MenüMenü

Schlaganfall: Vorbeugung ist das A und O

In Deutschland trifft jedes Jahr mehr als 250.000 Menschen der Schlag. Etwa jeder Fünfte stirbt daran, rund 30 Prozent bleiben behindert. Die therapeutischen Möglichkeiten bei einem Schlaganfall sind heute deutlich besser als vor 20 oder 30 Jahren. Trotzdem kommt es wegen der begrenzten medizinischen Mittel vor allem auf die Vorbeugung an.

Nach Schätzungen haben in Deutschland zwischen 18 bis 35 Millionen Menschen einen zu hohen Blutdruck. 30 bis 40 Prozent der Erwachsenen seien davon betroffen. Die Deutsche Herzstiftung warnt, ab einem Alter von 60 Jahren leide jeder Zweite unter zu hohen Blutdruckwerten.

„Leider kennen immer noch Millionen von Männern und Frauen ihren Blutdruck überhaupt nicht, weil sie ihn nicht messen lassen.“ Dies bemerkte der Hamburger Herzspezialist Professor Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Stiftung. Vor allem für das Gehirn stellt ein zu hoher Blutdruck eine permanente Gefahr dar. Eine konsequente Blutdruck-Therapie könne das Risiko für einen Schlaganfall erheblich senken, so der Essener Neurologe Professor Hans-Christoph Diener.

Bluthochdruck: ein vermeidbares Risiko

Eine wichtige Rolle spielen dabei Medikamente. Entscheidend ist vor allem ein gesunder Lebensstil, wie etwa regelmäßige Ausdauerbelastung (flottes Gehen, Radfahren, Joggen, Schwimmen) und die Normalisierung des Körpergewichts. Des Weiteren helfen eine gesunde Ernährung sowie ein sparsamer Kochsalzkonsum, die Einschränkung des Alkoholkonsums und der Verzicht auf’s Rauchen.

Ein hoher Blutdruck gilt als einer der wichtigsten Risikofaktoren für einen Schlaganfall. Zu den nicht beeinflussbaren Risikofaktoren zählen außerdem

  • Alter: Nach dem55. Lebensjahr verdoppelt sich das Schlaganfall-Risiko pro Jahrzehnt.
  • Erbanlagen: Menschen, in deren Familie häufiger Schlaganfälle aufgetreten sind, leiden unter einem erhöhten Risiko. In sehr seltenen Fällen sind genetische Anomalien ein Grund dafür.
  • Geschlecht: Bei Frauen treten öfter Schlaganfälle auf als bei Männern und sie sterben häufiger daran.
  • Herzinfarkte und Schlaganfälle: Wer einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt hatte, ist mehr gefährdet. Dies gilt auch für Menschen, die nur vorübergehend Symptome wie bei einem Schlaganfall aufwiesen, ohne dass es zu dauerhaften Schäden im Gehirn gekommen ist. Mediziner reden dann von einer „transischämischen Attacke“ oder kurz von einer TIA.

Zu den Risikofaktoren, die man kontrollieren kann, zählen außer Bluthochdruck und Diabetes mellitus

  • Zigaretten-Rauchen, vor allem bei Frauen, die die Pille nehmen
  • verengte Halsgefäße
  • verengte Bein- und Arm-Arterien (Mediziner bezeichnen dies als periphere Verschlusskrankheit)
  • Vorhofflimmern
  • verengte Herzgefäße (koronare Herzerkrankung) und eine Pumpschwäche des Herzens (Herzinsuffizienz)
  • mangelnde Bewegung, Übergewicht und Fettsucht (Adipositas)
  • zu hohe Cholesterin-Spiegel.

Als weitere Risikofaktoren gelten ein starker Alkohol-Konsum und sozioökonomische Faktoren. Nach mehreren Untersuchungen treten Schlaganfälle bei Menschen mit niedrigem Einkommen häufiger auf als bei wohlhabenden Menschen. Das liegt allem Anschein nach daran, dass sie sich ungesund ernähren, häufiger rauchen und Übergewicht haben. In vielen Ländern liegt es daran, dass gerade Menschen mit niedrigen Einkommen keine ausreichende ärztliche Behandlung erhalten.

Gerade bei jüngeren Menschen spielt Drogen-Konsum eine Rolle als Risiko-Faktor. Einen Zusammenhang gibt es darüber hinaus zwischen Depressionen und dem Schlaganfall-Risiko. Schlaganfälle treten bei Menschen mit Depressionen häufiger auf als bei psychisch Gesunden. Dies berichteten Wissenschaftler letztes Jahr in dem Fachblatt „Stroke“. Ein möglicher Grund dafür sei, dass sich Patienten mit Depressionen weniger gesund verhielten, etwa zu wenig Sport trieben und häufiger rauchten.

Risikofaktor „taktloses“ Herz

Als Ursache im Fokus steht aktuell eine Herzrhythmusstörung, das Vorhofflimmern. Sie findet vor allem bei älteren Menschen weit Verbreitung. Als typisches Zeichen gilt ein unregelmäßiger Puls. Viele Patienten klagen über Symptome wie Herzstolpern, Atemnot und Angst. Oft bleibt das Flimmern unbemerkt. Vorhofflimmern bedroht zwar nicht unmittelbar das Leben, kann aber gefährliche Folgen haben.

Patienten mit Vorhofflimmern haben ein gesteigertes Schlaganfall-Risiko und sollten daher auf jeden Fall zum Arzt gehen. Sehr verschiedene Grunderkrankungen des Herzens können ein Vorhofflimmern verursachen. Blutdruckmessung, Belastungstest sowie Ultraschall, Langzeit-EKG, Lungenfunktionstest und Schilddrüsenfunktionsprüfung – diese und andere Untersuchungen gelten als die ersten Schritte, um die Ursache der Herzrhythmusstörung zu klären.

In Europa betrifft das Vorhofflimmern mehr als sechs Millionen vorwiegend ältere Menschen, in Deutschland rund eine Million. Es verursacht 15 bis 20 Prozent aller Schlaganfälle, wobei sich diese dann als besonders schwer herausstellen. Oft enden sie tödlich oder führen zu einer lebenslangen körperlichen und geistigen Behinderung. Experten schätzen den durch Schlaganfälle bedingten wirtschaftlichen Schaden in Europa auf 38 Milliarden Euro jährlich.

Ein von Fachgesellschaften und Patientenvereinigungen veröffentlichter Bericht hat daher dazu aufgerufen, unverzüglich Maßnahmen einzuleiten. Koordiniertes Handeln sei erforderlich, um zu verhindern, dass jedes Jahr zahlreiche Patienten mit Vorhofflimmern einen Schlaganfall mit schwerwiegenden Folgen erleiden. Dies forderte Professor Paulus Kirchhof, Herzspezialist der Universität Münster. Zusammen mit Ärzten, Wissenschaftlern und Politikern aus mehreren europäischen Ländern beteiligte er sich an der Initiative „Action for Stroke Prevention“ (ASP), der „Aktion zur Schlaganfallvorbeugung„.

„Schlaganfall-Epidemie“ befürchtet

Aufgrund der immer älter werdenden Bevölkerung wächst die Zahl der Vorhofflimmer-Patienten und damit der Schlaganfälle. Epidemiologen rechnen damit, dass es im Jahr 2050 rund 2,5 Mal so viele Patienten mit Vorhofflimmern geben wird wie heute. Die Spezialisten der „Aktion zur Schlaganfallvorbeugung“ warnen deshalb vor einer regelrechten„Schlaganfall-Epidemie“.

Viele dieser Schlaganfälle ließen sich vermeiden, wenn die Mediziner ein Vorhofflimmern früher entdeckten und besser behandelten. Die zu späte Diagnose, schlechte Versorgung der Patienten, fehlende gerinnungshemmende Therapie sowie Nebenwirkungen der üblichen Behandlungen führen zu einer unnötigen Belastung der Betroffenen, ihrer Familien und des Gesundheitswesens.

Die Patienten sollten daher eine bessere Aufklärung erhalten, das Vorhofflimmern benötigt eine frühere Diagnose und das Schlaganfall-Risiko eine genauere Beurteilung. „Wenn es uns gelingt, dass Vorhofflimmern in Zukunft früher erkannt wird, dann könnten wir die schwerwiegenden Folgen besser verhindern. Hilfreich wären zum Beispiel Vorsorgeuntersuchungen“, erläutert Kirchhof.

Neue Therapien machen Hoffnung

Die Behandlungs-Möglichkeiten mit einem Katheter (Katheter-Ablation) haben sich verbessert und die medikamentösen Optionen haben sich erweitert. Seit Januar existiert in Deutschland das Antiarrhythmikum Dronedaron für Patienten mit nicht-permanentem Vorhofflimmern auf dem Markt. In einer großen Studie hat das Präparat gezeigt, dass es Leben retten und vor Schlaganfällen schützen kann.

Im Mittelpunkt vieler Diskussionen stehen derzeit Medikamente, die die Gerinnung des Blutes hemmen. So können sie die Bildung von Blutgerinnseln im Gehirn vermeiden, die einen Schlaganfall verursachen. Viele Spezialisten hoffen derzeit, dass die neuenArzneimittel das seit Jahrzehnten verwendete „Marcumar“ ablösen könnten.

Die bislang in wissenschaftlichen Untersuchungen erzielten Ergebnisse mit den neuen Wirkstoffen gelten als viel versprechend. Die neuen Arzneimittel beugen Schlaganfällen mindestens ebenso gut vor wie das bewährte „Marcumar“, haben zum einen den Vorteil, dass sie keine regelmäßigen Kontrollen der Blutgerinnung erfordern. Zum anderen kommt es unter den neuen Substanzen bei korrekter Anwendung seltener zu gefährlichen Blutungen, etwa im Magen-Darm-Trakt und im Gehirn.

Wie bei allen neuen Arzneimitteln müssen diese Medikamente noch zeigen, dass sie nicht nur in Studien gut abschneiden. Sie müssen sich im Alltag bewähren. Da noch nicht genügend Erfahrungen vorliegen, einigten sich die Mediziner in ihrem Urteil noch nicht darüber, welchen Stellenwert diese neuen Medikamente einnehmen. Des Weiteren bleibt noch unklar, ob die Therapie mit ihnen unter ökonomischen Gesichtspunkten der Marcumar-Therapie gleichwertig oder überlegen ist.

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten