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Schlaganfall: Foramen ovale

Jeder vierte Mensch besitzt eine Öffnung zwischen den beiden Herzvorhöfen (Foramen ovale). Dieses Blutventil ist ein Überbleibsel aus der Zeit als Fötus im Mutterleib. Bei Erwachsenen steht es im Verdacht, einen Schlaganfall zu begünstigen. Der Verschluss des ovalen Lochs mit bringt keinen Schutz vor einem weiteren Schlaganfall.

Vor der Geburt ist das Foramen ovale die direkte Verbindung für das sauerstoffreiche Blut aus der Nabelschnur in die Schlagadern. Nach der Geburt schließt sich das Loch bei den meisten Menschen. Der Körper benötigt den Kurzschluss zwischen den Herzvorhöfen nicht mehr. Mit Einsetzen der Luftatmung führt der Lungenkreislauf sauerstoffreiches Blut in den Körper.

„Bei etwa einem Viertel aller Menschen bleibt das Foramen ovale offen, was meistens vollkommen harmlos ist. Selten kann es aber bei Erwachsenen auch zum Schlaganfall führen.“ Dies erläutert Professor Matthias Endres von der Charité in Berlin und 1. Vorsitzender der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG). In diesen seltenen Fällen bilden sich bei einer Thrombose in den Beinvenen Blutgerinnsel. Diese gelangen durch das Foramen ovale in die Halsschlagader und ins Gehirn.

Ärzte suchen bei Patienten, die bereits einen Schlaganfall oder eine Transitorische Ischämische Attacke (TIA) erlitten haben, nach einem offenen Foramen ovale. Bei der TIA bilden sich die Lähmungen innerhalb eines Tages vollständig zurück, die Gefahr eines späteren Schlaganfalls ist jedoch hoch. „Bei etwa der Hälfte aller jungen Menschen mit Schlaganfall oder TIA kann ein offenes Foramen ovale nachgewiesen werden“, berichtet Endres.

Bisher gab es keine verlässlichen Daten dazu, dass bei diesen Menschen das offene Foramen an der Schlaganfall-Entstehung beteiligt ist. Trotzdem bieten viele Herzzentren eine Katheter-Behandlung an, bei der sie das Foramen durch ein kleines Schirmchen dauerhaft verschließen. Kürzlich wurde in Nordamerika eine Studie publiziert. Dabei beantworteten über 900 Patienten die Frage, ob der Katheter-Verschluss einer medikamentösen Behandlung überlegen ist.

Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass der Katheter-Verschluss die Zahl erneuter Schlaganfälle oder TIAs in den ersten beiden Jahren nicht signifikant reduzierte. „Die Rate erneuter Schlaganfälle lag in beiden Gruppen über zwei Jahre bei drei Prozent und war damit insgesamt sehr niedrig.“ Das berichtet Professor Martin Grond, 3. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und Chefarzt am Kreisklinikum Siegen.

Ohne Beweis der Wirksamkeit dürfen Ärzte die Katheter-Therapie nach Ansicht von DSG und DGN nicht routinemäßig durchführen. Zudem ist sie mit Risiken verbunden. So kam es in der Studie bei 3,2 Prozent der Patienten während der Katheter-Behandlung zu Komplikationen. Knapp sechs Prozent entwickelten Vorhofflimmern. „Diese Herzrhythmusstörung kann dazu führen, dass sich später im linken Vorhof Gerinnsel bilden. Diese lösen als Embolus einen Schlaganfall aus, auch wenn das Foramen ovale verschlossen wurde,“erklärt Grond.

Als Standardtherapie gilt weiterhin eine Behandlung mit Medikamenten, die die Bildung von Blutgerinnseln verhindern oder die Gerinnung hemmen.

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