MenüMenü

Restless Legs Syndrom: Wie steht es um Ihre Eisenwerte?

Restless Legs, unruhige Beine: Das klingt zunächst einmal nicht besorgniserregend. Allerdings kann die Erkrankung den Betroffenen vor allem die Nacht zur Hölle machen. Schlaftabletten und sogar Antidepressiva werden verordnet und helfen nur wenigen Betroffenen. Neue Forschungen dagegen weisen darauf hin, dass der Eisenwert eine entscheidende Rolle bei der Erkrankung spielen könnte.

Die wenigsten Betroffenen wissen von der Krankheit

An einem Restless-Legs-Syndrom (RLS) leiden in Deutschland etwa 5 bis 10 Prozent der Erwachsenen. Typische Kennzeichen sind Schmerzen, Kribbeln, Spannungsgefühle und andere Missempfindungen in den Beinen, die sich nur durch Bewegung lindern lassen. In den Abend- und Nachtstunden sind die Symptome besonders schlimm. Die Ursache der quälenden Beschwerden liegt in einer Störung des Gehirnstoffwechsels: Die Produktion des Botenstoffs Dopamin scheint beeinträchtigt zu sein.

Viele Hausärzte tappen bei der richtigen Diagnose im Dunklen. Im Jahr 2006 fand die Universität Münster bei einer Befragung von 20.000 Hausarztpatienten bei jedem siebten die Kriterien für ein RLS erfüllt. Nur die wenigsten wussten davon.

Restless-Legs-Syndrom: Die 4 untrüglichen Zeichen

  1. Missempfindungen: Leiden Sie unter Missempfindungen wie Ziehen, Kribbeln oder Schmerzen in den Beinen, verbunden mit einem unnatürlichen Bewegungsdrang der Beine?
  2. Auch in Ruhezuständen: Verstärken sich Ihre Beschwerden in Ruhe- und Entspannungsphasen?
  3. Bewegung hilft: Lindern sich Ihre Beschwerden, wenn Sie Ihre Beine bewegen?
  4. Abends und nachts: Sind die Beschwerden in dieser Zeit am stärksten?

Nach den Ergebnissen der Universität Münster wird ein Großteil der RLS-Patienten nicht oder falsch behandelt. Das liegt unter anderem daran, dass die meisten Betroffenen eher über seelische Belastungen, mangelndes Leistungsvermögen oder Schlafmangel klagen und nicht ahnen, dass dafür eigentlich die Schmerzen und die Unruhe in ihren Beinen verantwortlich ist.

Typische Fehldiagnosen

Viele Menschen verwechseln das Restless-Legs-Syndrom leicht mit folgenden Beschwerden:

  • Depressionen
  • Schlafstörungen
  • Stress-Symptome
  • Erkrankungen der Wirbelsäule
  • Fibromyalgie (Muskelschmerz am ganzen Körper)
  • Polyneuropathien (Schmerzen durch geschädigte Nerven, auch bei Diabetes)

Weiteres Kennzeichen: Nächtliche Beinzuckungen

Bei vielen Betroffenen kommt es vor allem nachts zu Perioden mit starken Beinzuckungen. Viele bemerken diese meist nicht, weil sie unterhalb der Aufwachschwelle liegen. Medikamente der ersten Wahl sind das aus der Parkinson-Therapie bekannte L-Dopa (die Vorstufe des Gehirnbotenstoffs Dopamin) sowie Wirkstoffe, welche die Dopaminwirkung nachahmen (Dopamin-Agonisten).

Als Patient sollten Sie unbedingt Retard-Präparate oder Medikamentenpflaster bevorzugen, die den Wirkstoff verzögert freisetzen und so auch nachts für einen ausreichend hohen Spiegel sorgen

Die besten Selbsthilfemaßnahmen bei unruhigen Beinen

  • Duschen Sie Ihre Beine kalt ab, wenn Sie den Bewegungsdrang verspüren. Ähnlich wirken kalte Abreibungen, Eisbäder sowie feuchte und kalte Umschläge.
  • Eine Bürstenmassage oder eine manuelle Lymphdrainage (vom Physiotherapeuten durchzuführen) können die Überreizung besänftigen.
  • Halten Sie möglichst regelmäßige Schlafenszeiten ein (z. B. auch am Wochenende).
  • Verzichten Sie möglichst auf die Nervengifte Nikotin und Alkohol. Auch Koffein kann den nächtlichen Bewegungsdrang steigern.
  • Treiben Sie spätnachmittags oder abends nur leichten Sport, z. B. Gymnastik, Walking oder Radfahren.

Achtung: Die bei Schlafstörungen vielfach empfohlenen Entspannungsübungen (z. B. progressive Muskelentspannung oder autogenes Training) können die Beschwerden bei Restless Legs eher noch verstärken.

Opiate helfen, wenn alles andere versagt

Falls Dopamin bei Ihnen keine ausreichende Wirkung erzielt, kann Ihnen Ihr Arzt auch Opiate (Wirkstoffe u. a. Tillidin) oder ein Antiepileptikum (Wirkstoffe Pregabalin, Gabapentin) verordnen. Diese Mittel sind zwar offiziell noch nicht für die Anwendung bei RLS zugelassen, doch mehrere Studien und gute praktische Erfahrungen zeigen, dass sie Ihnen wieder eine bessere Lebensqualität bescheren.

Eine aktuelle Studie der Paracelsus-Elena-Klinik in Kassel mit über 300 sehr schwer betroffenen RLS-Patienten konnte zu Beginn des Jahres 2014 zeigen, dass ein Kombinationspräparat mit den Opiaten Oxycodon und Naloxon (Targin®) die Beschwerden auch dann noch deutlich zurückdrängen kann, wenn die herkömmliche Behandlung versagt hat.

Keine Therapie ohne vorhergehenden Eisen-Check!

Bevor Ihr Arzt jedoch eine Therapie gegen RLS beginnt, sollte er Ihre Eisenwerte überprüfen lassen. Amerikanischen Medizinern war erstmals im Jahr 1998 aufgefallen, dass Patienten mit einem Eisenmangel unter besonders starken RLS-Symptomen litten. Im Jahr 2009 haben Forscher der Universität Göteborg diesen neuen Therapieansatz erfolgreich getestet. Jeweils 60 RLS-Patienten erhielten entweder eine Eiseninfusion oder zur Kontrolle lediglich eine Kochsalzlösung. In der Eisen-Gruppe hatten sich die Beschwerden nach sieben Wochen um 71 Prozent gebessert, in der Kontrollgruppe nur um 35 Prozent.

Ihr Arzt darf jedoch keinesfalls nur den üblichen Eisen-Serumwert bestimmen. Entscheidend ist der Wert des „Speichereisens“, der Ferritin-Wert. Ferritin ist ein Transportprotein, an das der größte Teil des Körpereisens gebunden ist. Wenn Ihr Ferritin-Wert unter 50 μg/l liegt, ist eine Eisen-Therapie angezeigt. Das gilt auch, wenn der Serum- Eisenwert (ein Maß für das ungebundene Eisen im Blut) noch normal ist. Denn selbst in diesen Fällen können die wichtigen Eisenspeicher Ihres Körpers bereits erschöpft sein. Fragen Sie also gezielt nach, welcher Wert gemeint ist, wenn Ihr Arzt behauptet: „Ihr Eisenwert ist normal.“

Geeignete Vitalstoffe bei Restless-Legs

  • Eisen (unter ärztlicher Aufsicht)
  • Folsäure (ca. 1 mg täglich)
  • Vitamin B12 (ca. 1 μg täglich)

Neben Eisen sorgen auch Folsäure und Vitamin B12 für eine bessere Dopamin-Wirkung im Gehirn. Diese Vitalstoffe sind daher ebenfalls eine wichtige Ergänzung zur schulmedizinischen Therapie.

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten