbereiche eingeschränkt sein: Motorik, Muskelkraft, Beweglichkeit, Koordination, Wahrnehmung, Sprache, Konzentrationsfähigkeit und Erinnerungsvermögen.

Mit einer neurologischen Rehabilitation verbinden wir die Hoffnung, dass sich die gestörten Nervenfunktionen teilweise oder vollständig erholen. Machen Sie sich aber bitte bewusst, dass sich das Nervensystem im Gegensatz zu anderen Organen nur begrenzt regenerieren kann. Wesentlich für die Prognose sind neben Art und Ursache der Schädigung das Alter des/r Betroffenen sowie seine/ihre Begleiterkrankungen.

Fördern Sie die Anpassungsfähigkeit Ihres Nervensystems

Unser Nervensystem passt sich über natürliche Vorgänge an, um die verlorene oder gestörte Funktion möglichst wiederherzustellen. Ist Hirnsubstanz geschädigt (am häufigsten durch einen Schlaganfall, eine Hirnblutung oder eine andere Hirnverletzung), kann ein angrenzender Bezirk die betroffenen Funktionen zumindest teilweise übernehmen. Dieses Phänomen bezeichnen wir als Neuroplastizität.

Das multiprofessionelle Team macht den Erfolg aus

Die Konzepte und Übungen der neurologischen Rehabilitation unterstützen gezielt die nützlichen Kompensationsstrategien des Gehirns. Dadurch kommt es zu wichtigen und für das Alltagsleben bedeutsamen Verbesserungen in Sachen Mobilität, Stand- und Ganganbahnung, Sprache, Schlucken etc. Die praktische Umsetzung findet statt durch ein ärztlich geleitetes, multiprofessionelles Team aus Neuropsychologen, Krankengymnasten, Ergotherapeuten, Logopäden, Sporttherapeuten u. a.

Im Rahmen regelmäßiger Teamgespräche werden mit den Patienten Fortschritte besprochen sowie das Therapieprogramm auf die Reha-Ziele und die persönlichen Bedürfnisse abgestimmt. Realistisch erreichbare Ziele sind eine zwingende Notwendigkeit, denn die Patienten und ihre Angehörigen benötigen Zeit, um sich mit den veränderten alltäglichen Abläufen zu arrangieren. Gerade bei kleinen Fortschritten werden sie in der Rehabilitation immer wieder unterstützt und bestärkt, denn: Motivation ist einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren in der Reha!

Nach der Rehabilitation…

In der Regel dauert eine stationäre neurologische Rehabilitation drei bis vier Wochen. Dieser Zeitraum kann verlängert werden, wenn Fortschritte erkennbar sind und eine positive Rehabilitationsprognose vorliegt. Die Zeit sollte auch genutzt werden, um den künftigen Versorgungs- bzw. Unterstützungsbedarf bei der Rückkehr in den Beruf oder das häusliche Umfeld mit zu organisieren. Dazu gehören die Heil- und Hilfsmittelversorgung sowie auch Empfehlungen zur ambulanten Weiterbehandlung.

Letztlich ist dies auch die Chance, aktiv in die Vorbeugung beispielsweise weiterer Schlaganfall-Ereignisse einzugreifen, zum Beispiel durch mehr Bewegung und die Behandlung von Risikofaktoren für Gefäßerkrankungen wie Übergewicht, Bluthochdruck etc.

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten