MenüMenü

Erkennen Sie einen drohenden Schlaganfall frühzeitig – und handeln Sie richtig

Stalin, Roosevelt und Churchill bestimmten nicht nur zusammen die Weltgeschichte. Die „Großen Drei“ erlitten auch alle einen tödlichen Schlaganfall. Jährlich trifft allein in Deutschland 200.000 Menschen das gleiche Schicksal. Ob Sie gefährdet sind, bestimmen Sie jetzt mit einem neuen Risikotest. Darüber hinaus bieten Ärzte spezielle Schlaganfall-Checks als Selbstzahlerleistung an.

Was passiert im Körper bei einem Schlaganfall?

Unser Gehirn gilt als das aktivste Organ unseres Körpers. Es verbraucht ein Fünftel des gesamten Bedarfs an Nährstoffen und Sauerstoff. Bei einem Schlaganfall unterbricht die Versorgung plötzlich. Innerhalb weniger Minuten beginnt die vom Nachschub abgeschnittene Gehirnregion langsam abzusterben.

85 Prozent aller Schlaganfälle entstehen durch einen Gefäßverschluss (Thrombose). Sie treten in der Regel auf der Basis einer Arterienverkalkung (Arteriosklerose) auf. Dabei bilden sich an der Gefäßwand Ablagerungen aus Fett und Bindegewebe. Diese bezeichnet man als Plaques. Wenn diese aufreißen, entstehen gefährliche Blutgerinnsel, welche die feinen Gefäße des Gehirns verstopfen. Für 15 Prozent der Schlaganfälle sind Blutungen in das Hirngewebe verantwortlich. Sie treten auf, wenn eine das Gehirn versorgende Arterie reißt.

Ein Schlaganfall kommt selten ohne Vorboten

In Deutschland liegt der Schlaganfall auf Platz 3 der häufigsten Todesursachen. Experten der Universität Münster entwickelten einen genauen Test, mit dem Sie Ihr Schlaganfall-Risiko abschätzen.

Risikofaktoren, die Sie nicht beeinflussen können, sind unter anderem das Alter (die Gefahr wächst ab dem 55. Lebensjahr) und Geschlecht (Männer weisen ein um 19 Prozent höheres Risiko auf als Frauen).

Risikofaktoren für einen Schlaganfall

nicht beeinflussbar:

  • Alter über 55 Jahre
  • männliches Geschlecht
  • genetische Veranlagung

beeinflussbar:

  • hoher Blutdruck
  • hoher Cholesterinspiegel
  • Gefäßerkrankungen (z. B. Koronare Herzkrankheit, Schaufensterkrankheit)
  • Herzrhythmusstörungen
  • Rauchen
  • Übergewicht
  • Diabetes

Viele Menschen glauben noch immer, dass ein Schlaganfall ohne vorherige Ankündigung „wie ausheiteren Himmel“ kommt. Dem ist nicht so! Aufgrund der verengten Blutgefäße treten bereits vor einem ersten Schlaganfall vorübergehende Durchblutungsstörungen im Gehirn auf. Diese bezeichnet man als „Transiente Ischämische Attacken“ (TIA; transient = vorübergehend; ischämisch = auf eine Gefäßverengung zurückzuführen).

Erkennen Sie einen drohenden Schlaganfall frühzeitig

Manch ein Schlaganfall kündigt sich nicht an. Man bemerkt ihn nicht und er fällt irgendwann bei einer Routineuntersuchung auf. In den meisten Fällen gehen ihm deutliche Symptome voraus, die auf Durchblutungsstörungen im Gehirn zurückzuführen sind.

Wenn Sie eines oder mehrere dieser Symptome verspüren, gibt es nur eine richtige Handlungsweise: Rufen Sie sofort den Notarzt. Auf keinen Fall dürfen Sie Aspirin nehmen: Handelt es sich um eine Gehirnblutung, verschlimmert sich diese durch eine solcheTabletteneinnahme. Handelt es sich um ein Blutgerinnsel, das eine Arterie verstopft, löst der Arzt dieses nur auf, wenn Sie weder Aspirin noch Heparin genommen haben.

Die Symptome einer TIA

  • Lähmungserscheinungen in Armen und Beinen
  • Schluckstörungen
  • Wortfindungsstörungen
  • das Gefühl, auf einem Auge blind zu sein

Typischerweise verschwinden dieses Symptome (es müssen nicht alle gleichzeitig auftreten) nach etwa fünf bis zehn Minuten wieder. Trotzdem gilt eine TIA als ernst zu nehmende Warnung: 20 Prozent aller Patienten erleiden in den folgenden zwölf Monaten einen „echten“ Schlaganfall. Nach einem Schlaganfall versuchen die Ärzte in der Klinik, den Gefäßpfropf durch eine „Lyse-Therapie“ aufzulösen. Das erforderliche Medikament wirkt aber nur, wenn man es spätestens drei Stunden nach dem Schlaganfall injiziert. Aus dem Grund ist stets schnelles Handeln erforderlich.

Blutdruck senken und Übergewicht abbauen

Experten schätzen, dass bis zu 70 Prozent der Schlaganfälle durch eine konsequente Vorbeugung zu verhindern wären. Dabei gilt Bluthochdruck als wichtigster Risikofaktor. Liegt Ihr unterer (diastolischer) Blutdruckwert über 100 mmHg, steigt Ihr Schlaganfall-Risiko um das Zehnfache. Doch nicht immer benötigen Sie Medikamente zum Absenken der Werte. Sehr viel erreichen Sie durch regelmäßigen leichten Ausdauersport (z. B. Walking, Joggen, Radfahren, Schwimmen). Weitere Risikofaktoren sind unter anderem das Rauchen (eine Schachtel täglich erhöht Ihr Schlaganfallrisiko um 210 Prozent) sowie Übergewicht (Risikoerhöhung um bis zu 90 Prozent).

Zur Vorbeugung von Schlaganfällen achten Sie auf eine gute Versorgung mit Folsäure. Das ergab eine Berechnung des Center for Disease Control and Prevention in Atlanta (USA) im Jahr 2006: In den USA reichert man seit 1997 das Mehl mit diesem B-Vitamin an. Seit dieser Maßnahme geht die Sterblichkeit durch Schlaganfälle drastisch zurück: pro Jahr um 3 Prozent (vor der Folsäureanreicherung sank sie um 0,3 Prozent jährlich). Das Vitamin ist maßgeblich am Abbau von Homocystein beteiligt. Dabei handelt es sich um ein Stoffwechselprodukt, das die Arteriosklerose fördert. Folsäurepräparate erhalten Sie preisgünstig in Supermärkten. Zusätzlich sollte es die Vitamine B6 und B12 enthalten, die den Homocystein-Abbau fördern (empfehlenswerte Dosierungen: 400 µg Folsäure, 5 bis 40 mg Vitamin B6, 5 bis 15 µg Vitamin B12).

Schlaganfall-Check per Ultraschall

20 Prozent der Schlaganfälle entstehen durch eine Arteriosklerose der Halsschlagadern (Karotisstenose). Solche Verengungen lassen sich durch eine Vorsorgeuntersuchung aufspüren, die mittlerweile unter anderem Herz- und Nervenspezialisten anbieten. Bei diesem „Schlaganfall-Check“ (englisch: stroke check) bestimmt man das Ausmaß der Gefäßverengung durch Ultraschall.

Dass diese Vorsorgemaßnahme durchaus sinnvoll ist, belegten im Jahr 2007 Wissenschaftler der Universität Frankfurt am Main: Sie werteten insgesamt acht Studien mit 37.000 Patienten zusammenfassend aus. Das Ergebnis: Wenn die Wanddicke der Halsschlagader um 0,1 mm zunimmt, steigt das Schlaganfall-Risiko um 13 bis 18 Prozent. Die Untersuchung bieten Ärzte als „Individuelle Gesundheitsleistung“ (IGeL) an, die Kosten von etwa 80 Euro zahlen Sie also selbst.

Spezielles Training sorgt für neue Nervenverbindungen

Großes Augenmerk legen die Wissenschaftler darauf, die nach einem Schlaganfall oft gestörten Sprach- und Bewegungsabläufe zu optimieren. Dabei nutzen sie neueste Erkenntnisse aus der Hirnforschung. Seit einigen Jahren ist eindeutig bewiesen, dass intakte Gehirnareale die Funktionen eines ausgefallenen Bereichs mit übernehmen. Allerdings benötigt man dazu gezielte Übungen, beispielsweise das Arm-Basis-Training. Bei der herkömmlichen Reha-Therapie übt man von Anfang an komplette Bewegungsabläufe, etwa zum Ergreifen eines Glases. Dagegen lernt der Patient hier in kleinen Schritten, zuerst die einzelnen Gelenke getrennt voneinander zu bewegen.

Eine Studie der Berliner Charité zeigte im Jahr 2005 die Effektivität des Arm-Basis-Trainings bei 28 Schlaganfall-Patienten. Sie konnten ihren Arm anschließend deutlich besser bewegen als diejenigen, die nach herkömmlichen Verfahren trainierten. Bei der neuen Methode wiesen die Wissenschaftler tatsächlich nach, dass sich Nervenzellen im Gehirn umorganisierten, um sich auf die neue Situation einzustellen. Mittlerweile bieten viele Physiotherapeuten das Arm-Basis-Training an. Ähnlich gute Erfolge erreicht man mit dem Taub-Training. Wichtig für den Behandlungserfolg bleibt stets die Zusammenarbeit verschiedener Therapeuten (Logopäden, Ergo- und Physiotherapeuten) und die Unterstützung durch die Angehörigen.

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten